Orchesterhaus

Konzertreihe des Luzerner Sinfonieorchesters: Junge Solisten nützen ihre Chance

Premiere im Orchesterhaus – Das Luzerner Sinfonieorchester unterstützt den Nachwuchs auf neue Art.

Roman Kühne
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Das Onyx Klaviertrio: Jesper Gasseling (Violine), Elodie Théry (Violoncello), Marija Bokor (Klavier) im Orchesterhaus.

Das Onyx Klaviertrio: Jesper Gasseling (Violine), Elodie Théry (Violoncello), Marija Bokor (Klavier) im Orchesterhaus.

Bild: Pius Amrein (6.12.2020)

Die Kultur kämpft ums Überleben, und es scheint ein Kampf gegen die Windmühlen zu sein. Kaum ist ein neues Konzept etabliert, wird es schon wieder in Frage gestellt. Heute sind in Luzern noch 50 Zuschauer zugelassen. Doch bereits gibt es Deutschschweizer-Kantone, wie Schaffhausen, die bei 15 Personen die Grenze ziehen. Und dies schweizweit fordern.

Doch wir sitzen an diesem Sonntagmorgen zum x-ten Mal in einem klassischen Konzert, wo eine starre Personenbegrenzung kaum Sinn macht: Die nächste Person ist mindestens zwei Meter entfernt. Der Raum im Orchesterhaus beim Südpol ist so gross, dass man sich auch mit 50 Personen praktisch alleine fühlt. Alle tragen ihre Masken. Der Eintritt und das Verlassen des Konzertgebäudes finden so geregelt statt, dass sich niemand kreuzt. Ein solches Konzert ist in punkto Ansteckung mit dem Coronavirus nicht riskanter als ein einsamer Morgenschwumm im See.

Junge Solisten bleiben auf der Strecke

Es ist dem Luzerner Sinfonierochester und seinem Intendanten Numa Bischof Ullmann hoch anzurechnen, dass man unermüdlich nach neuen Wegen sucht, um Kultur am Leben zu erhalten. In ihrem neuesten Projekt Solidarische Klänge können sich junge Künstler in Kleinformationen für Konzerte bewerben. Neben einem fairen Grundlohn – voll finanziert über Stiftungen, unabhängig vom Luzerner Sinfonieorchester – gibt es eine Kollekte, die den Lohn weiter aufbessert. Denn wie es Numa Bischof korrekt sagt: «Junge Solisten bleiben momentan vollständig auf der Strecke. Künstlerisch haben sie wenig Entfaltungsmöglichkeiten und am Monatsende müssen auch sie ihre Miete zahlen.»

Die Nachfrage ist gross. Bereits sind fast alle 30 Konzerttermine vollständig verplant. Das Publikum zieht ebenfalls mit. So waren die beiden Konzerte von gestern Sonntag, jeweils um 11 und um 17 Uhr, in kürzester Zeit ausverkauft. Und was der Innerschweizer Jesper Gasseling, Violine, Elodie Théry, Cello, und Marija Bokor am Klavier als Trio Onyx bieten, ist ein hochklassiges Vergnügen. Zwar ist der erste Satz von Joseph Haydns Klaviertrio Nr. 45 etwas verhalten in Intonation und Interpretation. Ab dem «Andantino» entwickeln die drei Musiker jedoch eine luftige Verspieltheit. Gefühlvoll in der Steigerung entfaltet sich die Musik sehnsüchtig und tiefgreifend. Lustvoll greifen im «Finale» die springenden Läufe ineinander.

Höhepunkt des Konzertes ist das 1. Klaviertrio von Dmitri Schostakowitsch, wo die Künstler die Gegensätze des wilden Jugendwerkes aufs Schönste widerspiegeln. Hart und aggressiv, schmerzhaft gar, bricht das zweite Thema den Schmelz der sinnlichen Einleitung. Es ist ein wilder Ritt, der sich entfaltet. Mit Fantasie und Klanggespür fegt die Interpretation durch das filmreife Stück. Impressionistisches Farbenspiel wechselt übergangslos mit pulsierenden Takten. Herrlich mischen sich der satte Ton der Violine, die federnden Akzente auf dem Cello, das Rollen des Pianofortes. Lebendig, dicht und üppig.

Die Unruhe im finalen Klaviertrio Nr. 3 von Robert Schumann spielen die Künstler ebenfalls als volles, fast undurchdringliches Gefühlsgestrüpp, mit angespanntem Vorwärtsdrang. Das Werk erreicht zwar nicht ganz die interpretatorischen Klarheit und Geschlossenheit des vorigen Stückes. Es ist jedoch eine packende Mischung aus Überschwang und Feuer. Diese neue Klassikreihe ist toll gestartet. Und auch die restlichen Konzerte werden – sofern die Politik Augenmass walten lässt – schnell ausverkauft sein.

Konzerte der Reihe «Solidarische Klänge» in Orchesterhaus: Rafał Blechacz (Klavier) und Magdalena Mitkowska-Zwijacz, (Violine), Do 10. Dezember, 19.30 Uhr. Klavierduo Soos & Haag, So 13. Dezember, 17 Uhr. Freier Eintritt, Kollekte. Anmeldung/Infos: www.sinfonieorchester.ch