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Interview

Neuer Bond-Bösewicht Rami Malek spricht über angebliche Krise auf Filmset

Oscargewinner Rami Malek («Bohemian Rhapsody») sagt über seine neue Rolle als Bond-Bösewicht: «Eine gewisse Last ist das schon.»
Marlène von Arx, New York
Rami Malek ist der einzige Schauspieler arabischer Abstammung, der je einen Oscar gewonnen hat. (Bild: Getty)

Rami Malek ist der einzige Schauspieler arabischer Abstammung, der je einen Oscar gewonnen hat. (Bild: Getty)

In der Rolle von Queen-Frontmann Freddie Mercury hat Rami Malek die Herzen des Kinopublikums erobert und einen Oscar gewonnen. Nun steht der 38-jährige US-Schauspieler für seine nächste grosse Rolle vor der Kamera: als Bösewicht im neuen James-Bond-Film. Wir treffen Malek an einem späten Abend in New York, wo er zurzeit noch die letzte Staffel seiner erfolgreichen TV-Serie «Mr. Robot» dreht. Dass er sich nach einem langen Arbeitstag noch Zeit für ein Interview nimmt, ist für Rami Malek Ehrensache. Seine Dankbarkeit, endlich ein gefragter Schauspieler zu sein, wirkt alles andere als gespielt.

Sie haben mit der Rolle als Freddie Mercury jeden erdenklichen Schauspielpreis gewonnen und an den Kinokassen abgeräumt. Was war Ihr persönliches Highlight des vergangenen Jahres?

Rami Malek: Es gab viele Highlights, der Oscar war sicher einer. Ein lebensverändernder. Auch der Golden Globe, der erste Award. Mit Brian und Roger von Queen zu feiern, war lustig, weil sie an Award-Shows nicht gerade in ihrem Element sind. Und natürlich mit meiner Freundin Lucy: Ich habe ein Foto von uns beiden, grinsend über beide Ohren mit der Goldstatuette, für sie rahmen lassen. Denn sie weiss, was für ein Kampf dahinter steckte, so weit zu kommen.

Ihre Erfolgsstory ist letztlich auch eine erfolgreiche Migrationsgeschichte. Sie sind der erste Schauspieler arabischer Abstammung, der einen Oscar gewonnen hat. Was bedeutet das für Sie?

Es hat mir schon eine neue Perspektive gegeben. Auch für die Zukunft. Ein Freund erzählte mir, wie seine libanesische Frau geweint habe während meiner Oscardankesrede: Sie ist schwanger, und es gebe jetzt jemanden auf der Leinwand, mit dem sich ihr Kind werde identifizieren können. Das war nie so geplant, aber ich muss die Welt jetzt auch aus diesem Blickwinkel anschauen.

Sie spielen den nächsten Bond-Bösewicht. Kommt dieser neue Blickwinkel da zum Tragen?

Ja, ich habe Regisseur Cary Fukunaga beim ersten Gespräch gesagt, dass ich keinen Bösewicht spielen würde, der etwas mit Terrorismus basierend auf einer religiösen Ideologie zu tun hat. Aber das hatte er auch nicht vor.

Sie spielen also keinen Terroristen...

… eine andere Art Terrorist, der sich aber selber nicht als Bösewicht sieht. Das macht in meinen Augen auch einen guten Bösewicht aus. Aber mehr darf ich nicht verraten.

Bond-Widersacher haben eine lange Tradition. Wie gehen Sie mit den Erwartungen um?

Eine gewisse Last ist das schon, aber was für mich spricht: Ich habe mit Freddie Mercury einen beliebten Briten gespielt und bin damit durchgekommen. Die Möglichkeit, das als Widersacher eines anderen beliebten Briten zu wiederholen, besteht also.

Bond-Darsteller Daniel Craig hat sich bei den Dreharbeiten verletzt. Es heisst, dass Schlüsselszenen nicht gedreht werden können. Stimmt das?

Nein, ich nehme nicht an, dass das stimmt. Ich habe mit Daniel noch nicht gearbeitet. Bisher war ich erst eine Woche in Norwegen zum Drehen. Ich habe mit Cary gesprochen. Der Drehplan musste umgestellt werden. Aber keine Sorge: Ein so grosses Unternehmen wie ein Bond-Film kriegt das schon hin. Ich habe die Bilder in der Zeitung auch gesehen: Daniel trainiert, und er sieht fit aus. Das kommt schon gut.

