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JAZZFESTIVAL: Mit ungeheurem Spielwitz

Das vor 40 Jahren gegründete US-Trio Bass Drum Bone tritt in Willisau auf. Wir haben den umtriebigen Schlagzeuger des Trios, Gerry Hemingway, in Luzern getroffen, wo er seit 2009 unterrichtet.
Tom Gsteiger
Gerry Hemingway ist in Willisau kein Unbekannter mehr. (Bild: Francesca Pfeffer/KEY (Willisau, 28. August 2015))

Gerry Hemingway ist in Willisau kein Unbekannter mehr. (Bild: Francesca Pfeffer/KEY (Willisau, 28. August 2015))

Tom Gsteiger

Nach den Eigenheiten des Jazz befragt, weist Gerry Hemingway auf das enge Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv hin. Im Schaffen des 1955 in New Haven, Connecticut, geborenen Schlagzeugers nehmen kooperative Gruppen viel Raum ein. An erster Stelle ist hier das Trio Bass Drum Bone zu nennen, das 1977 ins Leben gerufen wurde und vom Posaunisten Ray Anderson und Bassisten Mark Helias vervollständigt wird. Hemingway sagt: «Wir teilen viele musikalische Vorlieben – das reicht von der Tradition bis zur Avantgarde.» Tatsächlich handelt es sich um eine Formation, die Formbewusstsein und Freigeistigkeit unter einen Hut zu bringen versteht. Da wird lustvoll, undogmatisch und mit ungeheurem Spielwitz musiziert – auch in komplexen Passagen ist die Musik des tollkühnen Trios nicht kopflastig.

Do it yourself wie beim ersten Album

Zum 40-Jahr-Jubiläum ist mit «The Long Road» eine Doppel-CD erschienen, auf der das Trio erstmals mit Gästen zu hören ist: Joe Lovano (Tenorsax) und Jason Moran (Piano) klinken sich auf je drei der 13 Nummern mit Emphase und Empathie ins musikalische Geschehen ein. Höhepunkte sind Andersons «BluRay», auf dem sich der Tausendsassa-Posaunist und Lovano in atemberaubender Manier zwischen bluesiger Laszivität und Draufgängertum bewegen, und Hemingways mysteriöse Ellington-Hommage «Tone L» mit einem magistralen Moran. Da sich keines der noch wenigen verbliebenen potenten Jazzlabels für die Veröffentlichung der Aufnahmen bereit zeigte, übernahm Hemingway die Finanzierung selbst und reservierte für die Doppel-CD einen Platz im Katalog seines Do-it-yourself-Labels Auricle Records, auf dem 1978 auch das erste Album des Trios erschienen war. Für Hemingway ist klar: «Das Jazz-Business ist schwieriger geworden.»

Hemingway lebt seit 2009 in Luzern, wo er an der Jazzabteilung der Hochschule nicht nur Schlagzeug unterrichtet, sondern auch Band-Workshops und Kurse zu historischen Aspekten des Jazz gibt. «Ich sehe meine Rolle darin, viele verschiedene Türen zu öffnen und Geschichten mit anderen zu teilen. Geschichten sind sehr wichtig», umreisst er seine Tätigkeit als Dozent.

In seiner Wohnung beherbergt der Schlagzeuger, der über einen ungeheuer pluralistischen Musikgeschmack verfügt, ein riesiges Musikarchiv, zu dem unzählige selbst aufgenommene Tonbandkassetten gehören. An den Wänden hängen Panoramafotografien von Wanderungen durch die Alpen. Er kenne die Schweiz inzwischen ziemlich gut, sagt er, und trotzdem komme er sich manchmal noch wie ein Alien vor. In Luzern fühle er sich aber zu Hause: «Es ist wie in einem Dorf.»

Gerry Hemingway bemüht sich um die Zusammenarbeit mit Schweizer Musikern. Den Genfer Pianisten Michel Wintsch lernte er bereits lange vor seiner transatlantischen Übersiedlung kennen. Seit 1998 bilden sie und der Bassist Bänz Oester das Trio WHO – es wird 2018 ein neues Programm mit Musik von Duke Ellington und Billy Strayhorn präsentieren. Mit seinen ehemaligen Studenten Manuel Troller (Gitarre) und Sebastian Strinning (Sax) hat er mit Tree Ear ein weiteres kooperatives Trio gegründet, von dem im September auf dem portugiesischen Label Clean Feed Records ein erstes Album erscheinen wird. Mit dem Schlagzeuger Vincent Glanzmann ist er in elektroakustischen Gefilden unterwegs.

In Willisau schon öfter aufgetreten

Der Auftritt mit Bass Drum Bone am Jazzfestival Willisau ist für Hemingway also gewissermassen ein Heimspiel. In Willisau ist er sowieso längst kein Unbekannter mehr. Mit Bass Drum Bone ist er dort bereits viermal (1986, 1999, 2003, 2007) zu hören gewesen. Ebenfalls mehrmals trat der Schlagzeuger im Luzerner Hinterland an der Seite der Avantgarde-Ikone Anthony Braxton auf (1991 entstanden Aufnahmen für Hat Hut Records). 2015 war Hemingway an einem denkwürdigen Konzert des Trios des Tenorsaxofonisten Ellery Eskelin beteiligt – ebenfalls als CD auf Hat Hut Records erhältlich.

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