KINDERTHEATER: Kinder feiern grosses Mädchen

«Pippi Langstrumpf» ist am Luzerner Theater mehr als nur ein Kinderstück. Und erntet doch bei den Kleinen viele Lacher.

Urs Mattenberger
Drucken
Teilen
Kunterbunter Höhepunkt: Pippi (Wiebke Kayser, links) bringt mit den Kindern die Chilbi in Schwung. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Kunterbunter Höhepunkt: Pippi (Wiebke Kayser, links) bringt mit den Kindern die Chilbi in Schwung. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Kunterbunter Höhepunkt: Pippi (Wiebke Kayser, links) bringt mit den Kindern die Chilbi in Schwung. (Bild: Luzerner Theater / Ingo Höhn)
6 Bilder
Max Roenneberg, Wiebke Kayser, Samuel Zumbühl (von links) (Bild: Luzerner Theater / Ingo Höhn)
Bild: Luzerner Theater / Ingo Höhn
Bild: Luzerner Theater / Ingo Höhn
Bild: Luzerner Theater / Ingo Höhn
Bild: Luzerner Theater / Ingo Höhn

Kunterbunter Höhepunkt: Pippi (Wiebke Kayser, links) bringt mit den Kindern die Chilbi in Schwung. (Bild: Luzerner Theater / Ingo Höhn)

«Pippi! Pippi!» Als sich die zwei Ganoven an die schlafende Pippi Langstrumpf heranschleichen, klettert das Mädchen vor uns auf die Rücklehne und schreit: «Pippi! Pass uuf!» Die Lehrerin befahl sie zwar zurück auf den Platz. Aber der Schlachtruf schwappte über aufs ganze Parkett und in die Ränge: «Pippi! Pippi!», schallt es aus unzähligen Kinderstimmen im vollbesetzten Luzerner Theater, so laut, dass man vom Text auf der Bühne kein Wort mehr versteht.

Aber das war hier nicht nur egal, sondern hätte sogar gut auf die Bühne selber gepasst. Ein Kind, das gegen Autoritäten wie eben die Lehrerin rebelliert, ist schliesslich der Stoff, aus dem Astrid Lindgren die Abenteuergeschichten der «Pippi Langstrumpf» gestrickt hat. Regisseur Benno Muheim bringt ihn nicht nur als Slapstick- und Action-Komödie, sondern mit einer Portion Erwachsenenernst auf die Bühne.

Wehmütige Pippi-Göre

Das beginnt, wenn Simon Dettwiler Melancholie auf die Bühne zaubert mit dem Schwyzerörgeli, das später lüpfig die Chilbi ankurbelt oder Pippis Sehnsucht nach dem Seeräuber-Papa weckt. Aber wenn sich Pippi gegen alle wehrt, die sie ins Heim stecken wollen, zieht Muheim Spassregister, wie Kinder sie lieben. Tolle Effekte ermöglicht Werner Hutterlis Bühne mit Rampen, einem täuschend echten Pferd und dem launigen Springäffchen. Das junge Publikum war schon in der Pause begeistert. Und es kam im zweiten Teil noch besser. Als Pippi das Kaffeekränzchen im Familienidyll ihrer Freunde aufmischt, bis das Porzellan klirrt und die Damen Reissaus nehmen, ist das ein Höhepunkt an poetisch-skurriler Komödiantik.

Muheims These freilich, dass sich Kinder nicht mit dem hier wirklich «grossen Mädchen» Pippi, sondern mit deren Freunden identifizierten, bestätigt sich kaum, obwohl die Regie genau das anstrebt. Die grossartige Wiebke Kayser ist zwar eine «rebellische Göre», aber sie hat kaum je die unbeschwerte Leichtigkeit der Figur, wie man sie vom Film kennt, sondern mischt ihr mit rauher Stimme viel Wehmut bei. Silas Schmuck­li als cooler Tommy, Yael König als beherzte Annika und die ganze Kinderhorde auf der Bühne zeigen dagegen in Mundart eine Natürlichkeit, als spielten quasi Kinder aus dem Saal mit.

Kindertheater als Schulstunde?

Umso grösser war der Kontrast zu den lustvoll karikierten Erwachsenenfiguren der hoffnungslos überforderten Lehrerin oder Mutter, der liebenswürdig-trotteligen Polizisten oder der bösartig-kalten Prysselius alles Kabinettstücke an Komik, die auch die Kinder mit lauthalsem Lachen quittierten.

Überstrapaziert wurde der Erwachsenernst nur in der Wahl des Hochdeutsch für die Figur der Pippi. Eine Umfrage bei einer dritten Klasse ergab, dass alle das Hochdeutsch zwar verstanden, weil sie das ja «in der Schule» sprechen. Aber bis auf zwei waren sie sich einig: Mundart haben sie lieber! Pippi selber, die als Figur gerade für die Rebellion gegen Anpassung steht, wie sie im Stück die Schule betreibt, würde sicher Mundart wählen.

Dem Erfolg dieses Kinderstücks wird das trotzdem keinen Abbruch tun. Wenn am Schluss Pippi ihren Vater ziehen lässt und sich selbst zum Bleiben entscheidet, endet die Aufführung mit einem berührenden Versöhnungsfest und langem Applaus.

HINWEIS

«Pippi Langstrumpf» am Luzerner Theater. Die nächsten Vorstellungen: 30. 11., 4., 7., 8., 14., 17., 18., 20., 23., 24., 26., 27., 29., 30. 12. Weitere Aufführungen bis 17. Januar 2015. www.luzernertheater.ch

Wir verlosen 3-mal 2 Tickets für die Aufführung am Mo, 8. Dez., 17 Uhr im Luzerner Theater. Wählen Sie heute die Telefonnummer 0901 83 30 25 (Fr. 1.50 pro Anruf, Festnetztarif), oder nehmen Sie teil auf www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe