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JUBILÄUMSTAG: Auch Beethoven taugt zum Volksfest

11 500 Eintritte allein im KKL, verteilt auf 7500 Besucher, zählte der Jubiläumstag von Lucerne Festival. Ein Grosserfolg mit Überraschungen auch in den Veranstaltungen.
Urs Mattenberger
Martin Grubinger & The Percussive Planet Ensemble konnten mit ihrer Salsa-Session auf dem Europaplatz das Publikum begeistern. (Bild Nadia Schärli)

Martin Grubinger & The Percussive Planet Ensemble konnten mit ihrer Salsa-Session auf dem Europaplatz das Publikum begeistern. (Bild Nadia Schärli)

Das ist noch besser als Fasnacht, lacht ein Besucher am gestrigen Jubiläumstag, mit dem das Lucerne Festival seine Gründung exakt vor 75 Jahren feierte. Er meinte die Auftritte der Strassenmusikgruppen, die nochmals mediterranes Flair und südländische Rhythmen unters KKL-Dach zauberten. Und der Vergleich galt auch und vor allem für den Auftritt des Schlagzeugers Martin Grubinger: Mit seinem mit Bläsern verstärkten Percussion Planet Ensemble war er gestern die Hauptattraktion auf dem Europaplatz. Man konnte zwar zu den «15/8-Takten nicht unbedingt mitklatschen», wie der Schlagzeugstar und Artiste Etoile dieses Sommers ins Mikrofon witzelte. Aber die fetzigen Bläsersounds zu zündenden Salsa-Rhythmen brachten den mit Publikum dicht gedrängten Vorplatz des KKL zum Kochen. Die Idee eines Volksfests für alle wurde hier exemplarisch eingelöst.

Probelauf für Festivalzentrum

Ganz anders als an der Fasnacht war dagegen die Stimmung rund um diesen zweimal durchgeführten Grossevent. Schon das Setting war wie ein gelungener Probelauf für ein künftiges Festivalzentrum (vgl. Ausgabe vom Donnerstag). In zwei Zelten auf dem Vorplatz konnte man sich mit Jubiläumswurst oder asiatisch zu moderaten Preisen verpflegen. Einheimische Pflanzen rund ums Wasserbecken und viele Sitzgelegenheiten, die Kinder auch mal als Rutschbahn nutzen konnten, gaben den passenden Rahmen ab für ein Volksfest. Und dessen Stimmung blieb trotz des grossen Andrangs an die zahlreichen Veranstaltungen ab 11 Uhr ausgesprochen lauschig und geriet nie hektisch.

Warteschlange bis zur Seebrücke

Beispielhaft war dafür schon der Auftakt morgens um 8 Uhr. Da bildete sich, eine Stunde bevor gratis Eintrittskarten für die Konzerte im KKL abgegeben wurden, eine Warteschlange, wie sie Luzern wohl noch nie gesehen hatte: Vom KKL zog sie sich zeitweilig hin bis weit über die Seebrücke. Und sie löste sich erst gegen 11 Uhr allmählich auf, als das Bläserensemble des Lucerne Festival Orchestra mit den Fanfaren aus Händels Feuerwerksmusik den Tag eröffnete.

Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Lucerne Festival / Peter Fischli
Bild: Lucerne Festival / Stefan Deuber
Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer
Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer
Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer
Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer
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Jubiläumstag am Lucerne Festival

Selbst in der Warteschlange hatten die Menschen sich ohne jede Hektik und Gedränge geduldet. Da hörte man auch, welches die Favoriten im reichhaltigen Konzertprogramm in allen Sälen des KKL waren. Natürlich stand bei vielen das Lucerne Festival Orchestra auf der Wunschliste. «Ich höre mir das immer auf dem Inseli an», schwärmte eine Besucherin, die sich «teure Konzertkarten kaum leisten kann». Dreiviertelstunden später hatte sie die Tickets und – «Wenn schon, denn schon!» – gleich welche für drei weitere Konzerte im Konzertsaal.

