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Gitarrist Christian Zemp:
«Jazz ist ein Werkzeug für mich»

Der Musiker und Gitarrist Christian Zemp (26) hat am 31. Mai mit seiner Band Schööf einen besonderen Auftritt: An seinem Masterabschlusskonzert hören nämlich auch die Experten mit.
Pirmin Bossart
Experimentierfreudiger Gitarrist: Christian Zemp in seinem kleinen Proberaum in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 28. Mai 2018))

Experimentierfreudiger Gitarrist: Christian Zemp in seinem kleinen Proberaum in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 28. Mai 2018))

Der Übungsraum ist eine Holz­kabine von wenigen Quadrat­metern, die auf einem ehemaligen Industrieareal an der Maihofstrasse 40 in Luzern steht. Elek­trische Gitarren stehen herum, ein Magnatone-Verstärker, ein ­alter Radio (Röhrenverstärker). An der Wand kleben Zettel mit Notizen über Harmonieverbindungen und ihre Skalen. Hier, in geradezu mönchischer Atmosphäre, arbeitet Christian Zemp. Vielleicht müsste man eher sagen: forscht.

«Es ist die Neugier, die mich antreibt und die mich schliesslich zur improvisierten Musik gebracht hat.» Dem Master-Absolventen «Jazz Performance» an der Hochschule Luzern – Musik geht es darum, eigene Sounds, Form-Vorstellungen und Ausdrucksweisen zu finden. «Es gibt so vieles zu entdecken, abseits von vorgegebenen Mustern oder bekannten Interpreten.» Als ­Gitarrist und Musiker möchte Christian Zemp diese Prozesse auch in bestimmte Formen packen und sie einem Publikum näherbringen können.

In seinem musikalischen Bereich ist das eine Herausforderung. Zemp und seine Bandkollegen machen Stücke, die für die meisten nach so etwas wie «Free Jazz» klingen oder zumindest nach einem abenteuerlichen Konglomerat von Klängen und Formen. Niemand muss sich fürchten vor solcher Musik. Zwei offene Ohren und eine winzige Portion Neugier genügen. «Es braucht kein Vorwissen oder bestimmte Stil-Vorlieben. Es muss auch niemand zwingend ein Free-Jazz- oder Impro-Fan sein, um mit solcher Musik etwas anfangen zum können.»

Auf enger Tuchfühlung mit den Musikern

Schon eher ist der Kontext wichtig, wie eine Band ihre Musik rüberbringt. Zemp: «Wenn wir Wohnzimmer-Konzerte geben, wo die Zuhörenden in enger Tuchfühlung mit den Musikern stehen, heisst es oft: Ich höre sonst nicht solche Musik, aber hier hat es mich gepackt.» Auch an der Plattentaufe seiner Band Schööf, mit der Zemp das Masterabschlusskonzert bestreitet, kam es zu solchen Reaktionen. Das Konzert im «Esszimmer» wurde umrahmt von einem Essen und der Aufführung eines Schööf-Videos. Das ganze Ambiente stimulierte die Atmosphäre und den Austausch weit mehr als ein herkömmliches Konzert mit seinen fixen (Erwartungs-)Fronten.

Zemp, der in St. Erhard aufge­wachsen ist, begann in der zweiten Primarschule Gitarre zu lernen. Beim Gitarrenlehrer Thomas Estermann in Sursee (Planxty Irwin, Volksmusik Ensemble) wurde er mit der Vielfalt der europäischen Folkszene und Volksmusik bekannt. «Das hat mich stark geprägt.» An der Kantonsschule Sursee (Matura Schwerpunktfach Latein) nahm er Unterricht beim versierten Gitarristen Urs Müller. «Als für mich klar wurde, dass ich Musik studieren will, lag für mich die Jazz-Abteilung eher auf der Hand als die Klassik-Abteilung. Obwohl: Von Jazz hatte ich kaum eine Ahnung. Diesen lernte ich eigentlich erst an der Schule richtig kennen.»

