Musiktalente in Meggen: Junge Solisten mit reifen Interpretationen

Die Stiftung für junge Musiktalente Meggen präsentierte die Preisträger von 2018/2019 am Sonntag im Jahreskonzert. Die beiden jungen Künstler beeindruckten mit hervorragender Musikalität und Vielseitigkeit.

Gerda Neunhoeffer
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Die Streicher der Jungen Philharmonie Zentralschweiz mit dem Solisten Ahmed Pysthiyev. Die Geigerin Ina Dimitrova (links) leitete die Musikstudenten vom ersten Pult aus.  Bild: Manuela Jans-Koch (Meggen, 26. Mai 2019))

Die Streicher der Jungen Philharmonie Zentralschweiz mit dem Solisten Ahmed Pysthiyev. Die Geigerin Ina Dimitrova (links) leitete die Musikstudenten vom ersten Pult aus.  Bild: Manuela Jans-Koch (Meggen, 26. Mai 2019))

Der Pianist Dominic Chamot mit feinem Gespür für Nuancen und variablem Anschlag, und der Geiger Ahmed Pysthiyev mit feurigem Temperament und lockerer Bogenhand, das sind die Preisträger der Stiftung für junge Musiktalente Meggen 2018/2019. Sie werden bei ihrem Auftritt am Sonntag im Gemeindesaal Meggen von Streichern der Jungen Philharmonie Zentralschweiz begleitet. Die bekannte Geigerin Ina Dimitrova leitet die Musikstudenten vom ersten Pult aus; sie hat unter anderem bei den Festival Strings und dem Luzerner Sinfonie­orchester gespielt.

Sie bringt das Orchester mit fast unmerklichen Gesten zu einem Optimum an musikalischem Ausdruck. So können sich die Solisten, beide Jahrgang 1995, bedingungslos der Begleitung ­anvertrauen; sie haben sich aussergewöhnliche Kompositionen ausgesucht, die besonders viel Fingerspitzengefühl verlangen.

Leicht fliessende Läufe

Die «Vier Temperamente» für Klavier und Streicher von Paul Hindemith bieten ein ganzes Kaleidoskop an Gefühlen und Stimmungen. Da hat Dominik Chamot, der in Basel studiert und schon diverse Preis gewonnen hat, reichlich Gelegenheit, seine hohe Gestaltungskunst zu zeigen. Das Thema wird in den Streichern vorgestellt, und dann setzt Chamot mit leicht fliessenden Läufen ein, die er glitzernd versprühen lässt.

Es ist kein Klavierkonzert, sondern ein kammermusika­lisches Miteinander, das sich durch alle vier Sätze zieht. Da schmeichelt Ina Dimitrovs sanfter Geigenklang um die Klavierakkorde, die Stimmung des Melancholikers zeigt sich in immer wieder absteigenden Tonfolgen. Der Walzer für den Sanguiniker wird mit schwingender Leichtigkeit, einer ganzen Folge von zart ausgespielten Trillern im Klavier und hüpfenden Streicherfiguren zu einem unbekümmert tänzerischen Reigen. Dann dreht sich das Thema quasi im Kreis und wird von Chamot und dem Streichquartett aus den Stimmführern zu einem reizvollen Miteinander, das sich selbst genügt: der Phlegmatiker in seiner Welt. Wunderbar leise perlen da die Klaviertöne, bis der letzte Satz mit heftigen Streicherausbrüchen wie ein Ungewitter hereinbricht. Chamot übernimmt diese «Wut» vollgriffig, und Orchester und Pianist steigern sich klanglich immer wieder in die cholerische Mentalität hinein.

Tangocharakter in allen Facetten getroffen

Auch der Geiger spielt ein Stück mit vier Teilen, die «Vier Jahreszeiten von Buenos Aires» von Astor Piazzolla im Arrangement für Solovioline und Streicher von Leonid Desyatnikov. Ahmed Pysthiyev ist seit 2013 Mitglied der Jungen Philharmonie Zentralschweiz und hat bei Igor Karsko in Luzern studiert. Er steht nun mitten im Orchester und gibt den Einsatz. Und er trifft den Tangocharakter in allen Facetten ebenso wie das Orchester.

Fremd und vertraut zugleich

Das verwandelt sich mit scharf konturierten Strichen, mit aufseufzenden Motiven, mit intensiv schmelzendem Klang in ein Ensemble mit südamerikanischem Flair. Und wenn dann zwischendurch Vivaldis Jahreszeiten durchklingen, ist es fremd und vertraut zugleich. Pysthiyev verleiht seinem Spiel Fülle, Charakter, Sinnlichkeit und eine Farbigkeit, die hinreissend ist. Im Dialog mit dem Solocello oder mit Ina Dimitrova scheint er vollends zu verschmelzen, und er reisst das Orchester zu rhythmischen Glanzleistungen hin.

Da stimmen die Pizzicati wie von einem Instrument, die typischen Tangoklänge gelingen in all ihren Facetten. Der Geiger selbst ist ganz in seinem Element, alles fliesst organisch aus ihm in das Instrument; die Wechsel zwischen den langsamen, fast meditativen Teilen und den raschen Steigerungen in den heftigen Sog der argentinischen Tangomusik gelingen zwingend.

Menschen begeistern und mitreissen

Jedes Jahr ist es spannend, die jungen Talente zu erleben, und von diesen beiden wird man wohl noch hören. Sie haben das Potenzial in hohem Mass und können Menschen begeistern und mitreissen. In kurzen Moderationen von Monika Schmid erfährt man etwas über die Solisten und die Musik, so auch, dass Othmar Schoeck in Brunnen geboren ist und seine «Sommernacht» nach einem Gedicht von Gottfried Keller entstanden ist. Zu Beginn des Jahreskonzertes spielen die Streicher dieses melodische Werk. Da meint man das Zirpen von Grillen zu hören, schmelzende Klänge verbreiten süssen Duft und Wärme. Und auch wenn die Violinen nicht immer ganz rein intonieren, die Stimmung ist greifbar, der Sommer scheint nah.

Die Musiktalente 2020 stellen sich am kommenden Sonntag, ­ 2. Juni 2019, um 10 Uhr in der St. Charles Hall in Meggen vor.