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JUBILÄUM: Alfred Knüsel: «Neue Musik für Ohr und Gaumen»

Der Luzerner Komponist Alfred Knüsel wird dieses Jahr 75. Zu seinem Geburtstag will er seine Musik mit viel Akrobatik und Kulinarik strapazieren.
«Fehler spornen zum Weitersuchen an», sagt Alfred Knüsel. (Bild: PD)

«Fehler spornen zum Weitersuchen an», sagt Alfred Knüsel. (Bild: PD)

Simon Bordier

Die Musik des Luzerner Komponisten Alfred Knüsel lebt vom Dialog. «Ich suche beim Komponieren immer ein Gegenüber», sagt Knüsel über sich selbst. Die Hand möchte er auch anlässlich seines 75. Geburtstags, der am 23. September ansteht, weit ausstrecken. Das tut er insbesondere mit seinem neuen Werk «Gesten» für Cello und Begleitensemble.

Kulinarische Überraschungen

«Der Bewegungsablauf ist für den Solisten schon rein physisch äusserst anspruchsvoll», sagt Knüsel, der selbst ausgebildeter Cellist ist. Die linke Hand springe auf dem Griffbrett fast einen Meter weit. «Das kann man nicht einfach hören, das muss man sehen und spüren.»

Die Gelegenheit dazu bietet sich an den Jubiläumskonzerten unter dem Titel «Echo-Räume entdecken». Das erste Konzert findet heute Abend in der Chollerhalle in Zug, das zweite morgen im Neubad in Luzern statt (siehe Hinweis).

Nebst Kompositionen des Jubilars stehen Stücke von musikalischen Weggefährten wie Roland Moser, György Kurtág und Luciano Berio oder auch Andreas Brenner auf dem Konzertprogramm. All dies wird durch das Ensemble Montaigne unter der Leitung von Christian Knüsel, Dirigent und Sohn von Alfred Knüsel, zum Erklingen gebracht. Am Cello wird man den argentinisch-italienischen Solisten Fernando Caida Greco hören und sehen können. Auch kulinarische Überraschungen wird es geben.

Die «Neue Musik für Ohr und Gaumen» ist nicht bloss als Sinnenspiel gedacht. Für Knüsel geht es auch um eine «Erweiterung fester Musikbegriffe»: «Ich möchte Klangräume schaffen, die offen und flexibel sind – das Neue wird durch das Alte ergänzt.»

Ein Einzelgänger

Er gehöre keiner «Schule» an, erklärt Knüsel. Ihm sei eher eine bestimmte Form von Einzelgängertum eigen: «Die Erfahrungen, die ich tagein, tagaus mache, verlangen nach einer Antwort von mir: Sei es wegen der Schönheit dieser Erfahrungen oder weil sie mich auf andere Weise betroffen machen.»

Dabei müsse er als Komponist notgedrungen eine Auswahl treffen und konzipieren. «Konzepte sind notwendig, aber zugleich auch Mauern.» Es sei daher wichtig, immer wieder auf Fehler zu stossen: «Die spornen zum Weitersuchen an.» Bei seinen Jubiläumskonzerten wolle er darum «Erfahrung und Konzept ins Kreuz nehmen». Die Musik biete dabei den Vorteil, dass sie sich im Grund nicht auf Papier festschreiben lasse, sondern stets mit der Zeit vergehe und wieder neu aufblühe.

Die Sprachnähe der Musik und das Spiel mit dem Klang der Sprache haben nach dem Zweiten Weltkrieg auch Dichter wie Eugen Gomringer (Konkrete Poesie) oder der Komponist Mauricio Kagel entdeckt. Deren Schaffen sei durchaus inspirierend gewesen, so Knüsel.

Als wichtige Bezugspunkte nennt er auch den italienischen Komponisten Luciano Berio (1925–2003), weil es dieser geschafft habe, «Harmonieräume aufzusprengen und Heterogenität zuzulassen». Zudem sei der persönliche Kontakt zu György Kurtág (80) stets eine grosse Bereicherung gewesen.

Volksmusik schimmert durch

Auch volksmusikalische Töne schimmern in Knüsels reichem OEuvre immer wieder durch – und mit ihnen wohl auch ein Stück Kindheit. Alfred Knüsel wurde 1941 in Luzern in eine Musik liebende Familie geboren. Die klassische Musik sei im Hause Knüsel allgegenwärtig gewesen. Und: «Schon früh habe ich die Volksmusik kennen und schätzen gelernt», sagt Knüsel. Die Freude habe er sich stets bewahrt, auch wenn er später während des Studiums am Konservatorium in Luzern (heute Hochschule Luzern – Musik) für die zeitgenössische Musik Feuer gefangen habe.

Knüsel studierte Komposition bei Peter Benary, später bei Max Kuhn in Zürich, dann bei Nadia Boulanger in Paris. Zudem schloss er ein Cello-Studium mit Konzertdiplom ab. Seine Lehrer waren Emmy Munzinger in Luzern, Raffaele Altwegg in Zürich und Paul Tortelier in Paris. Ausserdem studierte er Dirigieren.

Sehnsucht nach den Bergen

1973 wurde Knüsel an die Musik-Akademie Basel berufen und zog in der Folge von der Innerschweiz ans Rheinknie. 1980 wurde er von der Stadt Luzern im Rahmen des Kunstpreises ausgezeichnet. Alfred Knüsel ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder (davon zwei Berufsmusiker). Er lebt heute nach wie vor in Basel. «Am wohlsten fühle ich mich aber in den Bergen.»

Hinweis

Extrakonzerte zum 75. Geburtstag von Alfred Knüsel: heute in der Chollerhalle Zug, morgen im Neubad in Luzern und am 17. Mai im Gare du Nord in Basel (Beginn jeweils um 20 Uhr). Ticketreservation: Tel. 079 290 24 90, extrakonzerte@gmail.com

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