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JUBILÄUMSPROJEKT: Ein Trio mischt mit Chören den Sternenhimmel auf

Sie pflegen eine aussergewöhnliche Besetzung. Und aussergewöhnlich ist auch ihre Musik. Das Klassik-Trio Tacchi alti tourt zu seinem 10-jährigen Bestehen mit einem Chorprojekt von der Region aus durch die ganze Schweiz.
Spezieller Tacchi-alti-Klang: Kathrin Bärtschi (Harfe), Hannes Bärtschi (Viola) und Barbara Bossert (Flöte). (Bild: PD)

Spezieller Tacchi-alti-Klang: Kathrin Bärtschi (Harfe), Hannes Bärtschi (Viola) und Barbara Bossert (Flöte). (Bild: PD)

Sie verkaufen sich gut, die Mu­siker von Tacchi alti. Gross, schlank, festliche Garderobe, und die Frauen tragen – natürlich – die namengebenden «tacchi alti», die hohen Absätze.

Im zweiten Blick fällt dann die spezielle Instrumentenwahl auf. Eine Querflöte, die auf eine Harfe und eine Bratsche trifft? Was auf den ersten Blick nach experimenteller Entdeckung riecht, ist gar nicht so aussergewöhnlich. Es war Claude Debussy, der 1915 mit seiner Sonate das erste richtungsweisende Werk für diese Gattung schuf.

Wendepunkt Brasilien

Seither sind ihm viele gefolgt. Vor allem die Jahrhundertwende brachte einen ganzen Strauss an Kompositionen. Der leichte, farbenreiche Klang, der mit dieser Besetzung möglich war, passte genau in jene elegante französisch inspirierte Zeit. Maurice Ravel, Gabriel Fauré oder der Engländer Arnold Bax wussten dies zu nutzen. Doch auch in der Moderne wird gerne auf die vielen Gestaltungsmöglichkeiten der Besetzung zurückgegriffen.

Gegründet wurden Tacchi alti von der Luzerner Flötistin Barbara Bossert, die heute vor allem kammermusikalisch und solistisch tätig ist. Am Anfang ging es genau in die Gegenrichtung. Während ihres Abschlusskonzertes für das Solistendiplom sass im Publikum der Dirigent des Sinfonieorchesters in São Paulo. Er engagierte sie auf der Stelle. Doch ein halbes Jahr später war Barbara Bossert schon wieder zurück.

«Der Konzert- und Probesaal lag in einem der schlechtesten Viertel der Stadt», erklärt sie. «Die Zuschauer fuhren mit ihren Luxuslimousinen direkt in die Tiefgarage, und überall stand die Polizei mit Maschinengewehren.» Natürlich ist sie als grosse, rothaarige Frau auch extrem aufgefallen. Heute lacht sie darüber: «Es war eine super Zeit, aber sehr anstrengend. Pro Woche haben wir zwei Programme einstudiert. Und ich war die einzige Frau, die Stimmführerin war.» Zurück in der Schweiz hatte Barbara Bossert erst einmal genug von Orchestermusik. Und dann kamen Tacchi alti. «Wenn wir miteinander Musik machen, passiert immer etwas», schwärmt sie. «Wir verstehen uns, ohne viel zu erklären. Es ist zwischenmenschlich und musikalisch ein Erlebnis.» Schliesslich bezieht sich ja der Name nicht nur auf hohe Schuhe, sondern steht auch für das hohe Niveau, das die Gruppe auszeichnet.

Tournee mit Uraufführung und Jubiläums-CD

Für ihr neuestes Programm haben sie sich schweizweit mit 13 Chören zusammengeschlossen. Unter dem Namen «Gesang der Nacht» geben sie in diesem Jahr gegen 50 Konzerte. In Luzern ist es der Projektchor Willisau mit der Dirigentin Moana N. Labbate, welcher den Chor begleitet. Ebenfalls wird das Jahr mit einer Auftragskomposition gefeiert. Selga Mence (*1953) hat für das Ensemble «Nachtgesang» geschrieben. Orientalisch und geheimnisvoll, manchmal gar etwas lieblich, wird man praktisch aufs freie Feld unter den Sternenhimmel entführt.

Die Jubiläums-CD ist ebenfalls in Zusammenarbeit mit einem Luzerner Chor entstanden, dem Ensemble Corund. Eine tolle Aufnahme. Die besinnlich bis virtuose Einspielung verzaubert mit verspielter Leichtigkeit. Die Besetzung gibt der Musik eine perlende Klanglichkeit. Raffiniert werden die drei Instrumente ineinandergewoben, oft ein ganzes Orchester ersetzend. Bekannte Stücke erscheinen in einem neuen, luftigen Licht. Die hochpräzise Spiel- und Gesangsarbeit schafft ein Erlebnis, wie man es nicht alle Tage hört.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Tacchi alti und Projektchor Willi­sau: Sa, 4. November, 19.30 Uhr, Marianischer Saal, Luzern; So, 12. November, 17 Uhr, Festsaal Kloster St. Urban.

CD «Gesang der Nacht» mit Tacchi alti und Ensemble Corund.www.tacchialti.ch

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