Jazz-Legende McCoy Tyner ist tot

Er war einer der einflussreichsten Pianisten des Jazz und wichtigster Nachlass-Verwalter des Neuerers John Coltrane.

Stefan Künzli
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McCoy Tyner

McCoy Tyner

Bild: Keystone

Er war der Pianist mit „dem Hammerschlag eines Schmiedes“, seine linke Hand wurde mit einer Pranke verglichen. Andere sprachen von „vulkanischer Eruption“, „messianischen Drive“, „chromatischen Stürmen“. Für viele war er aber vor allem der Pianist von John Coltrane.

Fast fünf Jahre, von 1960 bis 1965 sass er am Klavier des wohl berühmtesten Quartetts der Jazz-Geschichte und hat es mit seiner modalen Spielweise entscheidend mitgeprägt. Herausragend war aber nicht nur die akkordische Wucht, der Donnerschlag der linken Hand, seine Tontrauben wurden vom Magazin „Down Beat“ als pianistische Antwort auf Coltranes Spielweise beschrieben. Coltrane selbst schätzte Tyners melodischen Einfallsreichtum, Formsinn und Geschmack.

McCoy Tyner, der 1938 in Philadelphia geboren ist, ersetzte die traditionelle Funktionsharmonik durch die modale Spielweise, spielte aber immer tonal. Er verliess denn auch Coltranes Band, als sich dieser 1965 freieren Konzepten zuwandte. Tyner mochte diesen Weg nicht mitgehen.

Lange Durststrecke

Als Ex-Pianist von Coltrane musste er in der Folge aber lange unten durch. Litt unter Depression und Selbstzweifel. Nach einer siebenjährigen Durststrecke erlebte er 1972 ein fulminantes Comeback. Er befasste sich stark mit afrikanischer und anderen aussereuropäischen Musiktraditionen und übertrug die modale Spielweise in die 70er- uns 80er-Jahre. Mit Alben wie „Sahara“, „Sama Layuca“ und „Supertrios“ lotet er die Band-Breite zwischen traditionellem Jazz und Weltmusik aus. Er führte nach dem Tod von Coltrane dessen Erbe auf eigene Weise weiter. Mit McCoy Tyner ist am 6. März einer der einflussreichsten und bedeutendsten Pianisten des Jazz im Alter von 81 Jahren gestorben.