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Musical im "Le Théâtre Emmen":
Jesus rockt als futuristischer Rebell

Im Le Théâtre Emmen folgt auf «Sister Act» am Samstag «Jesus Christ Superstar». Der 38-jährige Luzerner Regisseur Silvio Wey setzt auf wuchtige Szenen, sucht aber auch die Zwischentöne.
Interview: Roman Kühne
Regisseur Silvio Wey (links) bespricht sich mit Hannes Staffler (Jesus) und Samantha Senn (eines der Soulgirls). (Bild: Ingo Höhn/PD, 16. März 2019)

Regisseur Silvio Wey (links) bespricht sich mit Hannes Staffler (Jesus) und Samantha Senn (eines der Soulgirls). (Bild: Ingo Höhn/PD, 16. März 2019)

Zuletzt «Sister Act» und jetzt «Jesus Christ Superstar»: Geht das Le Théâtre in Richtung «Kostümschinken»?

Natürlich ist die Thematik alt, spielt die Handlung vor 2000 Jahren in einer ganz anderen Zeit. Aber wir werden definitiv keine Kostümshow machen. Der Titel ist vom Komponisten Andrew Lloyd Webber und Texter Tim Rice nicht zufällig gewählt, sondern eine Referenz an die Moderne. Das Wort «Superstar» ist kein Begriff aus der Antike. Bei uns spielt die Geschichte deshalb auch in einer nahen Zukunft. Das Outfit der Spieler und das Setting ist eher futuristisch, angelehnt an Filme wie «Mad Max».

«Mad Max»? Der Film spielt in einer zerstörten Welt. Jesus hingegen wächst im blühenden Römischen Reich auf.

Was beiden Welten gemeinsam ist, ist die Unterdrückung. Rom herrschte in Israel mit eiserner Hand. Dem Volk ging es schlecht, und so gab es viele Leute, welche die Besetzer loswerden wollten. Die Kreuzigung etwa war explizit den Widerständischen gegen das römische Imperium «vorbehalten». Macht und Tyrannei sind sehr aktuelle Themen, wenn man die gegenwärtige Weltlage und ihre Strömungen anschaut. Mit dem Transport jener Zeit in die Gegenwart, in die Rockmusik, hat schon Webber ein starkes ­Zeichen gesetzt. Wir gehen jetzt noch einen Schritt weiter.

Jesus wurde ja gekreuzigt. Der Gottessohn als Rebell gegen die Herrscher?

Das Stück schildert die Geschehnisse primär aus der Sicht von Judas und geht genau in diese Richtung. An einer Schlüsselstelle sagt Judas: «Du bist nur ein Mann, der unsere Revolution anführen sollte, und nun nennen dich alle plötzlich Erlöser.» Dies möchte ich in meiner Inszenierung aufnehmen. Jesus ist ein einfacher Mann, in den seine Anhänger und das ganze Volk ihre Erwartungen hineinprojizieren. Jesus leidet unter dem Druck. Er zweifelt. Ist er wirklich Gottes Sohn? Und auf der anderen Seite Judas, der skeptisch ist und Jesus aufhalten will. Diese Kontraste sind extrem spannend.

Also das Klischee, hier der gute Jesus, dort der böse Judas.

Gerade nicht. Judas ist ein Realpolitiker. Er bringt eigentlich auf den Punkt, was viele Leute damals dachten. Denn Jesus und seine Anhängerschaft waren zu dieser Zeit vor allem eine sehr politische Bewegung. Man kann die Revolution förmlich riechen. Judas als der grosse, böse Gegenspieler von Jesus – dieses schwarz-weisse Bild wird von Rice und Webber aufgebrochen und der Zuschauer herausgefordert.

Judas (Kevin Thiel, links) versucht Jesus (Hannes Staffler) zu überzeugen, auf die Rebellion gegen Rom zu verzichten. (Bild: Ingo Höhn/PD, 16. März 2019)

Judas (Kevin Thiel, links) versucht Jesus (Hannes Staffler) zu überzeugen, auf die Rebellion gegen Rom zu verzichten. (Bild: Ingo Höhn/PD, 16. März 2019)

Wie zeigt sich das in Ihrer Inszenierung? Nur das Stück in eine diktatorische Zukunft zu verlegen, reicht wohl nicht?

Wir haben sehr gute, zu den Charakteren passende Künstler gefunden. Hannes Staffler hat kürzlich «Rocky» in Stuttgart gespielt und gibt bei uns den Jesus. Er bringt eine grossartige Power und Kraft mit. Ihm nimmt man den Leader 100-prozentig ab. Er hätte genau die Energie, um eine Revolution anzuführen. Ihm gegenüber steht Kevin Thiel als Judas. Seine letzte Rolle war der «Glöckner von Notre Dame». Er bringt eine feine Intelligenz und Emotionen in das Stück.

Auch gesanglich braucht es Wucht. Bei der Uraufführung sang ja Ian Gillan, Sänger von Deep Purple, die Titelrolle.

Die Musik von Lloyd Webber ist grossartiger Rock. Sein Sound orientiert sich an Bands wie Eric Claptons Cream oder eben Deep Purple. Da ist viel Soul, viel ungerade Rhythmik drin. Ursprünglich war das Stück eine rockige Oper, die in ein Stadion gehört.

Genau: «Jesus Christ Superstar» braucht Grösse und Raum. Haben Sie das?

Ja, mit dem neuen Theater im Gersag haben wir Platz. Zudem stehen nicht nur 16 Profis auf der Bühne, sondern es singt ein Chor aus Laien und Halbprofis, die dem Stück die nötige grosse Präsenz verleihen. Wenn das Volk gegen Jesus brüllt und seine Kreuzigung wünscht, braucht es diese Power. Auch ist diesmal der Tanz ein wichtiges Element. Der Titelsong oder die Zerstörung des Tempels werden mit wuchtigen Choreografien umgesetzt.

Das Musical ist, zumindest in der Filmversion, teils sehr brutal. Wie lösen Sie das?

Wir reden die Geschichte nicht schön. Aber Gewalt ist nicht der Kern. Wir setzen darum vieles bildlich und choreografisch um. Sogar Kinder können sich das ansehen, wenn Eltern vorher mit ihnen darüber reden.

«Jesus Christ Superstar», 23.3. bis 14.4., Le Théâtre, Emmen, www.le-theatre.ch / 041 348 05 05.

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