Jubiläumskonzert des Luzerner Sinfonieorchesters: Das Orchester als fünfter Solist

Das Luzerner Sinfonieorchester versammelte seine vier Arthur-Waser-Preisträger zum Jubiläumskonzert. Und steuerte unter der Dirigentin Elena Schwarz einen ureigenen Höhepunkt bei.

Urs Mattenberger
Drucken
Teilen

Jungen Menschen solle der mit 25'000 Franken dotierte Arthur Waser Preis «Bahnen öffnen», sagte Intendant Numa Bischof am Donnerstag zur Begrüssung vor dem Arthur Waser Preisträgerkonzert des Luzerner Sinfonieorchesters: Der Preis, den das Orchester seit 2014 gemeinsam mit der gleichnamigen Stiftung vergibt, sei eine Anerkennung für die Leistung, für die die jungen Musiker beim Üben am Instrument «einen Teil ihrer Kindheit geopfert» hätten.

Sagte es, und beehrte mit einem Blumenstrauss die aktuelle Preisträgerin, die durch ihre äussere Erscheinung das Gegenteil ausstrahlte. Da ahnte man nichts von Opfer. Die 20-jährige Trompeterin Lucienne Renaudin Vary trat vielmehr mit einer Unbekümmertheit auf die Bühne, als hätte sie sich eine spielerische Kindlichkeit bewahrt. Und dass sie barfuss und im körperbetont-engen Minikleid auftrat, ergab eine umwerfende Mischung von Natürlichkeit und Selbstinszenierung, die heute auch in der Klassik eine zeitgemässe Performance unterstützt.

Jeder Auftritt eine Performance: die französische Trompeterin und Arthur-Waser-Preisträgerin Lucienne Renaudin Vary im Konzert.

Jeder Auftritt eine Performance: die französische Trompeterin und Arthur-Waser-Preisträgerin Lucienne Renaudin Vary im Konzert.

Bild: Franca Pedrazzetti

Drei Preisträger und ein Star

Musikalisch entsprach dem die Lässigkeit, mit der Renaudin Vary sich durch die Medleys von George Gershwins «West Side Story» und «An American In Paris» spielte: Mit rhythmischer, aus der Hüfte heraus akzentuierter Attacke, vor allem aber mit einem sinnlich abgedunkelten Ton, der sich frei schwebend über die klangsatt und mit viel Drive gespielte Begleitung durch das Orchester legte. Musikalisch standen die Gerswhin-Medleys für die gute Laune des Festkonzerts im Namen der Arthur-Waser-Stiftung. Denn diese unterstützt seit 20 Jahren soziale und kulturelle Projekte in Afrika und in der Zentralschweiz. Das jüngste Engagement war die Schenkung einer Million Franken zur Finanzierung des Architekturwettbewerbs für ein neues Luzerner Theater.

Aus Anlass des Stiftungsjubiläums traten am Mittwoch und Donnerstag neben Renaudin Vary auch die bisherigen vier Preisträger in Luzern auf. Im Preisträgerkonzert vom Mittwoch waren das der Cellist Edgar Moreau und der Pianist George Li, die sich in Beethovens Tripelkonzert mit dem Geiger Renaud Capucon zum solistischen Klaviertrio verbanden.Schon da wurde das Luzerner Sinfonieorchester zum gleichwertigen Partner und liess unter der Leitung der Dirigentin Elena Schwarz aufhorchen. Es schuf mit punktgenauer Artikulation und luftig-präziser Zeichnung viel Raum für die Solisten. Und diese nutzten ihn für ein vital-schlankes Musizieren, das im Zusammenspiel des akzentuiert perlenden Klaviers, der filigran-virtuosen Geige und des in hellen Farben singenden Cellos seinerseits zu berauschender Fülle fand.

Beethoven-Orchester und -Dirigentin

Ihren Rang als Beethoven-Orchester bewiesen die Luzerner noch pointierter in Beethovens erster Sinfonie. Zu verdanken war dies auch der Dirigentin, die sich am «Primadonna»-Festival vor drei Jahren vorgestellt hatte. Mit barocker Deutlichkeit entwickelte Schwarz aus dem Kontrast zwischen lang gespannten Tönen und pointierten Akzenten ein Spiel, das an Leichtigkeit und geradezu militärischer Dramatik kaum zu überbieten war: Ein Höhepunkt, der den solistischen Beiträgen in nichts nachstand.

Dass Mäzenatentum eine starke zwischenmenschliche Seite hat, hatte am Mittwoch das Lunchkonzert in der Lukaskirche vorgeführt. Da wirkten der robuste Klavierton von Severin von Eckardstein und die kammermusikalisch verschlankte Orgel von Sebastian Küchler-Blessing (Waser-Preisträger von 2014) zwar über weite Strecken wie Fremdkörper. Aber wie sie in Marcel Duprès «Cortège et Litanie» zu hymnischer Grösse verschmolzen, war wie eine Ehrerbietung an den Stiftungsgründer Arthur Waser, dessen 90. Geburtstag eine abschliessende Happy-Birthday-Improvisation feierte.

Kammermusik-Matinee mit Streichern des Luzerner Sinfonieorchesters: Morgen Sonntag, 9. Februar 2020, 11.00, Foyer Luzerner Theater.

Russische Romantik im Salon

Hochkarätige russische Künstler gestalten innerhalb von fünf Tagen zehn Konzerte, deren Programme für das Zaubersee-Festival des Luzerner Sinfonieorchesters zusammengestellt wurden.
Urs Mattenberger