Die DJs aus dem Bunker am St.Galler Fest

Schon zum zweiten Mal legen die DJs von Shelter 12 am Stadtfest auf. Mit elektronischer Musik beleben sie die Goliathgasse und den Pop-up-Club Bourbaki.

Livia Grob
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Von links: Dariush Mehdiaraghi, Benjamin Widmer, Andreas Bütler, Magdiel Magagnini, Christian Diodatti und Mario Rütsche. Es fehlen: Steven Kaiser und Tim Bättig.

Von links: Dariush Mehdiaraghi, Benjamin Widmer, Andreas Bütler, Magdiel Magagnini, Christian Diodatti und Mario Rütsche. Es fehlen: Steven Kaiser und Tim Bättig.

Die DJs des Shelter-12-Kollektivs spielen schon zum zweiten Mal am St. Galler Fest. Nervös seien sie schon lange nicht mehr vor Auftritten, dafür sei die Vorfreude umso grösser. Zusammen mit Animal Trainer, Pa-Tee, Manuel Moreno und Smalltown Collective bespielen die 20- bis 22-Jährigen am Freitagabend die Goliathgasse, die am St. Galler Fest in «La Strada Electronica» umbenannt wird. Um 0.30 Uhr klingt dann zwar die Musik auf der Gasse aus, für die DJs geht es aber noch weiter in Richtung Pop-up-Club Bourbaki. Oberhalb des Seegers, im früheren Felix, stehen sie bis spät in die Nacht hinter dem Mischpult und sorgen für Stimmung.

Schon als 14-Jährige Musik gemacht

«Eindeutig Schicksal», sagen die DJs und lachen. Dem Singer-Songwriter Benjamin Widmer und den sieben DJs Mario Rütsche, Dariush Mehdiara­ghi, Tim Bättig, Magdiel Magagnini, Andreas Bütler, Christian Diodatti und Steven Kaiser sei es vorbestimmt gewesen, sich zu treffen und Shelter 12 zu gründen. Kennen gelernt haben sich die acht Künstler in der Schule, im Ausgang und über Freunde von Freunden. Musik gemacht hätten einige von ihnen schon, seit sie 14 Jahre alt sind. Mit schlechtem Equipment und noch schlechteren Programmen seien ihre ersten Tracks entstanden – und ihre Liebe zu Techno.

Vor vier Jahren beschlossen sie zusammenzulegen, um sich gemeinsam ein quali­tativ gutes Musikequipment leisten zu ­können. Sie mieteten ein Studio, ein Kellerabteil im Herzen der St. Galler Altstadt, kauften ein Mischpult und Boxen – et voilà: Ein Kunstkollektiv war gegründet. Sie kreierten dort ihre neuen Tracks und Lieder, liessen sich von Filmen, fremden Ländern und dem banalen Alltag inspirieren und eta­blierten sich einzeln als Musiker und DJs. Auch im Ausgang seien sie stets inspiriert worden. Andreas Bütler sagt dazu:

«Man merkt sich, was sich cool anhört, und probiert es nachher selbst.»

Ein Jahr später schlossen sich die acht Freunde dann zu einer Gruppe zusammen und gründeten Shelter 12. Nicht ganz so kreativ wie bei ihren Tracks waren sie bei ihrem Namen. Das Studio befand sich im zweiten Untergeschoss, in ihren Worten «praktisch ein Bunker», zu Englisch Shelter. Auf dessen Tür stand die Nummer 12: Schon war «Shelter 12» geboren.

Der Weg ist das Ziel

Techno, House, Minimal, Goa – die DJs des Shelter-12-Kollektivs wollen und können sich nicht für eine Musikrichtung entscheiden. Hinzu kommt auch noch die kreative Musik von Benjamin Widmer. Ihre unterschiedlichen Stile und Vorlieben bei den Tracks seien es, was sie als Gruppe ausmache. «Wenn Shelter 12 einen ganzen Abend lang auflegt, wird es nie langweilig», sagt Christian Diodatti. Bald wollen sie auch eine EP als Shelter 12 herausbringen. Auf der Platte soll jeder seinen individuellen Stil anhand seiner Tracks zeigen und festhalten können. Ein fixes Ziel haben Shelter 12 nicht:

«Wir haben keinen Ort, an dem wir unbedingt spielen wollen, kein Ziel, das wir unbedingt erreichen müssen.»

Von der Musik leben zu können, sei eine schöne Vorstellung. Der Traum sei es aber, verschiedene Städte zu sehen, neue Menschen kennen zu lernen und so weiterzumachen wie bisher. Anderen eine Freude mit ihrer Musik zu machen und Stimmung in einen Laden zu bringen – das sei das Grösste. Sie wollen später zurückschauen und sagen können:

«Wir sind nicht nur herumgesessen, wir ­haben wirklich etwas gemacht.»

Obwohl sie das Studio im Kellerabteil Nr. 12 abgeben mussten, löse sich das Kollektiv auf keinen Fall auf. Auch wenn sie sich in alle Winde zerstreuen: Sie studieren auswärts, reisen oder treten den Zivildienst an. In Kontakt würden sie aber trotzdem bleiben, denn sie seien ja schliesslich Freunde. Wie sie sich so sicher sein können, weiter als Kollektiv zu bestehen? Da sind sich die acht Freunde einig: «Wir sind halt einfach geil und haben uns lieb.»