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Ein halbes Leben auf der Bühne: Joss Stone am Blue Balls 2019

Beim Auftritt der britischen Soulsängerin im Luzerner Saal des KKL möchte man ihr am liebsten zurufen: Sing deinen eigenen Song, Joss Stone!
Regina Grüter

Joss Stone mag Reggae. Und alles, was so dazugehört. Mit «Water for Your Soul» hat die britische Soulsängerin 2015 ein reines Reggae-Album veröffentlicht. Sie versprüht coole Vibes und hat ein offenes Wesen. Ihre Konzerte sind mitreissende, positive Erfahrungen. Sie verbreitet «L-O-V-E». Das ist auch an diesem Freitag, 19. Juli, dem Eröffnungsabend des Blue Balls Festivals 2019, so. Und doch ein bisschen anders.

2011, mit 24 Jahren, hat die Engländerin ein Best-of-Album herausgegeben, «The Best Of Joss Stone 2003 - 2009». Am Beginn ihrer Karriere war Joss Stone sechzehn. Heute ist sie exakt doppelt so alt – und damit immer noch sehr jung. Im Showgeschäft aber ein alter Hase. Es ist dieses Alter, das man an diesem Abend im Luzerner Saal des KKL zu spüren meint.

Joss Stone mit viel Gefühl. (Bild: reg)

Joss Stone mit viel Gefühl. (Bild: reg)

Joss Stone bräuchte kein Geplänkel

Joss Stone ist eine unglaublich gute Sängerin. Auch an ihrem neuerlichen Auftritt in Luzern hört man keinen falschen Ton von ihr (die Stimme ist etwas hart abgemischt). Unglaublich gut ist auch die achtköpfige Band, die in einem Halbrund um sie herumsteht. Einer der besten Augenblicke gehört ihr und ihrem Gitarristen, in dessen Solo sie so präzis einsteigt, dass es einem die Nackenhaare aufstellt.

Es ist einer von drei, vier Gänsehautmomenten. Und die stellen sich immer dann ein, wenn Joss Stone von der Routine abweicht. Bei «This Ain’t Love» ab ihrem Reggae-Album gerät sie erstmals in gesangliche Ekstase. Es ist neben dem Song «about marihuana», «Sensimilla», der einzige Reggae-Song, den sie an diesem Abend performen wird. Aber die Geschichte um Krankheit und wundersame Heilung durch Cannabis, die die bekennende Kifferin vor «Sensimilla» erzählt, mag ihre Wirkung nicht recht entfalten. Joss Stone hat genug Charme und Charisma. Die erzählerischen Intermezzos zwischen den Songs im Marilyn-Monroe-Stil und die Mitsingspiele wie etwa zu «Super Duper Love», einem der Hits ab ihrem Debütalbum «The Soul Sessions», braucht sie eigentlich gar nicht. Wenn Joss Stone singt, hört jeder zu.

Die neuen Sachen sind keine Zumutung

«Victim» ruft eine Frauenstimme aus dem Publikum. Joss Stone schliesst die Augen, geht in sich und intoniert spontan «Victim Of A Foolish Heart», legt für einen Moment alle ihre Gefühle hinein. Dann ist sie am besten an diesem Abend. Ganz ähnlich läuft’s mit der Zugabe, dem «Schlaflied», das uns Joss Stone mit auf den Weg gibt. Den ganzen Nachhauseweg summt man «I’ve got a right to be wrong / Got to sing my own song», auch am nächsten Morgen noch. «Right to Be Wrong» ab dem zweiten Album «Mind Body & Soul» ist ein Hammer-Song.

Joss Stone hat es also doch wieder geschafft. Man hätte aber gerne mehr ab «Mama Earth», der jüngsten Platte zum gleichnamigen Projekt, gehört. Die Songs sind raffinierter, die Bläser cooler als auf den früheren Alben. Auf ihre Weiterentwicklung darf die Musikerin und Weltenbummlerin stolz sein und einem breiten Publikum ruhig auch Neues präsentieren. Auch wenn das immer nur nach den alten Hits schreit.

Das Blue Balls 2019 läuft noch bis zum Samstag, 27. Juli 2019. Weitere Infos und Tickets: https://blueballs.ch/.

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