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«Jeder sollte einmal einen Film über sein eigenes Leben drehen»

Stefano Knuchels Vater lebte in den 1960er und 1970ern von Betrügereien, die Familie war deswegen beinahe elf Jahre auf der Flucht. Im Film «Quando ero Cloclo» erzählt Knuchel die verrückte Geschichte seiner Kindheit und spielt mit der Magie des Kinos.
Interview: Geri Krebs
Der 52-jährige Stefano Knuchel in seinem Film. (Bild: PD)

Der 52-jährige Stefano Knuchel in seinem Film. (Bild: PD)

Wenn man einen Vater hat wie der 1966 in Locarno geborene Stefano Knuchel, muss man darüber einen Film machen: Der heute 80-jährige Peter Knuchel lebte in den 1960er und 1970ern von Betrügereien und betrügerischen Konkursen und dem Lebensmotto: Warum Miete bezahlen, wenn man umziehen kann. Was mit sich brachte, dass die Familie Knuchel von 1970 bis 1981 – bis zur Verhaftung des Vaters – fast ständig auf der Flucht war.

Stefano Knuchel, Sie lebten eine Kindheit und Jugend auf der Flucht – eine Flucht, die Sie im Film als «nicht etwas Dramatisches, sondern als beste aller Möglichkeiten» bezeichnen. Aber Sie genossen in dieser Zeit keine Schulbildung?

Ja, fast keine. Ich ging zwischen meinem sechsten und fünfzehnten Lebensjahr gerade mal zwei Jahre zur Schule – ein Jahr im Tessin, ein Jahr in Genf. Danach sah ich erst 1981 wieder eine Schule von innen, die Handelsschule in Bellinzona. Doch dort flog ich nach kurzer Zeit raus. Dies deshalb, weil ich nachts zusammen mit einem Klassenkameraden ein riesiges Gemälde auf den Schulhof malte. Mir war der Rauswurf nur recht, so hatte ich Zeit, mich ganz meinen Träumen und dem Musikmachen zu widmen.

Diese Episode Ihres Lebens findet sich nicht im Film.

(Lacht)

Oh, es gibt unzählige Episoden, die ich auch nicht verwendet habe. Ich hatte das Problem, dass viele der damaligen Erlebnisse so unglaublich klingen, dass man ohnehin meinen würde, ich übertreibe. Ausserdem wollte ich keinen Film, der eine Fabel, eine platte Aneinanderreihung verrückter Begebenheiten, gewesen wäre – das hätte die ganze Geschichte ruiniert. Vielmehr wollte ich ein Gleichgewicht zwischen der Realität und Dingen, die völlig absurd erscheinen.

Sie hätten in jenen Jahren der Flucht eine Technik entwickelt, die Sie von der Realität fernhielt, und Sie hätten unwirkliche Orte zu schätzen begonnen – und wüssten heute oft nicht, was Sie gesehen und was Sie geträumt hätten. Für mich einer der Schlüsselsätze in «Quando ero Cloclo». Einverstanden?

Ja, denn mir ging es um die Frage, was mehr zählt: das, was man erlebt hat, oder das, was man nur als Gefühl glaubt, erlebt zu haben? Und da spielt die Magie des Kinos mit, denn Film ist die ideale Kunstform für die Verwischung zwischen dem Realen und dem Imaginierten. Doch natürlich geht es in meinem Film um meine ganz persönliche Sichtweise – die fast nur positiv ist. Aber ich weiss andererseits auch, dass zwei meiner vier Geschwister das nicht so positiv erlebt haben.

Sie haben in der Vergangenheit Dokumentarfilme über den Unabhängigkeitskampf in Osttimor, junge Boxer in Kuba oder den Comiczeichner Hugo Pratt in Äthiopien gedreht. Wie kamen Sie nach diesen reportagehaften Filmen dazu, Ihre persönliche Geschichte zu erzählen?

Nun, ich musste erst fast fünfzig Jahre alt werden, eine gewisse Reife erlangen, persönlich und als Filmemacher – ich bin Autodidakt –, um mich so auf mich selber einlassen zu können in einem Film. Aber ich finde, jeder sollte einmal einen Film drehen über sein eigenes Leben, es lohnt sich (lacht). Denn ein Film über ein fremdes Sujet, das nichts mit einem selber zu tun hat, ist weit einfacher zu realisieren, als sich filmisch mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

Das Kinok St.Gallen zeigt den Film am 1., 3., 7., 14., 22., 27., und 30. Juli sowie am 1. August.

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