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KINO: Aus dem Horrorfilm wurde nichts

Eine junge Frau aus streng religiösem Haus ist mit der Freiheit in Oslo überfordert. Trotz übersinnlichem Touch ist «Thelma» von Joachim Trier wieder eine Charakterstudie. Er sagt, wieso er einfach nicht anders kann.
Regina Grüter
Thelma, grossartig verkörpert von der Nachwuchsschauspielerin Eili Harboe. (Bild: Outside the Box)

Thelma, grossartig verkörpert von der Nachwuchsschauspielerin Eili Harboe. (Bild: Outside the Box)

Interview: Regina Grüter

Der 1974 in Kopenhagen geborene norwegische Regisseur und Drehbuchautor Joachim Trier erzählte in «Reprise» von nachpubertären Enttäuschungen und in «Oslo, August 31st» von einem jungen Mann in einer existenziellen Krise. Nach einem Ausflug ins Starkino mit Isabelle Huppert, Gabriel Byrne und Jesse Eisenberg überrascht er nun mit einem übernatürlichen Thriller. Der ist aber ebenfalls eine Coming-of-Age-Geschichte.

Joachim Trier, ich bin froh, dass Sie nach «Louder Than Bombs» Ihren nächsten Film wieder in Norwegen gemacht haben. «Thelma» hat eine unglaubliche Kraft.

Mein Co-Autor Eskil Vogt und ich wollten etwas Neues machen, das gleichzeitig an unsere vergangene Zusammenarbeit anknüpft. «Louder Than Bombs» war ein sehr persönlicher Film, was Handlung und Charaktere betrifft. Aber es war auch schön, nach Norwegen zurückzukehren, zu meinen Wurzeln, und etwas mit jungen, weniger erfahrenen Schauspielern zu machen. Die Erzählweise von «Thelma» ist sehr visuell. Es geht weniger um Dialog als um Ereignisse, die mittels mysteriöser Bilder erzählt werden.

Die Hauptfigur Thelma verfügt über übernatürliche Fähigkeiten, ist aber weder Hexe noch Heilige. Ist Ihr Film ein Sinnbild für Selbstbefreiung? Für die Akzeptanz von Andersartigkeit?

Wir wollten einen Charakter kreieren, der trotz seiner übernatürlichen Kräfte ganz und gar menschlich ist und einen freien Willen hat. Sie ist einerseits das brave Mädchen, das von den Eltern akzeptiert wird. Andererseits ist da dieser andere Teil ihrer Persönlichkeit. Als Zuschauer können wir mit Thelma verschiedene Gefühle durchleben, ohne sie idealisieren zu müssen. Filme packen uns dann, wenn sie mehr sind als ein Rezept für ein moralisch korrektes Leben.

Genauso komplex ist die Figur von Thelmas Vater: Auch wenn er den Glauben als Mittel zur Unterdrückung der eigenen Tochter einsetzt, ist er nicht einfach der Böse.

Vielerorts wird Religion als Ins­trument zur Repression benutzt, sogar in Norwegen. Für viele Menschen aber kann Religion etwas Wunderbares sein, vermute ich. Es ist nicht die Idee vom individuellen Glauben, die ich in diesem Film angreifen will. Als Hintergrund für einen paranormalen Thriller fand ich die Frage der Religion interessant und wollte ein bisschen damit rumspielen.

Der Vater hinterlässt sehr zwiespältige Gefühle.

Die besten Charaktere sind doch die, die wir in einem gewissen Mass verstehen: Wir können ihre Handlungen nachvollziehen, auch wenn sie grausame Dinge tun. Die flache Figur des bösen Vaters haben wir schon viele Male gesehen. Ausserdem kann sich das Publikum so mit der Liebe, die Thelma für ihren Vater hegt, identifizieren. Diese Beziehung sollte im Zentrum des Films stehen. Man braucht die Bestätigung seiner Eltern. Gleichzeitig muss man sich von ihnen lösen und die Person werden, die man sein will.

Typisch für das Genre, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Imagination zunehmend.

Wir spielen innerhalb des Genres und stellen alles in Frage. Das erzeugt Spannung. Wenn etwas Seltsames passiert, beginnt man an sich zu zweifeln. Viele dachten, ich mache jetzt diesen schrecklichen Horrorfilm, aber ich weiss nicht wie das geht! Ich akzeptiere nun, dass ich ein Hybrid zwischen Drama und Horror gemacht habe. Die Filme, die ich immer schon am meisten gemocht habe, bewegen sich am Rand von dem, was man erwartet. «The Dead Zone» von David Cronenberg nach dem Roman von Stephen King etwa ist in Wirklichkeit ein wunderbarer Film über die Einsamkeit des Protagonisten und seine Unfähigkeit, menschliche Verbindungen einzugehen.

Wie alle Ihre Filme ist «Thelma» eine Charakterstudie. Kommt das von Regisseur Stephen Frears, bei dem Sie in London studiert haben?

Frears versteht es, Schauspieler zu führen. Er ist geerdet und grosszügig, als Lehrer nie moralisierend. Und er liest Drehbücher auf eine kohärente Figurenzeichnung hin. Ich hatte vorher Skateboard-Videos gedreht, habe also einen sehr visuellen Hintergrund. Meine Filme «Reprise» und «Oslo, August 31st» waren sehr persönliche Charakterstudien. Ich weiss nicht, ob ich mutig genug gewesen wäre für diese Art von Kino, wenn ich nicht grossartige Lehrer gehabt hätte.

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