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JUBILÄUM: Ein musikalisches Fotoalbum

Über 3800 Songs auf insgesamt 97 Doppel-CDs – Die «Bravo Hits» haben jeden Teenager in den 1990er-Jahren begleitet. Jetzt wird die Reihe 25 Jahre alt. Zeit, noch einmal reinzuhören.
Michael Graber

Michael Graber

Die «Bravo» hat gleich mehrere Verdienste. Das Heft hat ganze Generationen aufgeklärt und die «Bravo Hits» haben ganze Generationen musikalisch geprägt bis geschädigt. In Form von Doppel-CDs auf denen die «grössten Hits» versammelt ­waren. Und das seit mittlerweile 25 Jahren. Im April 1992 erschien die erste Ausgabe der «Bravo Hits» (damals noch als Einzel-CD und sogar auf LP) – diesen Freitag kam Nummer 97 auf den Markt – 2018 wird dann die 100. Ausgabe erscheinen.

Vierteljährlich versammelten die grossen Labels ihre erfolgreichsten Charthits auf den «Bravo Hits» und sorgten so dafür, dass an jeder Schüler- und Pfadi-Disco landauf landab die gleichen Songs gespielt wurden. Reel 2 Reel «I Like To Move It» («Bravo Hits 7»), Blümchen «Herz an Herz» («Bravo Hits 12») oder Tic Tac Toe «Mr. Wichtig» («Bravo Hits 18») – alles Songs, die den Autor dieser Zeilen durch die Jugend begleitet haben und heute vergessen bis verdrängt sind. Bereits die Songtitel genügen aber, und im Kopf beginnt das Lied zu klingen – «Bravo Hits» sind ein bisschen wie musikalische Fotoalben, die einen in Erinnerungen schwelgen lassen. Die erste Schuldisco, die erste Freundin, der erste Kuss – zu fast allem gehört irgendwie ein Song von einer «Bravo Hits»-Scheibe.

Später weiss man alles besser

Mit einigem Abstand kann man durchaus sagen: Es sind schreckliche Songs. Zwar versteckten sich immer wieder Perlen (insgesamt finden sich auf den 97 Ausgaben mehr als 3800 Songs), aber das meiste ist aus heutiger Sicht Schrott, oder etwas cooler formuliert: Trash. Viele knallige Techno- und Eurodance-Nummern, die zu der damaligen Zeit cool gewesen sein mögen, heute nüchtern aber schnell zu Kopfwehattacken führen. Es ist ähnlich irritierend, wie wenn man im Fotoalbum sieht, was man damals für eine «hippe» Frisur hatte und von welchen grellen Farben man glaubte, dass sie zeitlos seien. Aber eben: Ein paar Jahre später weiss man alles besser.

In einer durchschnittlichen Pubertät in den 1990er-Jahren führte kein Weg vorbei an den «Bravo Hits». Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Youtube und Streaming noch nicht erfunden waren – das Internet steckte da noch in den Kinderschuhen, sehr kleinen Kinderschuhen. Aber auch heute sind die «Bravo Hits» immer noch erfolgreich. Die aktuellen Ausgaben landen immer noch auf den vordersten Plätzen der (Compilations-)Charts. Die Nummer 91 holte in der Schweiz letztmals eine goldene Schallplatte ab – das sind 10 000 verkaufte Einheiten und eine respektable Grösse. 2001 wurden die «Bravo Hits» in das «Guiness-Buch der Rekorde» aufgenommen als «bestverkaufte CD-Serie der Welt».

Dabei war eigentlich nix neu an der Idee. Sampler und Compilations gab es schon seit den 1950er-Jahren. Das Geheimnis des Erfolgs war viel mehr die geballte Ladung an PR-Kraft im Rücken. An den «Bravo Hits» beteiligten sich die grossen Musiklabels Sony Music, Universal Music und Warner Music und natürlich die «Bravo» als Durchlauferhitzer für all die gefeaturten «Stars». Starschnitte, Sammelposter und intime Interviews inklusive.

Der Einfluss schwindet stetig

Zeitweise gab es zudem noch Events wie die «Bravo Super Show», die auch am Fernsehen übertragen wurden. Ohne «Bravo» lief damals fast nichts. Dementsprechend polarisierte das Ganze auch. Während die einen fleissig Heft um Heft und CD um CD kauften, gab es bereits früh solche, die sich dem Trend ­widersetzten und lautstark ­dagegen protestierten (Neudeutsch würde man wohl «Hater» sagen).

Mittlerweile regt sich niemand mehr wirklich darüber auf. Die «Bravo» hat gerade noch rund 140 000 Auflage – das ist ein Zehntel gegenüber derjenigen in den goldenen 1990ern. Die «Bravo Hits» stehen in harter Konkurrenz zu Streaming-Listen und wirken heute seltsam unzeitgemäss. Wir wagen die Prognose, dass es die Serie nicht noch einmal 25 Jahre geben wird, aber das hatten vor ein paar Jahren auch viele über die Vinylplatten behauptet.

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