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«True Detective»: Kein ruhiger Lebensabend für die Cops

Wie gut ist die dritte Staffel der HBO-Serie «True Detective»? Wir ­ haben fünf Episoden gesehen und meinen, diesmal könnte sogar das Ende hinhauen.
Regina Grüter
Die Detectives Hays (Mahershala Ali, vorne) und West (Stephen Dorff) bei Ermittlungen im Jahr 1980. (Bild: Warrick Page/HBO)

Die Detectives Hays (Mahershala Ali, vorne) und West (Stephen Dorff) bei Ermittlungen im Jahr 1980. (Bild: Warrick Page/HBO)

Wie schon als Fernspäher im Vietnamkrieg dringt Detective Wayne David Hays (Mahershala Ali) tief in unsicheres Gelände ein. Eine Spur aus Spielzeug und unheimlichen Strohpüppchen führt ihn in den Ozark Mountains von Arkansas zum toten Will. Da liegt der Junge, unter einem Felsvorsprung. Seine zusammengepressten Hände weisen wie im Gebet nach oben.

Eben hatten Hays und sein Partner Roland West (Stephen Dorff) noch draussen gesessen und Bier getrunken, auf irgendeinem elendigen Schotterplatz, in der Hoffnung, der Abend möge ereignislos vorübergehen. Nun haben sie einen Fall am Hals – der 12-jährige Will tot, seine 10-jährige Schwester Julie vermisst –, der sie ihr Leben lang nicht mehr loslassen wird.

Drei gleichwertige ­Zeitebenen

«True Detective» mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson war eines der Serienhighlights 2014. Die von Nic Pizzolatto kreierte Krimiserie erzählte eine Cop- und Buddy-Geschichte überraschend anders – düster und beklemmend, aber auch unheimlich aufregend. 2015 dann der Schnellschuss: zu viele Figuren und eine unübersichtliche Handlung in einem Kalifornien der Düsternis – gut gespielt zwar von Rachel McAdams und Vince Vaughn. Die feuchte Hitze des sumpfigen Louisiana war einer trockenen gewichen.

Der alte Cop hat Demenz

In der dritten Staffel ist es kalt, und unwirtlich, was die matte Farbgebung noch unterstreicht. Während Rückblenden in die Vergangenheit der leidgeplagten Seelen besonders die erste Season so interessant machten, bekommen jetzt drei verschiedene Zeitebenen genau gleich viel Gewicht. 1980, das Jahr, als die Kinder verschwanden; 1990, als der Fall um die nach wie vor vermisste Julie aufgrund neuer Hinweise wieder aufgerollt wird. Und 2015: Hays ist ein alter Mann, und obwohl er an Demenz leidet, wird er von einer Fernsehjournalistin vor die Kamera gezerrt. Dieser Fall ist sein Leben, sein Leben ist der Fall. Wie viel hat er selber damit zu tun, dass er immer noch ungelöst ist? Er weiss es nicht (mehr).

Mahershala Ali ­ verblüfft

Scheinbar musste Mahershala Ali Pizzolatto davon überzeugen, ihm die Hauptrolle zu geben. Gute Entscheidung. Nach der nuancierten, mit einem Oscar belohnten Interpretation des feinfühligen Drogendealers in «Moonlight» (für «Green Book» ist er wieder nominiert), muss er seinen Gesichtsausdruck auf schwierige Gefühlszustände wie Trauer, Wut und Angst beschränken. Ein Lächeln sieht man von ihm nur andeutungsweise. Auch den 70-jährigen Wayne Hays kriegt er so gut hin, dass man einfach nur verblüfft ist. Und Stephen Dorff, längst nicht mehr in der Hollywood-A-Liga, gibt ein gelungenes Comeback als harter Cop, der aber stets hinter seinem Partner steht, den er liebevoll-ironisch «Purple Hays» nennt.

Ein scheinheiliges, rassistisches Amerika

Denn einem schwarzen Cop traut man in diesem White-Trash-Milieu sowieso nicht über den Weg. Auch dem Native American nicht. Dass sich die Verdächtigungen ständig verschieben, erhält die Spannung aufrecht. Was ist Wahrheit, was Lüge? Das weiss in diesem scheinheiligen und rassistischen Amerika niemand so genau.

Schwach war an der ersten Staffel nur das Ende. Nach einem kleinen Durchhänger in Episode vier glaubt man nach fünf von acht gesehenen Folgen fest daran: Diesmal hat Nic Pizzolatto sogar das hingekriegt.

«True Detective», Staffel 3, auf Sky Atlantic (Teleclub), Sunrise TV, Show.Sky.ch, Amazon, Google Play, iTunes.

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