Was war der erste Bond-Film, den Sie je gesehen haben?

Vermutlich war es «Golden Eye». Ich habe sie alle mit meinem Vater zusammen geschaut, als ich klein war.

Sie haben einen Zwillingsbruder. Was hält er von Ihrem Karrierehoch?

Meine Familie und ganz besonders mein Bruder lassen mich nie vergessen, wer ich bin und woher ich komme. Wenn mir der Erfolg in den Kopf steigen würde, wäre mein Bruder der Erste, der mich wieder auf den Boden zurückholte. Er ist mein Barometer, an dem ich mich messe. Obwohl ich vier Minuten vor ihm geboren wurde, habe ich ihn immer als älteren Bruder betrachtet. Und meine Schwester ist Notfallärztin. Das rückt auch alles wieder ins rechte Licht, wenn man meine Leistungen und ihre vergleicht, wo es um Leben und Tod geht.

Und trotzdem: Sie haben die höchste Stufe eines Schauspielers erreicht …

Ich habe nie gedacht, dass ich je in dieser Position sein würde, und habe auch nie in den Promi-Aspekt investiert. Ich wollte einfach einen Job. Viele denken wohl, mein Aufstieg kam über Nacht, aber so war es nicht. Ich bin schon lange Schauspieler und ich hörte «Nein» Tausende Male. Als ich die Hauptrolle in der TV-Serie «Mr. Robot» erhielt, war das die Krönung meiner Karriere. Mit diesem Team zu arbeiten, war, wie eine Trophäe zu gewinnen.

Sie drehen zurzeit die letzte Staffel von «Mr. Robot». Was können Sie über das Ende der Computer-Hacker-Serie sagen?

Die ganze Staffel spielt an Weihnachten 2015, und Elliot, für den ich mich übrigens von Lisbeth Salander in «The Girl With the Dragon Tattoo» inspirieren liess, hat einen Plan, den er durchziehen will. Wir haben in der Serie viel vorausgesagt, das ich nicht für möglich gehalten hätte. Zum Beispiel das Hacken von Wahlen. Es würde mich nicht wundern, wenn das in der letzten Staffel ebenso wäre. Ich finde es schade, dass wir aufhören. Ich habe den Serienschöpfer Sam Esmail sogar gefragt, ob wir nicht verlängern könnten. Auch nach «Bohemian Rhapsody» sprechen mich vor allem junge Leute oft auf Elliot an, weil sie sich irgendwie mit diesem sozial gehemmten Aussenseiter identifizieren können.

Inzwischen ist auch die Elton-John-Geschichte «Rocketman» im Kino gelaufen. Stimmt es, dass Sie einen Auftritt darin als Freddie Mercury geplant hatten?

Ja, «Rocketman»-Regisseur Dexter Fletcher hat uns ja bei «Bohemian Rhapsody» ausgeholfen und den Film fertig gedreht, und ich hätte gerne dafür in seinem Film mitgemacht. Auch mit Taron Egerton, der Elton John spielt, hatte ich schon darüber geredet. Denn Freddie Mercury und Elton John haben eine Menge Zeit miteinander verbracht. Sie konkurrenzierten sich darin, wer die extravaganteste Party schmeissen konnte. Es gab diverse Diskussionen, aber letztlich klappte es nicht, denn es waren ja zwei verschiedene Studios involviert. Fox hätte mir kaum erlaubt, als Freddie Mercury bei der Konkurrenz aufzutreten. Ich habe meine Freundin Lucy dafür mit VIP-Tickets zu einem Elton-John-Konzert überrascht.

Hat Sie Elton-John-Darsteller Taron Egerton um Rat gefragt?

Wir entwickelten einen netten Dialog. Ich habe ihm gesagt, er könne mich jederzeit anrufen, denn ich habe das ja alles selbst durchgemacht. Ich weiss, wann es schwierig wird und man durchhalten muss. Wenn ich etwas helfen kann, so wie mir geholfen wurde, mache ich das gerne.

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