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KINO: «Ama-San» – die japanischen Taucherinnen

«Ama-San» ist ein atmo­sphärischer Film über ­einen traditionellen ­japanischen Frauenberuf.
Urs Arnold
Eine Ama-San in Aktion in den Tiefen des Meeres. (Bild: PD/Vinca Film)

Eine Ama-San in Aktion in den Tiefen des Meeres. (Bild: PD/Vinca Film)

Matsumi, Mayumi und Masumi üben den schwersten aller Berufe aus – dies teilt uns eine der drei Frauen aus dem Off mit. Dabei sieht es eigentlich so unangestrengt aus, wenn sie in eleganten, scheinbar zeitverzögerten Bewegungen zum Meeresgrund hinuntergleiten, um Muscheln, Kreiselschnecken und andere Tiere einzusammeln. Bisweilen verschwinden die Taucherinnen fast gänzlich in der wogenden Meeresflora, einem mystischen, traumhaften Garten.

Über 2000 Jahre alt

Ama-San werden die Frauen in Japan genannt, die ohne Atemhilfe auf den Grund tauchen, wieder und wieder, manchmal mehrere Minuten ohne Sauerstoff auskommend. Über 2000 Jahre alt ist diese Tradition, welche die Ama-San in der japanischen Gesellschaft eine ganz eigene Rolle einnehmen liess. Viele Frauen waren dadurch befähigt, für den Unterhalt ihrer Familien zu sorgen, was im angestammten Rollenbild Japans eine krasse Ausnahme darstellte.

Auch die von der portugiesischen Filmemacherin Cláudia Varejão porträtierten Frauen sind Mütter, gar Grossmütter – die älteste ist über 80 Jahre alt. Zu der so heroisch anmutenden Arbeit steht ihr Privatleben im deutlichen Gegensatz. In dem hegen sie ihre Kinder, schauen dröges japanisches Fernsehen oder singen Karaoke. Viele der Ama-San sind miteinander befreundet, obschon man sich eigentlich in einer direkten Konkurrenzsituation befindet. Der gegenseitige Respekt und die Hilfsbereitschaft sind gross, was dieser Film spürbar vermittelt.

Selbsterzählend

Heutzutage üben immer weniger japanische Frauen diesen gefährlichen Beruf aus. Varejãos Film wird deshalb wohl schon in absehbarer Zeit ein Dokument einer ausgestorbenen Tradition sein. Er wird zeugen von den rituellen Vorbereitungen, welche die Frauen auf dem Boot treffen, von der grossen Erschöpfung, mit der sie nach der Arbeit umzugehen haben, aber auch von ihrem Leben abseits des Meeres.

Varejão beobachtet unkommentiert, als Fliege im Raum sozusagen, mit anspruchsvoller Bildästhetik und grosser Geduld. Die Schönheit der Unterwasseraufnahmen verzückt – man hätte sich noch mehr von ihnen gewünscht. Als selbsterzählende Doku kontrastiert sie die vielen Reportagen und Filme über die Ama-San; sie baut sich auf Nähe und Atmosphäre auf und verzichtet bewusst auf klare Informationsvermittlung.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Urs Arnold

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