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Jugendtheater fragt: Wie viele Leben hat ein Mensch?

«Erschiess die Apfelsine» nach dem Jugendroman von Mikael Niemi beeindruckt in der Konstanzer Spiegelhalle. Die Inszenierung zeigt, wie die jugendlichen Helden durch die Kraft der Lyrik und der Literatur Widerstände überwinden.
Brigitte Elsner-Heller
Nikolai Gemel (rechts) beeindruckt als Ich-Erzähler. (Bild: Bjørn Jansen)

Nikolai Gemel (rechts) beeindruckt als Ich-Erzähler. (Bild: Bjørn Jansen)

Wie viele Leben hat ein Mensch? Geht man nach «Erschiess die Apfelsine», sind es vier. Jedenfalls zunächst einmal. Wenn man nämlich sechzehn ist und sich alles auf einmal verändert. Wenn die Emotionen hochkochen und man sich stellen muss. Der ersten Liebe und der Tatsache, dass es Winner und Loser gibt – solange nichts geschieht, man sich nicht entscheidet. Eine Geschichte, die glaubwürdig in vier Phasen erzählt werden kann: Schüchternheit, Protest, Mut, «Läuterung». Dass die hier nachdenklich ausfällt, zählt zu den Stärken eines Settings, in dem immerhin auch Waffen eine Rolle spielen.

Mikael Niemis mehrschichtiger Jugendroman ist nun in der Bühnenfassung von Stefan Eberle (der auch Regie führt) in die Spiegelhalle des Konstanzer Theaters gelangt. Überzeugend hat Eberle dabei den Ich-Erzähler der Vorlage zunächst als handelnde Bühnenfigur herausgeschält (Nikolai Gemel), um danach seine Gefühls- und Gedankenströme zusätzlich einem Alter Ego in den Mund zu legen.

Feste Grössen auf der Bühne sind daneben der seltsame Einzelgänger Pålle (Tomasz Robak) sowie die Mutter, eine durchaus patente Krankenschwester (Renate Winkler), mit der er es eigentlich gar nicht so schlecht getroffen hat. Und natürlich Lavendel, das Mädchen mit den grünen Augen.

Ein junger Schauspieler wird zum Held des Abends

Da, wo Mikael Niemi die Kraft der Literatur als Heilmittel beschwört, geht Stefan Eberle noch einen Schritt weiter und zeigt seinem jugendlichen Publikum, welche Möglichkeiten Theater bietet. Die fast leere Bühne öffnet Raum für so vieles, während im Hintergrund animierte Comics im Stil von Kritzeleien den Weg durch konkrete Räume weisen. Dort, wo auch die Gedichte aufscheinen, mit denen der Protagonist sich häutet. Und in den Augenblicken, wo es ganz hart kommt, entzieht sich die Handlung sogar der offenen Bühne und wird als Video aus dem Off eingespielt.

Das Ensemble ist mit Eifer dabei, als gelte es, die eigene Jugend noch einmal auferstehen zu lassen. (Bild: Bjørn Jansen)

Das Ensemble ist mit Eifer dabei, als gelte es, die eigene Jugend noch einmal auferstehen zu lassen. (Bild: Bjørn Jansen)

Er hat sich blamiert mit seinen Rosen für Sara, die ihn abblitzen lässt und damit zum Gespött der Schule macht. Nikolai Gemel gibt diesen sensiblen jungen Mann zerbrechlich, um bald zu zeigen, welche Zähigkeit in ihm steckt. Wie Protest aus der Kränkung erwächst – und damit die Stärke, sich gegen Widerstände zu wappnen. Solidarität zu üben mit anderen «schwachen» wie Pålle, der es in Elternhaus und Schule noch schwerer hat. Und gerade als sich alles zum Besseren zu kehren scheint, als die Kraft der Lyrik und der grünen Augen des Mädchens Lavendel sein Inneres wärmen, kommt die letzte grosse Herausforderung.

Abstraktion, Tempo und auch manch heitere Note tun der Geschichte gut, die durch mannigfache Regie-Einfälle punkten kann. Das Ensemble ist mit Eifer dabei, als gelte es, die eigene Jugend noch einmal auferstehen zu lassen. Starke Auftritte auch von Renate Winkler als Mutter und Schulrektorin. Der Held des Abends aber ist Nikolai Gemel, der erst am Anfang seiner Karriere steht, gerade sein erstes Engagement in Konstanz angetreten hat. Da darf man sicher noch gespannt sein.

Theater Konstanz,« Erschiess die Apfelsine», Vorstellungen bis 30.12.2018

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