Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KARIKATUREN: Die Schweiz hat die Grippe

In «Widmers Weltausstellung» versammelt Ruedi Widmer seine besten Cartoons und Kolumnen aus den letzten zehn Jahren. Es sind vergnüglich-scharfsinnige anarchische Kommentare auf das Zeitgeschehen.
Hansruedi Kugler
Die Schweiz hat die Grippe (Bild: Cartoon: Ruedi Widmer)

Die Schweiz hat die Grippe (Bild: Cartoon: Ruedi Widmer)

Hansruedi Kugler

Der Mann verbindet zwei Ta­lente: Erfrischendes Blödeln und ­ätzende, scharfe Politsatire. Ruedi Widmer, Karikaturist beim «Tages-Anzeiger», beginnt sein neues Buch «Widmers Welt­ausstellung» mit einem patrio­tischen Blödel-Cartoon: «Die Schweiz hat ­Grippe» – er zeichnet darauf die Schweizer Alpenwelt vom Schlucksee über Heiseraugst bis zum Hustenhorn.

So vergnügt gestimmt, will man schon weiter blättern. Aber versteckt sich da im kindlich gezeichneten, naiv scheinenden, verspielten Comic nicht schon Spott und beissende Kritik? Ja doch: Denn ein Atomkraftwerk Heiseraugst, das womöglich im Fieberwahn radio­aktive Wolken hustet, wünscht man sich dann doch nicht. Mit- und Weiterdenken sind erwünscht, scheint Widmer seinen Lesern als Motto mit auf die Lektüre zu geben. Er selbst bewegt sich nachdenkend bei Themen wie Flüchtlingen und Erbschaftssteuer, Neoliberalismus und Islam weitgehend im linksliberalen Mainstream.

Widmer zetert nicht, sondern staunt

Die klare politische Positionierung mag für den einen oder anderen enttäuschend einseitig sein. Politischer Korrektheit unterwirft sich Widmer aber nicht. Stefan Gärtner schreibt denn auch in seinem Vorwort treffend: Ruedi Widmer zetert in seinen Glossen und seinen Cartoons nicht, sondern staunt. Er zeichnet kindlich und deshalb wirken seine Karikaturen immerzu auf den ersten Blick liebevoll, ja nett und naiv. Aber Obacht: Da raunzt eine rechts­extreme Kampfstiefel-Glatze: «Ich bin stolz, Schweizer zu sein. Auf welche meiner Eigenschaften kann ich denn sonst stolz sein?» Und man sieht auf einen Blick: auf keine. Widmer bringt das Absurde auf den Punkt: Die Nachricht, dass Frauen nun in Saudi-Arabien Auto fahren dürfen, verspottet er mit einem «Saudi TT», der aussieht wie eine Burka – mit minimalem Sehschlitz.

Köstlich überdrehte Grotesken

Auf das Tagesgeschehen, auf politische News hat er als Kari­ka­turist einer Tageszeitung zu reagieren. Ob national oder international, ob Wirtschaft oder ­Politik, Ruedi Widmer kommentiert mit hintersinnigem Humor und entlarvt das Lächerliche. In seinen Karikaturen und Glossen entfaltet er zudem köstlich überdrehte Grotesken und überführt damit Skurriles in einen anar­chischen Humor: Etwa wenn Heizpilze in Strassencafés für ein Rauchverbot demonstrieren, weil sie unter Passivrauchen leiden; wenn ein Erdölfass in die Disco geht, kommentieren Passanten besorgt: «Das Erdöl geht aus! Das wird bös enden!»; wenn Widmer die Quotenregeln auf Malerei anwendet und hinter Mona Lisa einen Bünzli platziert: «Der Männeranteil auf Frauenbildnissen muss sich bei 50% einpendeln»; wenn Saturn in der ­Bijouterie neue Ringe kauft. In «Widmers Weltausstellung» sind Texte und Cartoons aus zehn ­Jahren versammelt. Er führt jene Themen vor, welche die Menschen bewegt haben und immer noch bewegen: Finanzkrise, Migration, Klimawandel, Rechtspopulismus. Nichts davon ist überholt.

Ruedi Widmer: Widmers ­Weltausstellung. Cartoons und Kolumnen. Rotpunktverlag. 160 S., Fr. 34.–

focus - widmer (Bild: Cartoon: Ruedi Widmer)

focus - widmer (Bild: Cartoon: Ruedi Widmer)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.