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Weltstar im KKL: Junges Reh mit alter Seele

Das Luzerner Sinfonieorchester und Chefdirigent James Gaffigan sind in die Konzertsaison 2018/2019 gestartet. Als Solistin in Franz Liszts erstem Klavierkonzert begeisterte die legendäre Martha Argerich.
Katharina Thalmann
Martha Argerich (77) nahm es im KKL punkto Highspeed sogar mit James Bond auf. (Bild: Pius Amrein, 18. Oktober 2018)

Martha Argerich (77) nahm es im KKL punkto Highspeed sogar mit James Bond auf. (Bild: Pius Amrein, 18. Oktober 2018)

Zwei kurze Stücke von Arvo Pärt eröffnen den Abend am Mittwoch im KKL: «La Sidone» entstand anlässlich der Olympischen Winterspiele in Turin 2006. «Swansong» ist eine Orchestration von Pärts Motette «Littlemore Tractus». Die vielen Herbst-Huster aus dem Publikum machen die Stücke quasi zu Raumkompositionen. Beide Pärt-Werke gelingen zwar eindringlich, die grosse musikalische Freiheit aber wird sich das Luzerner Sinfonieorchester erst mit Martha Argerich erspielen.

Schuberts «unvollendete» 7. Sinfonie wirkt mit Gaffigans Dramaturgie gar nicht unvollendet, vielmehr als in sich geschlossenes zweisätziges Werk. Nach der achttaktigen Unisono-Einleitung der Celli und der Bässe drängen die Violinen zunächst etwas vorschnell ins Sechzehntel-Begleitmotiv, doch spätestens beim Einsatz des Themas von Klarinette und Oboe ist der schwingende Dreierpuls gefunden. Für die Wiederholung der Exposition dirigiert Gaffigan das Orchester an die Grenzen seiner Piano-Möglichkeiten. Scheint das Tempo darum langsamer, zu Gunsten des unbedingten Ausspielens selbst der kleinsten Sechzehntelfiguren?

Eine Idylle ohne Zuckerguss

Bei Schubert gilt: je grösser die Idylle, je heller die Tonart, desto grösser das dramatische Potenzial. So auch beim zweiten Satz der 7. Sinfonie, der, im Gegensatz zum düsteren h-Moll des Kopfsatzes, in E-Dur steht. Grosszügige Bass-Pizzicati bereiten den Boden für das melodiöse Thema der hohen Streicher, welches im Satzverlauf wieder und wieder umkreist wird. Der Gefahr, jede Schönheit dieses Orchestersatzes ausspielen zu wollen, erliegt Gaffigan in keinem Takt. Denn dann würde es klebrig, und Zuckerguss ist Gaffigans Sache nicht. Er setzt vielmehr auf einen fliessenden Duktus, so dass die Wiener Delikatesse nie zu süss gerät. Sich als Dirigent nicht auf die hohe Confiseriekunst zu stürzen, erfordert eine störungsfreie Kommunikation mit dem Orchester und gegenseitiges Vertrauen. Hier sieht und hört man beides.

Listzs 6. Sinfonische Dichtung «Mazeppa» mit ihrem folkloristischen Ungarn-Touch verwendet der Klangkörper, um sich (und das Publikum) stilistisch auf den Höhepunkt des Abends einzuspielen: Liszts erstes Klavierkonzert mit Martha Argerich. Schon als sie die Bühne betritt, bricht für Luzerner Verhältnisse frenetischer Applaus aus. Schüchtern, wie sie offenbar wirklich ist, begrüsst sie den Saal, setzt sich hin – und legt los.

Haarsträubende Oktavsprünge

Als «eine Klasse für sich» wurde Argerichs Auftritt auf der Homepage des Orchesters angekündigt. So klingt es auch. Argerich wurde diesen Sommer 77 Jahre jung. Wenn sie spielt, hört man ein junges Reh mit alter Seele. Ihre Technik, die Brillanz ihres Klangs, ihr unübertroffenes Legatospiel, auch wenn sie ihre Finger auf die Klaviatur zu werfen scheint – diese Prädikate sind bekannt. Doch sie versteht auch jede einzelne Note dieses Konzerts, das sie in den letzten Jahren von Budapest über Wien und London oft gespielt hat.

Die ersten haarsträubenden Oktavsprünge spielt sie mit so viel Zug nach vorne, dass man sich fragt, was sie die nächsten paar hundert Takte noch machen wird. «Più mosso» im finalen «Allegro marziale animato» – so was lässt sie sich nicht zweimal sagen. Während James Bond nur einen Highspeed-Knopf pro Auto hat, scheint Martha Argerich alle paar Takte einen solchen zu finden.

Die lyrischen Passagen, die es durchaus auch gibt in diesem virtuosen Werk, spielt sie frei und ohne Pathos vollendet. Als kurzzeitige Kammermusikpartnerin, etwa im ersten Satz mit dem Klarinettisten Stojan Krukuleski oder im Finale mit Michael Erni am Triangel, wird ihre Freude am Zusammenspiel noch evidenter. Als Zugabe beschenkt Argerich den Saal mit einer aufwühlenden, glühenden Interpretation von Liszts Bearbeitung von Schumanns «Widmung».

Zukünftige Sternstunden

Wenn der Michael-und-Emmy-Lou-Pieper-Fonds (wir berichteten gestern) tatsächlich für das Engagement herausragender Solistinnen verwendet wird, darf man sich auf Sternstunden freuen – mit dem Luzerner Sinfonieorchester als beweglicher musikalischer Partner. Kommenden Sonntag gastieren Orchester, Dirigent und Solistin mit dem Konzertprogramm erstmals in der Pariser Philharmonie. Diese Sternstunde ist gewiss.

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