KINO: Amateur Teens - zwischen Schein und Sein

Niklaus Hilber schildert in «Amateur Teens» die Nöte und Gefühle von Sekundarschülern in Sachen Pubertät, Schule, Sex und Internet. Das bietet Jugendlichen viel Stoff für Diskussionen.

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Von links nach rechts: Fatima (Fayrouz Gabriel), Milena (Luna Wedler), Sabrina (Chiara Carla Bär) und Alina (Zoë Pastelle Holthuizen) versuchen mit Rauchen cool zu sein. (Bild: PD)

Von links nach rechts: Fatima (Fayrouz Gabriel), Milena (Luna Wedler), Sabrina (Chiara Carla Bär) und Alina (Zoë Pastelle Holthuizen) versuchen mit Rauchen cool zu sein. (Bild: PD)

Andreas Stock

Die Mädchenclique schaut kritisch über den Pausenplatz, wo Lara allein und verloren steht. «Checken wir sie mal aus», meint Milena und nimmt ihr Smartphone: «Nur 42 Freunde», stellt sie spöttisch fest. «So ein Opfer», «so asozial» lauten die Kommentare der Kolleginnen.

Die Lebenswelt der Schüler

Die Szene kennt man so oder ähnlich aus anderen Teenager-Streifen, insbesondere natürlich populären US-Highschool-Dramen und -Komödien. Ebenso die Themen, um die sich «Amateur Teens» dreht: Stress in der Schule, Pubertät, erste Verliebtheit, Sex, Mobbing via Social Media. Der wichtige Unterschied – trotz des englischen Titels, der sich auf Internetfilme bezieht: Hier wird von Schweizer Sekundarschülerinnen und -schülern erzählt. Schauplatz ist eine Zürcher Vorstadt – es könnte auch sonst ein Ort in der Schweiz sein.

Regisseur Niklaus Hilber erzählt von Jugendlichen mit alltäglichen Nöten und Sorgen. Und weil er als Mittvierziger mit der Lebenswelt von 14- bis 16-Jährigen nicht mehr so vertraut sein kann, hat er mit Co-Autor Patrick Tönz über mehrere Monate mit einer Sekundarschulklasse die Themen des Films im Sozialkundeunterricht diskutiert. Und er hat schliesslich mit ihnen sein Drehbuch besprochen, in das Erfahrungen der Schüler eingeflossen sind.

Nüchtern und ungekünstelt

Dieses Bemühen um Authentizität und glaubwürdige Situationen ist «Amateur Teens» anzusehen. Unaufgeregt, aber direkt, mit einer gewissen Nüchternheit beobachtet die Kamera den normalen Alltag von normalen Schülern. Das wird gerade in den ungekünstelten, knappen Dialogen der in einem aufwendigen Casting gefundenen Laienschauspieler spürbar. Eine Natürlichkeit, die man in gewissen Momenten auch für etwas hölzern oder ungelenk halten könnte. Doch die sensible Nähe, die Hilber mit seinen Mitteln erreicht, schwächt diesen möglichen Einwand.

Es ist alles nicht so einfach

Gelungen auch, wie erst Situationen und Figuren skizziert werden, die einem vertraut sind, die teils zu Klischees wurden: die neue Schülerin, das selbstbewusste Alphamädchen der Clique, die Buben, die sich gegenseitig vormachen, wie viel sexuelle Erfahrung sie haben. Hilber leuchtet durch solche Klischees und Figurenfolien hindurch, macht sie transparent und vielschichtiger. So zeigt die Rudel-Primaballerina Milena beim Schnuppern in der Kindertagesstätte ein anderes Gesicht; ebenso in der Szene, als die verwirrte Sabrina sich ihr anvertraut – verwirrt vom «ersten Mal» mit dem gleichaltrigen Selim.

Nein, die Jugend von heute hat es kein bisschen einfacher in Liebes- und Gefühlsdingen. Die selbstverständliche, von den Teenagern kaum kritisch hinterfragte Rolle, die Social Media und Internet spielen, ist ein zentrales Thema. Diese werden nicht verteufelt, aber es wird deutlich, wie schwierig es für die Heranwachsenden ist, aus der Diskrepanz zwischen dem schönen Schein und den Spasswelten des Internets die richtigen Schlüsse für ihre realen Gefühle und Erfahrungen zu ziehen.

Publikumspreis gewonnen

Der unreflektierte Umgang führt auch zur Eskalation in der «Tragödie in fünf Akten», wie es zu Beginn heisst. Die elliptische Inszenierung mit ihren kurzen Szenen und Auslassungen in grauen Zwischenbildern klammert allerdings das grosse Drama aus. Trotzdem – und vielleicht auch darum – bietet «Amateur Teens», der am Zurich Film Festival mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, gerade für Jugendliche viel Diskussionsstoff.

Hinweis

«Amateur Teens» läuft ab Donnerstag in den Kinos Bourbaki (Luzern) und Seehof (Zug).