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Karim Sayad: «Wichtig ist, dass man einen Leithammel nimmt»

Nachgefragt
Der algerische-schweizerische Regisseur Karim Sayad. Bild: PD (Bild: PD)

Der algerische-schweizerische Regisseur Karim Sayad. Bild: PD (Bild: PD)

Der diesjährige Prix de Soleure an den Solothurner Filmtagen geht an den algerisch-schweizerischen Spielfilm «Des moutons et des hommes». Regisseur Karim Sayad erzählt, was seinen Film zu einem Schweizer Film macht und wie er auf das Thema der Kämpfe der Schafböcke gekommen ist.

Karim Sayad, Ihr Film erlebte seine Weltpremiere in Toronto, dem wichtigsten Festival in Amerika. Was bedeutet der Prix de Soleure vor diesem Hintergrund für Sie?

Diese Anerkennung zu Hause, wenn ich das so sagen darf, ist natürlich das Grösste, vor allem, wenn man bedenkt, dass dies mein erster langer Film ist. Und dass der Preis an einen Film geht, der von Algerien handelt und in dem nur Arabisch gesprochen wird, das ist für mich als in der Schweiz geborener Sohn einer Schweizer Mutter und eines algerischen Vaters natürlich eine ganz besondere Ehre.

Was sagen Sie zu Leuten, die Sie fragen: Ist denn das ein Schweizer Film?

Das ist ein Schweizer Film, denn: Wenn ich nicht in der Schweiz geboren wäre, nicht hier zur Schule gegangen und die Ausbildung zum Filmregisseur hätte machen können, in diesem Land, wo man die Möglichkeit hat, Träume zu verwirklichen, wenn man hart arbeitet, dann hätte es diesen Film nie gegeben. Wäre ich in Algerien geboren, wäre das alles nicht möglich gewesen. Und überhaupt sind die Schweizer ja generell Leute, die viel in der Welt herumreisen, neugierig sind und oft auch Filme in fernen Ländern realisieren. Ich reihe mich ein in diese Tradition des Schweizer Films.

Wie populär sind solche Schafskämpfe in Algerien?

In den Quartieren der ärmeren Schichten sind sie ziemlich weit verbreitet, sie sind für diese Leute fast die einzige Möglichkeit, um der Langweile zu entkommen, ein wenig Unterhaltung zu haben.

Wie schwierig war es, in Algerien in diese Welt der Männer mit ihren Schafen Einlass zu finden?

Gerne würde ich antworten: Es war überhaupt nicht schwierig. Aber so leicht ist es nicht, denn das Wichtigste war, dass ich mir genug Zeit hatte nehmen können, dass die Leute allmählich Vertrauen zu mir aufbauen konnten. Und was mir die Sache erleichterte, war die Tatsache, dass ich nicht ganz bei null anfangen musste. Das heisst, es gibt Cousins von meinem Vater, die Kontakte in diese Welt der Schafszüchter und Trainer von Kampfschafen haben

Sind Schafböcke überhaupt kämpferisch?

Das ist ähnlich wie bei Hunden. Man muss sie eine Zeitlang von ihren Artgenossen isolieren und dann trainieren. Wichtig ist, dass man einen Leithammel nimmt. Es ist aber gar nicht so einfach, bis man bei einer grossen Herde herausgefunden hat, wer wirklich der Chef ist.

Nach der Weltpremiere des Films in Toronto schrieb ein Kritiker: A Middle Eastern Pasolini. Was sagen Sie dazu?

Das klingt zwar schmeichelhaft, aber das ist nun wirklich total übertrieben. Man soll auf dem Boden bleiben. (kre)

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