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Festival Szenenwechsel: Jazz macht auch das Leben der Zukunft hörbar

Der holländische Komponist Martin Fondse (51) liebt die Arbeit mit jungen Musikern. Für das Festival der Hochschule Musik Luzern hat er seine Suite-in-Progress weiterentwickelt: «The Future Is Now!»
Pirmin Bossart
Martin Fondse thematisiert in seiner Musik auch gesellschaftlich und technologisch brisante Fragen. (Bild: PD)

Martin Fondse thematisiert in seiner Musik auch gesellschaftlich und technologisch brisante Fragen. (Bild: PD)

«Junge Leute, die Musik studieren, sind nicht einfach Studierende. Sie sind auch da als Musiker und haben etwas zu sagen.» Als älterer «Professional» könne auch er von ihnen lernen, von ihrer Energie und der Art und Weise, wie sie über Musik denken würden, sagt Martin Fondse. «Ich betrachte junge Musiker als meine Kollegen. Ich arbeite mit ihnen auf die gleiche Weise wie mit erfahrenen Musikern.»

Der holländische Pianist, Komponist und Bandleader Martin Fondse probt diese Woche mit der Big Band der Hochschule Luzern und einem Chor von acht Sängerinnen und einem Sänger die Suite «The Future Is Now». Sie wird zum Abschluss des Festivals Szenenwechsel am Sonntag im KKL Luzern aufgeführt. Gleichzeitig unterrichtet Fondse an der Jazzabteilung diese Woche auch noch Komposition. Als Gastdozent für Komposition wird er dieses Jahr blockweise noch ein paar Mal in Luzern sein.

Jagd nach Teilchen und Autos ohne Fahrer

Der wache Geist von Fondse und sein unangestrengter Enthusiasmus wirken erfrischend. Ein typischer Holländer, denken wir, als wir mit ihm in der Jazzkantine sitzen. Offen, unkompliziert, fleissig, ambitioniert. Fondse erzählt von seiner Suite «The Future Is Now», die 2016 entstanden ist und als Work-in-Progress nun in Luzern eine Fortsetzung erfährt. Es ist eine Komposition, die bis jetzt aus drei Teilen besteht. Sie wurden mit dem Dutch Youth Jazz Orchestra, dem englischen National Youth Jazz Orchestra und dem deutschen Bundesjazzorchester erarbeitet.

In Luzern kommt nun ein weiterer Teil dazu. «Thematisch basieren alle Teile auf Visionen über die Zukunft. Ich habe dazu Texte von Philosophen, Atomphysikern oder spirituellen Leadern gelesen, um mich inspirieren zu lassen.» Ein Stück der Suite («Particle Fever») setzt sich mit der Jagd nach den kleinsten Teilchen auseinander, wie das im Cern in Genf praktiziert wird. In «Robot Taxi» geht es um Autos ohne Fahrer. Für den Text hat Fondse die Robotersprache Roila verwendet.

Die Liebe zwischen Mensch und Maschine

In Luzern wird unter dem Titel «She loves me, Siri» die Liebe zwischen Menschen und Maschinen thematisiert. Was für Antworten kommen, wenn ich dem virtuellen Apple-Assistenten Siri Fragen stelle, die Herzens- und Liebesangelegenheiten betreffen? Was kann er mir emotional zurückgeben? Entsteht überhaupt eine Beziehung? Fondse hat die Studierenden aufgefordert, solche Liebesfragen für ihr Smartphone zu formulieren. «Aus diesem Material mit den Antworten erarbeiten wir dann das Stück.»

Er habe für den Luzerner Teil bereits einen «frame» aus Akkorden und Melodien geschrieben, die er mit den Studierenden proben wolle, sagt Fondse. «Vieles entsteht erst an den Proben. Ich sehe und höre, was die jungen Musiker machen, was sie improvisieren. Da wird etwas entstehen. Das nehme ich mit als Inspiration und schreibe am Abend weiter, wo es nötig ist.» Fondse möchte die Suite noch bis auf acht bis zehn Teile ausbauen und dann mit einem international zusammengesetzten Orchester als CD herausgeben.

Der Bandleader hat keine Probleme damit, dass Anfang Woche noch vieles unklar ist und das meiste, das in der Suite als Luzerner Teil dazukommt, erst noch erfunden oder zusammengesetzt werden muss. «Alles ist möglich, aber noch nichts ist klar», fasst es Fondse mit einem Grinsen zusammen.

Man spielt nie das Gleiche

Was einem klassischen Dirigenten Schweissperlen auf die Stirne treiben würde, ist für einen erfahrenen Jazz-Bandleader völlig normal. «Du hast Material, du hast Erfahrungen und du hast eine Anzahl von Musikern. Aber was daraus entstehen wird, ist noch nicht definiert. Das ist das Bewusstsein eines Jazzmusikers.» Deswegen mache er diese Musik. Man spiele niemals das Gleiche, alles werde immer neu aufgemischt, verbunden, variiert. «Das ist essenziell für einen Jazzgeist.»

Offensichtlich nicht nur für Jazz, sondern auch für Spass zu haben: Martin Fondse. (Bild PD)

Offensichtlich nicht nur für Jazz, sondern auch für Spass zu haben: Martin Fondse. (Bild PD)

Für Fondse ist denn auch Jazz kein bestimmter Musikstil, sondern ein «state of mind». «Jazz hat mit Offenheit und dem Moment zu tun. Und damit, dass immer alles geschehen kann. Das mag ich sehr.» Und: Im Jazz sei jede Persönlichkeit willkommen, jeder und jede trage seinen Teil bei. «Jazz ist inklusiv, nicht exklusiv.» Musikalisch interessieren ihn die Mischungen. Bebop, ethnische Musik, Free, Rock, World: «Ich bin neugierig. Was ich mag, benutze ich. Meine Musik ist ein Amalgam. Nur ein Prozent davon bin ich selber.»

Sonntag, 3.2., 17 Uhr, Luzerner Saal, KKL: «The Future Is Now», Martin Fondse und die Big Band der Hochschule Luzern. In Kooperation mit dem Jazz Club Luzern. www.hslu.ch/de-ch/musik.

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