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KERNS: Spielt er, gehen Sorgen flöten

Seit 26 Jahren baut Klaus Bucher Panflöten. Die Klientel reicht bis Neuseeland. Dieses Wochenende fährt er nach Rümlang ans einzige Panflötenfestival der Schweiz.
Klaus Bucher (62) in seiner Werkstatt in Kerns, wo er die Instrumente selber baut. (Bild: Corinne Glanzmann)

Klaus Bucher (62) in seiner Werkstatt in Kerns, wo er die Instrumente selber baut. (Bild: Corinne Glanzmann)

Marion Wannemacher

Die erste Lektion im Panflötenunterricht lief ganz und gar nicht nach Wunsch: «Ich dachte, das geht ganz einfach, und war dann erst mal frustriert», erzählt Klaus Bucher offen. Mittlerweile klappt es mit dem Spielen einwandfrei. Und nicht nur das: Der gebürtige Kernser gilt heute in der Schweiz und darüber hinaus als Experte für den Panflötenbau. Seit 1989 hat er genau 242 Panflöten gefertigt. Der am weitesten entfernte Kunde, ein Schulbub, wohnt mittlerweile in Neuseeland.

Faszination am Instrument

Angefangen hat «Glois» Buchers Leidenschaft mit Bambusflöten, die der Lehrer irgendwann mit in den Migros-Klubschulkurs brachte. Er selbst spielte zu diesem Zeitpunkt auf einem gemieteten Kunststoffinstrument. Er nahm die Panflöte in die Hand und fand, es sollte möglich sein, sie nachzubauen. Der mittlerweile pensionierte Kältesystemmonteur ist handwerklich geschickt und hat sein Chalet selbst umgebaut. Beim Lehrer erfragte er die Adresse des Panflötenbauers. Es war ein «Aussteiger», der im Tessin ein Bergheimet bewohnte. Irgendwann stiegen Bucher und seine Frau Margrit zu ihm hinauf, bestellten ein Instrument. Bucher fragte detailliert nach und machte sich selbst ans Werk. Das gekaufte Instrument verkaufte er und spielte auf dem selbst gebauten. Nach kurzer Zeit sprach sich sein Geschick herum: Kursteilnehmer bestellten bei ihm – und sogar ein Berufsmusiker, der mittlerweile sein Freund ist.

Das ehemalige Musikgeschäft Läubli fragte ihn an für eine Ausstellung auf Weihnachten hin. Ein Musiklehrer aus dem Wallis wurde dadurch auf Bucher aufmerksam, weitere Bestellungen aus dem Wallis gingen bei ihm ein. Schüler vom Kollegium St. Fidelis in Stans und der Kantonsschule Beromünster haben bereits bei Klaus Bucher ihre Maturaarbeit geschrieben. Morgen Samstag präsentiert er sich mit seinen Instrumenten auf dem schweizweit einzigen Panflötenfestival in Rümlang, wo es Workshops und Konzerte geben wird.

Mit eigenem Werkzeug

Klaus Bucher ist ein Autodidakt, wie er im Buch steht. Mit der Zeit entwickelte er seine eigenen Werkzeuge. «Die ‹Lehren› habe ich selbst gebaut, um die einzelnen Rohre exakt nachzumessen», erzählt er und holt einen Ring mit verschiedenen Stäben hervor. Auch die Profile, in die die Flöten eingespannt werden, hat Bucher selbst gebaut.

In der Werkstatt neben dem Chalet an der Sarnerstrasse riecht es nach Holz und Klebstoff. Dort lagert der 62-Jährige die Bambusrohre. Er wählt sie selbst beim Grossverteiler aus und lagert sie vier Jahre. «Ich kann nur etwa einen Zehntel gebrauchen», betont er. Denn Qualität ist ihm wichtig: «Bei mir geht keine Panflöte hinaus, mit der ich nicht zufrieden bin. Da steckt Herzblut drin.» Materialstärke, Holzdichte und Holzhärte beeinflussen Tonfarbe und Dynamik. Bis auf das grobe Schleifen ist alles Handarbeit. Am Ende der hohlen Rohre steckt ein Korken und darüber Bienenwachs. Beim Stimmen muss der Korken je nach Tonhöhe entsprechend tief in das Rohr geschoben werden. Bucher zeigt eine Tenor-Panflöte mit 25 Tönen. Sie reicht von D bis zum viergestrichenen G. Je nach Stimmlage kostet so ein handgefertigtes Instrument zwischen 1000 und 1500 Franken. Auf Wunsch sind die Instrumente mit edlen Intarsien verziert. «Die Schnitzereien macht meine Frau Margrit.»

Auf dem Gipfel ein Panflötensolo

Für ihn ist und bleibt die Panflöte ein faszinierendes Instrument: «Egal, ob ich Kopfweh habe: Ich spiele und bin weg von allem, ich kann loslassen.» Bucher spielt in der Musikgruppe seiner Kirchgemeinde, der Freien Evangelischen Kirche in Sarnen. Und wenn der leidenschaftliche Kletterer mal wieder einen Viertausender erklommen hat? «Dann spiele ich mit einer speziell kleinen Flöte, die ich mir extra dafür gebaut habe», erzählt er schmunzelnd.

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