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Buchtipps aus Georgien, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse

Ein aktueller Roman nähert sich Kindern in einem Heim in Tiflis und ein Kurzroman aus vorsowjetischer Zeit bietet ein unterhaltsames Porträt Georgiens.
Erika Achermann

Die vergessenen Kinder von Tiflis

Das Birnenfeld, das dem Roman von Nana Ekvtimishvili den Namen gibt, ist so vergammelt wie das Internat, in dem Kinder leben, die von ihren Verwandten dort auf ewige Zeiten abgegeben werden. Man nennt es die «Debilenschule», aber debil sind Lela, Irakli und die meisten anderen Kinder nicht. Im Gegenteil, sie wissen sich gegen das Ungemach zu wehren, das ihnen tagtäglich begegnet, vor allem Lela. Für den kleinen Irakli, dessen Mutter nach Griechenland verschwunden ist und nie mehr wiederkehren wird, ist sie zur Beschützerin geworden. Der Roman spielt in den Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Georgien ist unabhängig geworden, aber in den Aussenbezirken der Hauptstadt Tiflis, in die wohl bis heute kaum ein Tourist hinkommt, ziemlich herunter­gekommen. Nana Ekvtimishvili beschreibt feinfühlig, aber auch mitreissend die Welt dieser ­einsamen Halbwüchsigen, die den Aufstand proben und sich nach Amerika sehnen. Und dann doch bleiben, weil Freundschaft das beste Mittel gegen das schmerzliche Gefühl der Verlassenheit ist.

Nana Ekvtimishvili Das Birnenfeld, Suhrkamp-Verlag, 221 S., Fr. 25.–

Georgisches
Seelenporträt

Ein Lesevergnügen ist «Samanischwilis Stiefmutter», obwohl die Geschichte gar nicht lustig ist. Platon möchte, dass sein verwitweter, aber noch immer rüstiger Vater nicht wieder heiratet. Zumindest keine Frau, die noch Kinder bekommen kann. Platon hat selbst vier Kinder und möchte keinesfalls das Erbe mit einem Halbbruder teilen. Deshalb geht er persönlich auf Stiefmutter-Suche! Findet er sie? Ja, aber sein Wunsch geht nicht in Erfüllung. Es ist noch vorsowjetische Zeit, in der Dawit Kldiaschwili, der von 1862 bis 1931 lebte, die georgische Seelenverfassung in diesem leicht zu lesenden Kurzroman festgehalten hat. Was Platon dabei an Wutausbrüchen und Verzweiflung erlebt, hat der Autor, der aus einer verarmten Familie aus dem georgischen Kleinadel stammt, mit viel Ironie, Witz und Mitgefühl dargestellt. Dem armen Plato, der mit fast allen Mitteln die eigene Familie zu schützen versucht, möchte man am liebsten freundlich zulächeln.

Dawit Kldiaschwili Samanischwilis Stiefmutter, Dörlemann-Verlag, 160 S., Fr. 27.–

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