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Bunterbünter: Keine Zeit zu sagen, was für Zeit ist

Rebekka Bünter schreibt und spielt seit 10 Jahren für ihr eigenes Kleintheater. Noch ist sie fast ein Geheimtipp. Texte für das Radio könnten dies nun ändern.
Roman Kühne
Sie schreibt ihre Stücke alle selber: Rebekka Bünter (Bild PD)

Sie schreibt ihre Stücke alle selber: Rebekka Bünter (Bild PD)

Zum Anfang gibt’s gleich eine Warnung. Die Szenen hätten denn nichts miteinander zu tun, im Fall. Nur damit «niemand auf die Idee kommt, sich Gedanken zu machen». Es stimmt. Die Nummern, welche die Theaterfrau Rebekka Bünter in ihrem kleinen, aber geschmackvollen Theater «BunterBünter» in Neuenkirch am Donnerstagabend zum Jubiläum kredenzt, haben keinen direkten Zusammenhang. Es ist eine Art Werkschau, ein «Best of» der letzten 10 Jahre. Andererseits sind ihre kleinen Sketche praktisch vollständig darauf ausgelegt, dass sich das Publikum Gedanken macht.

Der Geist und die Beobachtungsgabe der Autorin ziehen sich wie ein roter Faden durch die kleinen Preziosen. Wortspiele und Doppelbödigkeiten prägen diesen Abend, regen Gehirn und Seele zum Forschen an. So sinniert sie «Hüt isch hüt, aber geschter isch hüt morn und morn isch hüt gescht – bliebt dänn hüt hüt?». Miniaturen und Verwirrspiele. Wortbalgereien, die auf den ersten Blick mit Tempo und Klangwitz den Hörer zum Lachen bringen, aber auch tiefer gehen, im Gedächtnis haften bleiben.

Rebekka Bünter hinterfragt Alltägliches, Binsenwahrheiten und Standardsprüche. «Ich denke, also bin ich. Ich denke, was wohl die anderen von mir denken. Bin das dann ich.» Sätze werden aufgebrochen und erhalten eine neue, anregende Richtung.

Die Ideen für ihre Stücke gewinnt Rebekka Bünter oft in der Eigenbeobachtung. «Ich habe mich quasi auf mein Innenleben spezialisiert», erklärt sie im persönlichen Gespräch. «Ich setzte mich gerne und viel mit mir auseinander. Aber natürlich spielen auch andere Menschen eine grosse Rolle. Ich spaziere mit offenen Augen durch die Welt, und wenn ich etwas sehe, das mich inspiriert, dann setze ich dies für die Bühne um.» Kein Wunder, trugen ihre Programme Namen wie «Ei(ge)ngemachtes» oder «(Sp)Innereien». Oft sind es dabei kleine Dinge, die zu einem Sketch führen. Die exzellente Sequenz über «Zeit», eine ihrer Glanznummern, ist z. B. aus einer völligen Banalität entstanden. Rebekka Bünter fragte ihre Schwester, wie spät es sei. Diese antwortete, sie hätte jetzt gerade keine Zeit, zu sagen, wie spät es sei. Daraus formte die Schauspielerin einen geistreichen, humorvollen Dialog zweier «Handpuppen» – eigentlich sind es nur je zwei Stöpsel, die sie zwischen die Finger klemmt – ein Dialog über Menschen, die eigentlich keine Zeit haben, ständig darüber reden, dass sie «keine Zeit» haben und dann wirklich keine Zeit haben. Grossartig und einer der Höhepunkte des Abends. Ein anderes Beispiel ist der Tod ihres Vaters. Diesen hat sie im Programm «BunterBünter sind jenseits: Ein todsicheres Cabaret» verarbeitet. Eine absurde Geschichte, wo eine Journalistin mit einem selbst herbeigeführten Nahtod-Erlebnis im Jenseits recherchiert – oder dem, was sie dafür hält.

Im Kontrast zu ihrer Wortwucht spielt Rebekka Bünter sehr reduziert, kommt mit wenigen Utensilien aus. Ein Tisch auf der Bühne, eine Verstärkeranlage für wenige Spezialeffekte, eine Geige, ein Schlauchinstrument – praktisch mit «Nichts» wird der grosse Abend gestaltet. Das Licht bedient sie selbst, die Anlage sowieso – es ist ein echtes Ein-Frau Theater, das hier geboten wird. Die Stücke schreibt sie alle selber.

Ein Lachen mit Tiefeneffekt

Lange Zeit war auch ihre Schwester Rachel Bünter mit von der Partie. Seit zwei Jahren tritt sie vor allem solistisch auf. Dies ist nicht ganz einfach. «Man muss immer schauen, dass man überleben kann», führt Rebekka Bünter aus. «Es braucht ständig frische Ideen und Kreativität. Nur mit dem Theater käme ich nicht über die Runden. Aber ich mache viele Kurzauftritte und werde regelmässig für Anlässe gebucht.» Auch finden in der Theaterbar immer wieder Firmenanlässe oder andere Feiern statt. Dort tritt Rebekka Bünter ebenfalls oft auf. Neu schreibt sie auch für «apropos» von Radio SRF1 ihre kleinen Philosophierereien. Dies dürfte die raffinierte Dichterin auch einem breiteren Publikum bekannt machen. Sätze wie «Ich mach nöd nüt. Ich mach nüt» oder «Niemand weiss, wie man zu sein hat, aber alle versuchen es zu sein» hallen den Zuschauern auch nach dieser wunderbaren Theaternacht wohl länger in den Ohren nach. Es ist ein vergnüglicher Abend der Selbsterkenntnis, ein Lachen mit Tiefeneffekt..

Rebekka Bünter «10 Jahre der Bühne verschrieben», Sa, 26. Januar. «Eingemachtes», Do, 31. Januar & Fr, 1. Februar, 20.00, Theaterbar Bunterbünter, Neuenkirch.

Infos: www.bunterbuenter.ch

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