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KINDERBUCH: Hü, das 007-Pferdchen

Nach langer Zeit ist das «Rösslein Hü» wieder erhältlich. Wobei man den Klassiker mit heutigen Erwachsenenaugen vielleicht etwas zu kritisch anschaut.
Das Rösslein Hü schaut ganz harmlos aus, besteht aber jedes Abenteuer. (Bild: PD)

Das Rösslein Hü schaut ganz harmlos aus, besteht aber jedes Abenteuer. (Bild: PD)

Anna Kardos

Es war die früheste Kulturerinnerung von Mike Müller, das Lieblingsbuch von Beatrice von Matt – und lässt das Herz von Autor Alain Claude Sulzer bis heute höher schlagen: das Rösslein Hü. 1938 von der britischen Kinderbuchautorin Ursula M. Williams erdacht, rollte das Spielzeugpferd auf seinen Holzrädern von Abenteuer zu Abenteuer – und bereits im selben Jahr auch in Schweizer Kinderzimmer. Wo es sich einen Spitzenplatz eben Pinocchio, Babar und Peterchens Mondfahrt sicherte – mit Betonung auf der Vergangenheitsform. Denn der Schweizer Kinderklassiker der 1950er-Jahre war lange vergriffen. Bis der Orell-Füssli-Verlag diesen Herbst die alte Geschichte neu auflegte.

Haben das Pferdchen und seine Abenteuer in diesen 77 Jahren Rost angelegt? Was die Zutaten der Geschichte angeht: keineswegs. Denn Williams wusste, was Kinder wollen: Seeräuber! Prinzessinnen! Zirkus! Schatzkisten! Mut! Abenteuer! Happy End! All diese Punkte hakte die Autorin gewissenhaft ab. Und während das Pferdchen Hü also von Schauplatz zu Schauplatz rollt, vergaloppiert sich die Geschichte ein wenig in einem wilden Lokalitätenmix. Das ist natürlich die herablassende Perspektive eines heutigen Erwachsenen. Genauso wie die Bemerkung, dass den Abenteuern des Pferdchens ein jeweils ähnliches Strickmuster zugrunde liegt. An diesem Rösslein scheiden sich eben die Generationen – und Geister.

Das einzige Stehauf-Pferd der Welt

Für Kinder ist Hü ein Held. Quasi der James Bond unter den Holzpferdchen. Das sah übrigens auch die Schreibende als Mädchen nicht anders. Denn mit jedem Kapitel gerät das Spielzeugtier in ein neues, lebensgefährliches Abenteuer: Mal kracht ein Bergwerk über seinem Kopf zusammen, mal treibt sein Kopf in einem Flusslauf davon, mal wollen ihn sagenhafte Meerespferde zerstampfen. Doch stets kommt Hü mit dem Leben davon und triumphiert auch noch siegreich über alle anderen. Während Hü also das weltweit einzige Steh-auf-Pferdchen ist, scheinen Happy Ends so etwas wie das Steckenpferd von Autorin Williams zu sein.

Doch jedes Ende braucht auch einen Anfang. Jener von Hü ist ein veritables Pinocchio-Szenario: Onkel Peter schnitzt eines Abends ein prachtvolles Holzpferdchen, das er anderntags verkaufen will. Doch das Pferdchen beginnt zu weinen. Lieber als bei fremden Kindern will es bei Onkel Peter bleiben. Der ist wenig begeistert, soll ihm doch das schöne Spielzeug einen glänzenden Taler einbringen. Doch ist anderntags niemand bereit, diese Summe für das Rösslein aufzubringen. Also entwickelt sich zwischen Peter und Hü eine Art Patchwork-Familie – und aus der Frage nach dem Taler ein Leitmotiv des Kinderbuchklassikers: die Suche nach Geld.

Viel Geld und harte Arbeit

Denn der ganzen Reise des Rössleins liegt der Geldbeschaffungsgedanke für den alten, kranken Onkel Peter zugrunde. Und nicht selten schimmert durch die Abenteuer hindurch, welche Botschaften das Buch transportiert: Willenskraft, Selbstbewusstsein, harte Arbeit und Hilfsbereitschaft. Das sind auch Hüs Wunderwaffen, mit denen es alles erreicht. Und nach der Lektüre mit Erwachsenenaugen versteht man Schriftsteller Alain Claude Sulzer. Dieser erklärt, er habe das Buch nicht mehr in die Hand genommen: «Ich fürchte, ich wäre bei der Wiederbegegnung enttäuscht. Lassen wir es also dort, wo es am besten aufgehoben ist: im Schutz der verklärenden Erinnerung.»

Damit hat er etwas Wesentliches angesprochen. Das Allerwesentlichste jedoch ist, dass Hü den Kindern gefällt – heute genauso wie vor 77 Jahren. Also empfiehlt sich für vorlesende Erwachsene bei der Lektüre die Methode «Fi-Wi» alias Fischstäbchen-und-Wienerli-Haltung. Schliesslich gilt auch dort: Diese Gourmandisen gönnt man sich nur zusammen mit Kindern – und deren Genuss kann durchaus auf einen selbst abfärben. Na dann: hü!

Ursula M. Williams: Die lustigen Abenteuer des Rösslein Hü. Orell Füssli, 164 Seiten, Fr. 19.90.

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