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Dominic Deville erzählt von seiner Zeit als Kindergärtner

Der Comedian hat ein witziges Buch über seine Berufsjahre als Kindergärtner geschrieben. Es offenbart die Psyche eines Bühnenmenschen.
Julia Stephan
Moderator und Buchautor Dominic Deville. (Bild: Nadia Schärli)

Moderator und Buchautor Dominic Deville. (Bild: Nadia Schärli)

Für einen Funken Aufmerksamkeit würde sich Dominic Deville einen Eimer Farbe über den Kopf kippen. Wenn es die Situation erforderte, bestimmt. Deville ist da nicht anders als die vierjährigen Knirpse, die er als diplomierter Kindergärtner einst aufs Leben vorbereitete. Die verschiedenen Facetten seines Selbst – der Punkrocker, der Comedian, der Moderator der SRF-Late-Night-Show «Deville» – sind so unkontrollierbar und impulsiv wie eine entfesselte Kindermeute.

Über seine Zeit als Kindergärtner hat Deville jetzt ein Buch geschrieben. «Pogo im Kindergarten» heisst es. Eigentlich ist das eine gut getarnte Coming- of-Age-Geschichte unter um- gekehrten Vorzeichen. Die Geschichte eines Kindes, das es nie ins Erwachsenenleben geschafft hat.

Sich mit der Kettensäge ins eigene Fleisch schneiden

Devilles ungezügelter Enthusiasmus, sein Leben im Hier und Jetzt, sein kompromissloses Aufgehen in Rollen und Geschichten, für die er sich im Laufe seiner Karriere auch schon Knochen gebrochen oder mit der Kettensäge ins eigene Fleisch geschnitten hat, haben aus ihm einen Kindergärtner werden lassen, dem die Kinder zu Füssen liegen. Eben weil er einer von ihnen ist. Weil er Märchen nicht nur erzählt, sondern wild gestikulierend Wolf, Schaf und Wolf im Schafspelz ist, kann er sich ihrer Aufmerksamkeit sicher sein. Und nach der dürstet es ihn. Energetisch lässt er sich von der Kindermeute aussaugen wie ein Schwamm.

Trotz seiner über 300 Seiten ist das Buch kein aufgebauschtes Stück Erlebnisliteratur, das aus einem Furz einen Elefanten macht – wenngleich das im Kindergartenmilieu spielend einfach wäre. Zwischen der Aufzählung von Kindergärtner-Archetypen wie der naseweisen Liselotte oder dem randalierenden Kevin kommt auf leisen Sohlen die Geschichte von Devilles eigener Sozialisation daher, die nie wirklich stattfand – selbst als Kindergärtner trug er «Fuck-the-System»-T-Shirts und sang mit den Kindern Punksongs mit selbst kreierten kinderfreundlichen Texten.

Schuld an seinem Exzentrikertum, so die Erkenntnis der Lektüre, ist ein weisser Schaukelschwan. Das Erzeugnis eines Schulkollegen aus dem Werkunterricht stahl Deville einst die Show. Seither rächt er sich an der Welt. Er bastelt Guillotinen, schläft im Sarg, setzt sich für die Abschlussarbeit am Kindergarten-Seminar vor seinen weiblichen Kolleginnen selbst in Brand – und wurde Entertainer. Kurz: Deville feiert den Rausch der Selbstzerstörung. Bis heute.

Der Drang nach Bewunderung

Dass hinter Devilles Berufswahl der Drang nach Bewunderung steht, die man eben nur von herzigen Kindergärtnern ungeteilt bekommen kann, aber selten von kritischen Erwachsenen, ist eines der vielen berührenden Bekenntnisse dieses Buches. Pädagogisches Hintergrundwissen und Alltagsbeobachtungen sowie anti-autoritäre Erziehungsexperimente werden einem in pointen- reicher Sprache um die Ohren gehauen.

deville

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Dominic Deville: Pogo im Kindergarten, KiWi, 336 S., Fr. 16.–

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