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Jubiläumsschrift: Freunde des Kunstmuseums Luzern plaudern über ihre Leidenschaft

Von A wie Annemarie von Matt bis Z wie Robert Zünd: Das Kunstmuseum Luzern feiert das 200. Gründungsjahr seiner Kunstgesellschaft mit einem Buch voller Gespräche. So spannend der Inhalt von «Stelldichein», so wenig innovativ ist das Medium.
Céline Graf
Das Kunstmuseum im KKL-Gebäude feiert das 200. Gründungsjahr seines Trägervereins, der Kunstgesellschaft Luzern (Bild: Pius Amrein, Luzern, 15. Januar 2019)

Das Kunstmuseum im KKL-Gebäude feiert das 200. Gründungsjahr seines Trägervereins, der Kunstgesellschaft Luzern (Bild: Pius Amrein, Luzern, 15. Januar 2019)

Aus so vielen Namen, wie etwa in neun Handballteams oder drei Schulklassen Platz hätten, besteht das Inhaltsverzeichnis von «Stelldichein». Genau genommen 63 Namen versammeln sich in der frisch gedruckten Publikation zum 200. Gründungsjahr der Kunstgesellschaft Luzern. Der 1819 gegründete Verein ist der Träger des Kunstmuseums Luzern.

Sammeln, Ausstellen, Bewahren, Vermitteln: Von den vier Hauptaufgaben des Museums widmet sich das Buch «Stelldichein» der Ersteren. In der Einleitung weisen zunächst Grussworte von Politikern, darunter Kulturminister Alain Berset, auf den gemeinschaftsfördernden Wert von Kunst und Kunstmuseen für die Gesellschaft hin. Goethe oder Hannah Arendt werden zitiert.

Das andere dominante Thema in der Einleitung ist das liebe Geld. Respektive das umkämpfte Geld, wie die Gratulanten finden:

«In Zeiten knapper öffentlicher Mittel wurde die Stiftung für das Kunstmuseum Luzern SKL gegründet.»

Andi Scheitlin, Präsident Kunstgesellschaft Luzern / Gregor Schwegler, Präsident Stiftung für das Kunstmuseum Luzern SKL

«Ohne auf einzelne Ausstellungen eingehen zu wollen, kann ich sagen, dass etliche von ihnen nur mit der Unterstützung des Artclubs haben realisiert werden können.»

Reto Schildknecht, Präsident Artclub Luzern

«Wir sind arm! (...) Mit einem Ankaufsetat von gerade einmal 50'000 Franken pro Jahr aus dem regulären Budget lässt sich eine Sammlung kaum erweitern.»

Fanni Fetzer, Direktorin Kunstmuseum Luzern

Der Hauptteil der Festschrift besteht aber nicht aus Klagen, sondern eben aus dem Festen. Zelebriert wird die Leidenschaft für die Kunst, und zwar in Zwiegesprächen. Immer zwei Personen, die nah oder entfernter mit dem Kunstmuseum Luzern verbunden sind, unterhalten sich über eine Künstlerin oder einen Künstler aus der Sammlung.

Zum Beispiel reden der vormalige Sammlungskurator Heinz Stahlhut und die Malerin Valérie Favre über Annemarie von Matt. Von Deutungen des Gemäldes «Muttergottes» aus dem Künstlerinnenleben in den 30er- und 40er-Jahren gelangen sie bis zum heutigen «diversifizierten und globalisierten» Kunstmarkt. Favre fragt:

«Wie können junge Künstlerinnen und Künstler überhaupt noch auf sich aufmerksam machen?»

«Baumstrunk» von Robert Zünd. (Bild: Kunstmuseum Luzern)

«Baumstrunk» von Robert Zünd. (Bild: Kunstmuseum Luzern)

Der Kunstkritiker Niklaus Oberholzer und der Maler Albrecht Schnider analysieren das Bild «Baumstrunk» von Robert Zünd. Das für Zünd eher untypische Werk wirkt auf sie widersprüchlich. Es vereine zugleich etwas Körperliches, «Vaginales» und «Phallisches», aber auch Ikonografisches, da der Baumstrunk einem Andreaskreuz ähnle. Das Fazit: «Es lohnt sich sicher, eine halbe Stunde oder mehr vor diesem Bild zu verbringen.»

In den subjektiven Unterhaltungen kommt viel Spannendes, viel Verschiedenes zusammen. Nur vermag das wenig innovative Buchformat mit dem Inhalt nicht mitzuhalten. Ideal wären eigentlich Podcasts oder Videos gewesen. In «Stelldichein» gibt es nicht einmal Fotos der Sprechenden. Unbekannt bleibt so, was bei den Treffen, die zu mindestens der Hälfte im Museum stattgefunden haben, für Emotionen geflossen sind.

Zudem – das Tate Modern in Londen oder das Museum of Modern Art in New York machen es vor – muss ein Kunstmuseum heute auch ein virtuelles Publikum auf Instagram und dergleichen à jour halten. Das setzt hinter Alain Bersets Lob aus dem Vorwort, wonach Luzern «ein wahrhaft modernes Museum» habe, ein Fragezeichen. Kein riesiges zwar, immerhin ist der Online-Sammlungskatalog umfassender als der anderer Schweizer Kunstmuseen. Aber doch eines von der Grösse eines Handballclubs.

Kunstmuseum Luzern (Hrsg.): «Stelldichein». Von Heinz Stahlhut und Laura Breitschmid nach einer Idee von Niklaus Oberholzer. Edizioni Periferia, 2019.

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