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Klub der jungen Dichter:
Leben, um zu brennen

Jonathan Fedier aus Oberarth erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie ein kleiner Teil von etwas Grossem seine Bestimmung erlebt.
Jonathan Fedier

Früher war ich ein Teil eines Lebewesens. Eine kleine unscheinbare Zelle in dem Körper eines Riesen. Eines Baumes. Ich hatte Tausende Brüder und genauso viele Schwestern. Wir sahen alle gleich aus, hatten alle keinen Namen und taten den ganzen Tag nichts, ausser den Wald und die Strasse beobachten.

Jonathan Fedier, Oberarth, 1. Oberstufe.

Jonathan Fedier, Oberarth, 1. Oberstufe.

Alleine waren wir nichts. Doch zusammen, Millionen Teilchen, bildeten wir einen gewaltigen Baum, eine Esche. Wir formten die Äste und den Stamm. Jeder von uns hielt ein anderes fest. So waren wir ein gewaltiger Komplex, eine Einheit aus vielen kleineren Körpern.

Doch eines Tages, er fing ganz normal an, da kamen Menschen in dicken Jacken und mit dreckigen Hosen. Sie fuhren mit einem ihrer Fahrzeuge heran und rammten fast den Stamm um, als sie vor dem Baum hielten. Sie fällten ihn mit einem ohrenbetäubenden Werkzeug, dann luden sie uns mit einer Zange auf einen Transporter und fuhren uns zu einem grossen Gebäude. Dort wurden wir von gewaltigen Sägen verhackstückt, seltsam geformt, mit einer Schwefelmasse begossen und getrocknet. Dann wurde ich mit zwanzig meiner Brüder und Schwestern in eine kleine Kartonschachtel gepackt. Es wurde dunkel. Lange Zeit sah man nichts. Und mit der Zeit wurde es langweilig, einfach so zu liegen, und wir begannen zu plaudern. Über alles Mögliche. Über unser früheres Leben, doch dieses Thema war langweilig, weil wir alle ein Teil desselben Baumes gewesen waren. Doch niemand wusste, was mit uns passieren würde. Die meisten sagten, dass wir es schon noch rechtzeitig erfahren würden. Das war natürlich klar. Alle möglichen Gerüchte streuten in der dunklen, engen Schachtel umher, und die Mehrheit einigte sich darauf, dass wir als Futter enden würden. Wer auf diese Idee gekommen war, wusste ich nicht. Aber ich sage euch, dass ich nie an diesen Unsinn geglaubt hatte. Ich glaubte, wir sollten für einen viel wertvolleren Zweck verwendet werden. Wieso sonst sollten Bäume gefällt und verhackstückt werden? Damals hätte ich fast alles darum gegeben, herauszufinden, was mit uns passieren würde. Später wusste ich, dass ich es ohnehin bald erfahren würde.

Eines Tages wurde unsere Schachtel geöffnet, und ein Paar Finger griff hinein und packte ein besonders mager geratener Bruder von uns. Zuerst schrien wir. Doch dann, als die Schachtel wieder geschlossen wurde, verstummten alle und lauschten neugierig, was ausserhalb geschah. Ausser der unverständlichen Sprache der Menschen hörten wir nichts. Diese Nacht rasten die wildesten und haarsträubendsten Gerüchte durch die Schachtel. Keiner wusste, was oder wem er glauben sollte. Wir waren ratlos. Von da an ging es weiter: Jeden Tag wurden ein oder zwei Kollegen geholt, und wir blieben genauso ahnungslos wie vorher. Ich wartete immer noch, dass eines Tages eine Hand nach mir griff und mich rausholte.

Der Inhalt unserer Schachtel war mittlerweile arg dezimiert, und es war nicht mehr so eng wie vor drei Tagen. Ich war mit zwei anderen der Einzige, der noch nicht geholt worden war, und ich war mir sicher, dass die anderen inzwischen an einem tollen Ort Party feierten und über das Leben in der Schachtel lachten.

Die Schachtel wurde geöffnet, und meine zwei letzten Geschwister wurden herausgehoben. Ich war alleine. So alleine wie noch nie. Ich fragte mich, ob die Schachtel sprechen kann. Doch das konnte sie nicht. Sie reagierte nicht auf meine «Hallo, ist da jemand?»-Rufe.

Eines Tages, es war genau so dunkel wie immer und ich hatte keine Gesellschaft bekommen, da wurde die Schachtel geöffnet. Eine Hand griff nach mir und rieb mich an der Schachtel. Es war eigenartig. Plötzlich züngelten Flammen an mir hoch und Feuer leckte an meinem Gesicht. Die Hand führte mich zu einem Docht und ich entzündete die Kerze.

Entscheidet mit, welche Geschichte den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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