Für jeden Geschmack

Andere kreuzten dagegen im reichhaltigen Menü auch Exotischeres an – wie Messiaens selten aufgeführte «Turangalila»-Sinfonie mit dem Academy Orchestra. Oder die Minimal Music von Steve Reichs «Desert Music» – und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einer fand die Einführung dazu im «40min»-Konzert vom Freitag so erhellend, dass er das Stück unbedingt ganz hören wollte. Ein anderer hatte sich eben da genervt, dass fast nur gesprochen wurde: «Jetzt kann ich wenigstens doch noch die Musik hören.» Begehrt war auch der Auftritt der Hornisten der Berliner Philharmoniker, weil dieser Topniveau mit einer Wundertüte für Kinder und Jugendliche verband. Entsprechend bunt gemischt war, im für einmal lockeren Tenü, das Publikum. Diesen Aspekt strichen auch Stadtpräsident Stefan Roth, der Regierungsrat Guido Graf und der stellvertretende Direktor des Bundesamtes für Kultur, Yves Fischer, in ihren Jubiläumsgrüssen heraus – zusammen mit der eminenten Bedeutung des Festivals für

Luzern und die Schweiz. Dies verbunden mit einem Dank ans Festival, dass es mit dem Gratiseintritt in alle Veranstaltungen «alle am Jubiläumsfest teilnehmen lasse» – also auch jene, die einst mit dem Ja fürs KKL die Zukunft des Festivals gesichert hätten.

Das Programm verband geschickt Unterhaltung mit Kunstanspruch. Beethovens populäre Fünfte mit dem Mahler Chamber Orchestra, gestern von Shooting-Star Pablo Heras-Casado dirigiert, war «vielleicht die beste Interpretation, die ich am Festival je gehört hatte», schwärmte eine Zuhörerin. Die kleinen Besucher wurden von den vier Hornisten der renommierten Berliner Philharmoniker mit Kuhorn, Gartenschlauch und Alphorn abgeholt und konnten bei der Weltraumfahrt zu den handfesten Sphärenklängen von Stockhausens «Tierzeichen» sogar selber mittun.

Ein Programm für alle, aber ohne Kompromisse: Das galt bis zum abschliessenden Auftritt des Lucerne Festival Orchestra. Das Publikum in T-Shirt und Jeans feierte nicht nur das Orchester, sondern bereits den Intendanten bei seiner Ankündigung mit frenetischem Applaus. Wie zum Dank für diesen einzigartigen Jubiläumstag.

Intendanten reden Klartext

Hautnahen Einblick in die Entwicklung des Festivals in den letzten 30 Jahren versprach ein Gipfeltreffen der Intendanten im Auditorium, wie Moderatorin Susanne Stähr ankündigte. Schade, dass sie als Moderatorin zwischen dem aktuellen Intendanten Michael Haefliger und seinen beiden Amtsvorgängern Ulrich Meyer-Schoellkopf (1981–1991) und Matthias Bamert (1992–1998) stand und ein direktes Gespräch nicht zu Stande kam.

Ein Abschied und die Öffnung

Die Letztgenannten warfen in ihrem Rückblick auch einen Blick hinter die Kulissen. So machte Meyer-Schoellkopf klar, wie gross die Spannungen zwischen den wirtschaftlichen und künstlerischen Interessen waren, als sein Vorgänger Rudolf Baumgartner wegen seines Engagements für Neue Musik seinen Abschied nehmen musste.

Matthias Bamert, der mit bunten Rahmenveranstaltungen das Festival für ein breiteres Publikum öffnete, verwies nicht nur darauf, dass er immer schon klassische Musik breit vermittelt habe. Er begründete die Öffnung des Festivals auch als «politische Notwendigkeit»: «Wir mussten im Vorfeld der KKL-Abstimmungen der Luzerner Bevölkerung zeigen, dass das Festival und ein neues Konzerthaus für sie relevant sind.» Meyer-Schoellkopf wie Bamert zollten höchstes Lob für Abbados «fantastisches Festivalorchester», das Luzern eine international begehrte Exklusivität gebe. Haefliger verwies zusätzlich auf die Academy von Boulez und auf die Bedeutung des KKL: «Dank ihm ist es uns möglich, mit Salzburg und Bayreuth zur grossen Festival-Trias dazuzugehören.» Auf die Frage, wohin sich das Festival in den nächsten 25 Jahren entwickle, verwies Haefliger auf den Jubiläumstag selbst: «Dann werden solche Erlebnistage, vielfältig, aber konsequent im Inhalt, viel wichtiger sein.»

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