Jazz sei für ihn eher ein Werkzeug als ein Ausdrucksmittel, sagt Zemp. Jazz zu spielen, damit habe er sich nie richtig identifi­zieren können. Aber vom Jazz zu lernen, das traf voll auf ihn zu. «Jazz ist reich an melodischen, harmonischen und rhythmischen Elementen. Auch von der Gehörbildung habe ich sehr profitiert.» Das Hören sei essenziell beim Improvisieren. «Das hilft, sich gemeinsam in einem Klangraum bewegen zu können und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wohin die Reise gehen könnte.»

Der Austausch ist zentral

Wichtige Inspirationen kamen von Dozenten wie Fred Frith, Frank Möbus, Kalle Kalima, Hans Peter Pfammatter, Gerry Hemingway oder Christian Weber. Neben dem Vermitteln des technischen und rhythmischen Rüstzeugs sei es vor allem der Austausch, der an der Jazzschule zentral sei, sagt Zemp. «Ein grosser Pool von Leuten kommt hier zusammen. Man lernt jene kennen, die ähnliche Vorstellungen haben und die an etwas dranbleiben und gemeinsam etwas aufbauen wollen, das im besten Falle auch nach der Schule noch besteht.» Mit den Saxofonisten Elio Amberg und Noah Arnold sowie dem Schlagzeuger Amadeus Fries hat Zemp schon für sein Bachelor-Projekt zusammengearbeitet.

Nun steht die Band auch auf der Master-Bühne. Ihr Sound hat sich weiterentwickelt, neue Stücke sind dazugekommen. Die erste «Platte» erschien in der Form einer hübsch verpackten Musikspieldose mit Lochkarte und Download-Code. Für den Song «Krapfen» hat der Animationsfilmer Frederic Siegel ein Video produziert.

Neben Schööf spielt Zemp im Drone-Jazz-Quartett Tanche, im Duo mit Elio Amberg oder im Trio mit Christian Weber und Marius Meier. Im Juni erarbeitet er mit dem Pianisten Raphael ­Loher, dem Schlagzeuger Gerry Hemingway und dem Videokünstler Niculin Barandun an einer Residence im «Südpol» ein Programm (Konzert 7. Juni).

Experimentierfreudige Projekte entwickeln

Der junge Gitarrist sucht Austausch und Kooperationen. Mehr als einzelne Musiker interessieren ihn bestimmte Szenen wie die­jenigen in Berlin (um Christian Lillinger) oder Zürich (Gamut Kollektiv), wo sich Musiker treffen, einander inspirieren und in unterschiedlichen Konstellationen experimentierfreudige Projekte entwickeln. «Ich wünsche mir, dass auch in Luzern eine ­solche Stimmung entsteht. Wir arbeiten daran.»

Parallel zur Musik absolvierte Christian Zemp die internatio­nale Ausbildung als Feldenkrais-Lehrer. Die Feldenkrais-Methode arbeitet mit achtsamer Wahrnehmung, um grundlegende Fähigkeiten durch intelligente Bewegung zu schulen. Diesen Weg wird Zemp weiterverfolgen und damit auch sein Musikmachen reflektieren und intensivieren. Daneben hat er ein Unterrichtspensum an der Musikschule Alpnach. Im Fokus aber stehen seine musikalischen Projekte. Und die schöne Aussicht, irgendwann das Stipendium einer Stiftung in die Tat umzusetzen. «Ich möchte eine Zeit lang in einer Stadt wie New York oder Berlin arbeiten, um neue Impulse zu sammeln.»

Donnerstag, 31. Mai, Jazzkantine. 19 Uhr: Jonathan Salvi, Vibrafon, Performance Jazz, Assemblage (Niklaus Mäder (bcl), Jonathan Salvi (vib, marimba, perc), Clemens Kuratle (dr). 21 Uhr: Christian Zemp, Gitarre, Performance Jazz, Schööf (Christian Zemp (g, fx), Elio Amberg (s, bcl), Noah Arnold (s), Amadeus Fries (dr). Weiteres Programm der Master-Abschlusskonzerte: www.hslu.ch/masterkonzerte

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