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KINO: «Aurore»: Immer diese Hitzeschübe

Die französische Komödie «Aurore» erzählt mit leichter Hand von den Nöten einer Frau in den Wechseljahren. Mit einer wunderbaren Agnès Jaoui.
Andreas Stock
Selten so vereint: Agnès Jaoui als Aurore (Mitte oben), flankiert von ihren beiden Töchtern sowie ihrer Freundin. (Bild: Looknow)

Selten so vereint: Agnès Jaoui als Aurore (Mitte oben), flankiert von ihren beiden Töchtern sowie ihrer Freundin. (Bild: Looknow)

Andreas Stock

andreas.stock@tagblatt.ch

«Tragen Sie es mit Fassung», sagt der Frauenarzt zu Aurore, als sie ihre Gemütsschwankungen und die Wallungen beklagt und nach Gegenmitteln fragt. Ausser mit lauter Fremdwörtern, die erklären sollen, was sich im Körper einer Frau während der Wechseljahre abspielt, kann der Arzt nur ein Schulterzucken bieten: «Ist man erst mal 30, geht es nur noch bergab, das ist nun mal so.»

Die französische Regisseurin Blandine Lenoir, selbst in den Vierzigern, schlägt in «Aurore» einen augenzwinkernden Ton an, wenn sie schildert, wie ihre 50-jährige Titelheldin nicht nur mit dem Älterwerden ihre Mühe bekundet. Nachdem Aurore ihre Stelle als Kellnerin wegen des impertinenten neuen Chefs kündigt, wird es schwierig für die getrennt lebende Frau, einen neuen Job zu finden. Zudem wird ihre älteste Tochter Marina schwanger, und die jüngere Lucie geht mit ihrem DJ-Freund nach Barcelona. Einziger Lichtblick ist da neben ihrer lebensfrohen Freundin die zufällige Begegnung mit ihrer einstigen Jugendliebe Christoph, den sie einst für ihren Ex-Mann verlassen hatte.

Frauensolidarität in La Rochelle

Vergangenes Jahr war mit «L’ avenir» von Mia Hanse-Love ebenfalls eine französische Tragikomödie zu sehen, worin Isabelle Huppert eine Frau verkörperte, die sich nach der Trennung von ihrem Mann mit dem Älterwerden und der emotionalen Einsamkeit beschäftigt. In «Aurore» spielt Agnès Jaoui diese Frau, und mit den beiden überzeugenden und doch sehr unterschiedlichen Hauptdarstellerinnen lässt sich auch die unterschiedliche Tonart der zwei Filme charakterisieren. In «L’ avenir» verkörperte Huppert eine politisch engagierte Philosophielehrerin, der Film spielt in einem akademischen Umfeld in Paris. Die Akteurinnen in «Aurore» sind hingegen Verkäuferinnen, Serviererinnen und Putzfrauen und leben in der Provinz, in La Rochelle. Bodenständiger und rustikaler in der Zeichnung der Lebensumstände, das gilt ebenso für die Inszenierung von Blandine Lenoir. So wie Leichtigkeit und Humor hier etwas unbeschwerter erscheinen, sind es die alltäglichen Probleme, mit denen Aurore sich herumzuschlagen hat. Die sie aber, tanzend zu einem Song von Nina Simone, auch sehr einfach für einen Moment zu verdrängen vermag.

Agnès Jaoui, als Regisseurin ebenso erfahren wie als Schauspielerin, gibt dem Film einen Schuss ironischen Charme. Das balanciert leicht die gelegentlichen feministischen Plädoyers aus, beispielsweise ein TV-Interview mit der feministischen Anthropologin Françoise Héritier. Denn «Aurore» will Wohlfühl­kino und kein moraliner Frauenfilm sein. Regisseurin Lenoir verbindet sketchartigen Witz mit emotionalen Szenen – so wie sich die Hitzeschübe ihrer Protagonistinnen mit Dramen und Tränen abwechseln. Sie betont die Solidarität unter den Frauen und entwirft Situationen, in denen sie amüsante Kommunikationsformen zeigt. Beispielsweise wenn Aurore mit Tochter Lucie im Badezimmer steht, die sich Zähne putzend unterhalten. Kein Wort versteht man als Zuschauer, doch die beiden scheinen einander sehr wohl zu verstehen.

«Ich wollte Lust auf das Altern vermitteln», sagt Blandine Lenoir – ihr Zielpublikum dürfte das Kino denn auch mit einem Schmunzeln verlassen.

«Aurore» läuft ab morgen Donnerstag im Kino Bourbaki (Luzern).

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