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KKL: Jeder Auftritt von Martha Argerich ist ein Geschenk

Ein Talent der Zukunft, ein Superstar und ein Autodidakt – Der erste Abend der Migros Klassik begeisterte im KKL.
Roman Kühne
Pianistin Martha Argerich, hier bei einem letztjährigen Konzert im KKL. (Bild: Pius Amrein, 17. Oktober 2018)

Pianistin Martha Argerich, hier bei einem letztjährigen Konzert im KKL. (Bild: Pius Amrein, 17. Oktober 2018)

Es gibt auch in anderen Gegenden Europas herausragende Konzerthallen. Eine von ihnen ist der «Parco della Musica» in Rom. Wie drei Raumschiffe senken sich die grossen Musiksäle auf das Gelände. Das Grösste verfügt über 2700 Plätze. Dies bei einer fantastischen Akustik. Doch altehrwürdige, etwas verstaubte Institutionen wie die «Scala» oder das «La Fenice» in Venedig laufen ihr den Rang ab. Dabei ist es der Parco della Musica, wo in den letzten 20 Jahren etwas wie Bewegung in die verkrusteten italienischen Musikstrukturen kam.

Der Aufstieg des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia ist eng mit diesem Bau verknüpft. Längst zählt es zur erweiterten Weltspitze. Jedes seiner Heimkonzerte pflegt es wegen der Ticketnachfrage dreimal zu geben.

Nachwuchs mit Witz und Emotion

Eine weitere Ursache für den Aufschwung ist der langjährige Chefdirigent Antonio Pappano. Zugleich Musikdirektor an der Covent Garden Opera in London, hatte er sich vieles autodidaktisch beigebracht. Als Kind begleitete er die Gesangsstudenten seines Vaters und eignete sich das ganze Opernspektrum an. Die Orchesterleiterausbildung erhielt er beim Schweizer Gustav Meier. Heute ist Pappano ein geadelter «Sir» und gilt – vor allem im angelsächsischen Raum – als einer der besten Operndirigenten weltweit.

Es ist also eine spannende Affiche, welche die Konzertreihe der Migros ins KKL bringt. Und eine seltene. Zwar gastierte die Accademia Nazionale di Santa Cecilia schon 2009 am Lucerne Festival hier. Doch Antonio Pappano musste kurzfristig operiert werden, für ihn leitete der damalige Assistent, der Venezolaner Diego Matheuz, den Abend. Leider war das Orchester mit seiner Konzentration überall, nur nicht beim Aushilfs-Maestro.

Am Samstagabend im praktisch ausverkauften KKL ist dies völlig anders. Dies beginnt bereits mit dem «Vorprogramm» der Nachwuchstalente. Die französische Saxophonistin Valentine Michaud spielt mit ihrem Saxophonquartett eine sinnliche, klanglich geschmeidige und witzige «Tango Ouvertüre». Eine kleine Show, wo die vier auf, vor und hinter den Stühlen zur Musik das Tanzbeinschwingen und die emotionale Revue auch bildlich greifbar machen.

«Jahrhundertpianistin» zieht alle Register

Sie steht am Anfang einer möglichen Karriere, die 77-jährige Schweizer-Argentinierin Martha Argerich hingegen gilt als «Jahrhundertpianistin». Und ihr Auftritt wird diesem Superlativ gerecht. Martha Argerich spielt das erste Klavierkonzert von Franz Liszt unglaublich sensibel. Es ist ein fast frei sich wendender, tief empfindsamer Moment. Ihre Farben, leicht und zerbrechlich. Ihre Ausbrüche, federnd und doch kraftvoll, fern einer jeden Alltagsschwere. Die Pianistin gibt dem Stück ein körperliches Leuchten, direkt im Zuhörer das Innerste rührend. Als Zugabe interpretiert sie ein fragiles «Von fremden Ländern und Menschen» aus den Kinderszenen von Robert Schumann.

Das Orchestra dell`Accademia Nazionale di Santa Cecilia begleitet nicht nur hier behutsam und doch spritzig. Die Ouvertüre zu «Euryanthe» (Carl Maria von Weber) und die zweite Sinfonie von Robert Schumann werden feingliedrig ausgelegt. Zwar gerät der teils melancholische Schuhmann gar etwas italienisch unbesorgt. Doch der warme Klang des Orchesters, die exzellenten Bläsersolisten, der fliessende Detailreichtum, reich an Klängen und Geschichte, sichtig und klar, schaffen eine lustvolle Interpretation, die den Abend definitiv zum Vergnügen macht.

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