«Jeder Mensch ist ein Künstler»

Nachgefragt

Geri Krebs
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Regisseur Andres Veiel (57) hat sich für den Film «Beuys» in jahrelanger Arbeit durch Archiv­material gekämpft.

Andres Veiel, Joseph Beuys starb vor 31 Jahren. Und man hat den Eindruck, dass seine grosse Zeit sehr weit zurückliegt. Warum jetzt ein Film?

Im Archivmaterial entdeckte ich einen Beuys, den ich so nicht kannte, der sich zum Beispiel in den 1970ern und 1980ern intensiv mit Geldströmen auseinandergesetzt hatte. Er sprach schon damals von Blasenbildung und stellte die Frage: Wer haftet, wenn die Blasen platzen?

Es war also vor allem der Visionär, der Sie faszinierte?

Ja, aber mindestens so wichtig war mir sein Begriff der Fähigkeit. Beuys ging davon aus, dass man Menschen nicht nach ihren Defiziten, sondern nach ihren Fähigkeiten beurteilen soll.

Da sind wir bei dem wohl berühmtesten Satz von Beuys angekommen: Jeder Mensch ist ein Künstler.

In Wahrheit lautet sein Satz: «Ich bin gar kein Künstler. Es sei denn unter der Voraussetzung, dass wir uns alle als Künstler verstehen, dann bin ich wieder dabei.» Damit wollte Beuys nicht sagen, dass jeder ein Maler, Bildhauer oder Komponist sein kann, sondern: Jeder Mensch ist in der Lage, Gesellschaft zu gestalten. Und wenn er es tut, leistet er einen Beitrag.

Interview: Geri Krebs