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KINO: «Acorda Brasil» – seltene Einblicke in das moderne Brasilien

Von einem Musiklehrer im grössten Armenviertel von São Paulo handelt das gefällige brasilianische Melodrama «Acorda Brasil». Der Film hat aber auch Schwächen.
Peter Mosberger
Laerte versagt bei einem Probevorspiel und wird dann Musiklehrer für benachteiligte Kinder. (Bild: PD/Xenix)

Laerte versagt bei einem Probevorspiel und wird dann Musiklehrer für benachteiligte Kinder. (Bild: PD/Xenix)

Der begabte junge Violonist Laerte (Lázaro Ramos) steht kurz vor der Erfüllung eines Traums: der Aufnahme ins Symphonieorchester São Paulo. Beim Probevorspiel erweist sich der Erfolgsdruck jedoch als zu hoch, die Nerven versagen, und er bringt keinen Ton hervor. Da sich keine anderen beruflichen Perspektiven bieten, nimmt er eine Stelle als Musiklehrer an einer Schule in Heliòpolis an, in der grössten Favela von São Paulo.

Zunächst Misstrauen

Die begabten Mädchen und Jungen aus ärmlichen Verhältnissen misstrauen dem kultivierten Lehrer zuerst, und Laerte selbst macht keinen Hehl daraus, dass er diesen Job nicht aus Idealismus angenommen hat. Von der engagierten Schulleiterin Alzira (Sandra Corveloni) ermuntert, setzt er sich aber immer mehr für das Orchester ein, das es aufzubauen gilt. Zwei miteinander befreundete Schüler – der disziplinierte Samuel (Kaique Jesus) sowie der widerspenstige VR (Elzio Vieira) mit Kontakten zu lokalen Kriminellen – bereiten ihm jedoch Sorgen. Laerte versucht, VR auf den «rechten Weg» zu bringen. Doch das bringt ihm nur Ärger mit dem einschlägigen Milieu ein …

«Acorda Brasil» basiert auf einem Theaterstück über das tatsächlich existierende Symphonieorchester Heliòpolis. Eine Stiftung ermöglichte in den 1990er-Jahren im grössten Armenviertel von São Paulo die Bildung dieses Orchesters, das heute aus achtzig Musikern besteht und mit dem zusammen immer wieder bekannte Persönlichkeiten aus der Musikwelt auftreten.

Verstehen über die Vernunft

Darüber erfährt man im Film vor allem etwas durch die Schulleiterin, die neben dem etwas blass wirkenden Laer­te eine zweite Hauptfigur darstellt. Leider gewinnen auch die Jugendlichen des Orchesters oder Personen aus dem Bekanntenkreis des Lehrers eher wenig Kontur, was damit zusammenhängen mag, dass man der Handlung die guten Absichten allzu sehr anmerkt.

So verstehen wir zwar den Idealismus der Schulleiterin oder die anfängliche Unzufriedenheit des Lehrers; wir verstehen auch das Misstrauen der Jugendlichen oder die inneren Konflikte eines Samuel – aber das Verstehen bleibt eben sehr vernunftbestimmt. Zu mechanisch, zu schematisch entwickelt sich das melodramatische Geschehen, um emotional wirklich zu fesseln.

Film der Kompromisse

«Acorda Brasil» scheint ganz offensichtlich ein Film der Kompromisse zu sein: Man wollte etwas von der Realität des eigenen Landes zeigen, aber doch nicht zu viel, und man hielt sich vor allem an die Vorgaben eines international eingängigen Genre-Kinos nach dem Muster von Hollywood. Gleichwohl vermittelt die brasilianische Produktion einen Einblick in ein Land, dessen Filme hier selten zu sehen sind und von dem man in den nächsten Wochen wegen der Olympischen Spielen noch viel zu hören und zu sehen bekommt.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Peter Mosberger

Hinweis

«Acorda Brasil» startet heute im Kino Bourbaki, Luzern.

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