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KINO: Abgründe eines Weltmeisters

Schachweltmeister Bobby Fischer war ebenso talentiert wie exzentrisch. Edward Zwicks zeichnet markante Etappen dieses Lebens zwischen Genie und Wahnsinn nach.
Boris Spassky (Liev Schreiber, links) und Bobby Fischer (Tobey Maguire) liefern sich den «Match des Jahrhunderts». (Bild: PD)

Boris Spassky (Liev Schreiber, links) und Bobby Fischer (Tobey Maguire) liefern sich den «Match des Jahrhunderts». (Bild: PD)

Trailer zu allen aktuellen Kinofilmen finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/kino

Peter Mosberger

Ausgangspunkt der Handlung bildet die Schachweltmeisterschaft von 1972 in Reykjavik, als der Amerikaner Bobby Fischer gegen den Russen Boris Spassky (Liev Schreiber) in einem als «Match des Jahrhunderts» bezeichneten Wettkampf den Weltmeistertitel gewann. Im damaligen Klima des Kalten Krieges hatte das sportliche Gipfeltreffen auch einen politischen Beigeschmack.

Diese Symbolik trat jedoch in der Öffentlichkeit in den Hintergrund angesichts von Fischers bizarrem Verhalten während der Weltmeisterschaft. Er kritisierte etwa die Wahl des Austragungsortes, die Anwesenheit von Zuschauern und Kameras oder auch angeblichen Lärm. Seine Divaallüren brachten die Veranstaltung fast zum Scheitern – und waren nicht zuletzt eine Belastung für seinen Gegner.

Probleme als ständige Begleiter

Von diesen nervenaufreibenden Tagen in Island blendet der Film mehrmals zurück, um die frühen Jahre des genialischen Schachspielers zu erzählen: Kindheit und Jugend in New York, das schwierige Verhältnis zur alleinerziehenden Mutter (Robin Weiger), die neben seiner älteren Schwester Joan (Lily Rabe), mit der er sich gut verstand, gleichwohl eine enge Bezugsperson blieb.

Sein Talent wurde früh erkannt und gefördert. Früh schon zeichnete er sich aber auch durch Verhaltensauffälligkeiten aus, die mit wachsendem Ruhm eher noch zunahmen: Egomanie, Verfolgungswahn und Machtfantasien waren etwa Merkmale dieser mentalen Beeinträchtigung, die Fischer sein ganzes Leben lang prägte und deren Effekte in den Medien genüsslich ausgebreitet wurden – zumindest solange er eine Berühmtheit war. Das änderte sich, als ihm 1975 der Weltmeistertitel aberkannt wurde, da er nicht gegen den sowjetischen Herausforderer Anatoli Karpow antrat. Fischer zog sich darauf vom Turnierschach zurück. Sein Leben nach dem Weltmeistertitel ist jedoch nicht mehr Thema des Films.

Unsympathische Nervensäge

«Pawn Sacrifice» («Bauernopfer») von Edward Zwick («Glory», «Blood Diamond») ist ein routiniertes Hollywood-Biopic, das viel Gewicht auf emotionale Momente legt.

Bobby Fischer erscheint hier aber vorwiegend als dickköpfige und durchaus auch richtig unsympathische Nervensäge, die dank der virtuosen Darstellung von Tobey Maguire aber natürlich trotzdem unser Mitgefühl weckt. Maguire kitzelt aus dem Unsympath Fischer im Film allerlei liebenswerte Seiten raus.

Dem Schach geholfen

Trotzdem: Dass Bobby Fischer eigentlich vor allem ein hervorragender Schachspieler war, dass er gerade wegen seiner hartnäckigen, gar nicht immer wirklich verrückten Forderungen offenbar auch die Teilnahmebedingungen an Schachturnieren weltweit verbessern half, oder dass er durch seine zahlreichen Schachbücher das Renommee und die Popularität des Schachsports befördert hat, würde man nach diesem Film leider nicht vermuten.

Der sehr guten Darstellerinnen und Darsteller wegen folgt man gleichwohl immer interessiert dieser bruchstückhaften Schilderung eines seltsamen Lebens. Fischer starb 2008 in Island, zuvor hatte er sich geweigert, sich eine lebensrettende Niere transplantieren zu lassen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Hinweis

Pawn Sacrifice läuft im Kino Bourbaki in Luzern.

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