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KINO: Bale: «Welche Interpretation ist denn die richtige?»

Mit seiner Moses-Verfilmung will Ridley Scott an die Ära der monumentalen Bibel-Schinken anknüpfen. Er und sein Moses, Christian Bale, sprechen über Glauben und Geschichte.
Der Regisseur, Ridley Scott (links), und sein arg beanspruchter Hauptdarsteller, Christina Bale.PD (Bild: PD)

Der Regisseur, Ridley Scott (links), und sein arg beanspruchter Hauptdarsteller, Christina Bale.PD (Bild: PD)

Religiöse, ethnische oder soziale ­Intoleranz und Unterdrückung hasst Ridley Scott, davon zeugen seine historischen Epen «Kingdom Of Heaven» (2005), «1492: Conquest of Paradise» (1992) und «Gladiator» (2000) ebenso wie «Thelma & Louise» (1991) und «American Gangster» (2007). Jetzt legt der 77-jährige Brite «Exodus: Gods And Kings» vor, die Geschichte von Moses, der am ägyptischen Königshof aufwächst und dann zu dessen erbittertem Feind wird. Christian Bale gibt den Israeliten, dessen Mutter ihn in der Ferne in Sicherheit brachte, als alle Erstgeborenen in seiner Heimat ermordet wurden.

Warum musste die Geschichte von Moses heute erzählt werden?

Ridley Scott: Die erfolgreichen Interpretationen der Bibel und Thora stammen aus den 1950ern. Mit seiner Liebe zu Monumentalfilmen bewegte Charlton Heston die Studios, Millionen in diese Stoffe zu stecken. An diese Ära wollte ich anknüpfen, ohne sie zu imitieren. Deshalb begann ich mit den Recherchen im Urschleim. Mit Experten für die Interpretation der Heiligen Schriften habe ich stundenlang diskutiert und an der Story gefeilt. Dabei wandelte sich mein Blick. Die schillernde Persönlichkeit von Moses verdrängte die episch breite Geschichte.

Christian Bale: Die alten Verfilmungen halten sich an den ­Tanach sowie das 2. bis 5. Buch Mose, die verschiedene historische Ereignisse miteinander verknüpften. Israelische Archäologen haben bewiesen, dass der Auszug der Juden aus der Gefangenschaft falsch datiert ist. Wir wissen aus anderen Quellen, dass die Juden in Babylon und Ägypten versklavt und verfolgt wurden, weshalb sie von Moses geführt das Land verliessen. Mein Ziel war es daher, Moses als Menschen zu zeigen, der zu einem Anführer wurde. Später leiteten Millionen Menschen ihren Glauben aus seiner Mission ab, für andere ist es nur eine wunderbare Geschichte. Doch egal, ob die Menschen gläubig sind oder nicht, Moses war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Menschheit.

Sie selbst glauben aber nicht an Gott?

Scott: Nein, wir sind beide Agnostiker.

Warum geben Sie Gott die Gestalt eines Kindes, Malak?

Scott: Malak heisst Bote oder Engel. Ich bevorzuge Bote für meine Interpretation der Kommunikation zwischen Moses und Gott. Er muss Moses beinahe umbringen, damit der aus einer Lethargie erwacht und seine Rolle annimmt. Um ihn zu leiten, schickt er den Jungen. Doch auf diese Interpretation möchte ich mich nicht festlegen. Ich sehe die Figur als Gestalt für Moses’ Gewissen.

Bale: Die Gestaltung dieser Konversationen ist eine Schlüsselfrage. Ridley bietet dem Zuschauer seine Version an, dass Moses nur seinem Gewissen folgt.

Scott: Meine Mutter glaubte, dass Gott nur denen hilft, die sich selbst helfen. In diesem Sinne hat sie meinen Bruder und mich erzogen. Uns wurde gelehrt und vorgelebt, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen und Gott nur als Schöpfer der Natur mit all ihrer Schönheit, Vielfalt und Plagen zu akzeptieren. Das ist für mich die eigentliche Lektion der Bibel und des Leben Moses’: Wir müssen uns selbst aufraffen, um die Probleme zu lösen, die wir uns eingebrockt haben. Sonst verschwindet die Menschheit von diesem Planeten. In den kommenden 100 Jahren wird sich erweisen, ob die Menschheit in die Katastrophe schlittert.

Bale: Der Film bietet viele Bezüge zur Gegenwart. Nehmen sie nur die unterschiedliche Entwicklung von Ramses und Moses. Sie wurden beide nach den gleichen Massstäben erzogen. Der eine hält sich für einen lebenden Gott und regiert ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen. Der andere zieht mit seinen Glaubensgenossen durch die Wüste, um sie aus der Knechtschaft zu befreien. Man muss kein Genie sein, um darin den Geist der Revolution und des Kampfes gegen religiöse Intoleranz zu finden.

Gehen Sie aber nicht etwas weit in Ihrer Interpretation Gottes?

Bale: Welche Interpretation ist denn die richtige? Schon der Gott im Alten Testament agiert anders als im Neuen Testament. Und die Thora kennt kein Jenseits, kein Leben nach dem Tod und keinen Teufel. Ridleys Beschreibung der komplizierten Beziehung zwischen Moses und Gott basiert auf der Überlieferung der Israeliten. Gott ist enttäuscht und verärgert, als Moses sich weigert, ihm zu folgen. Und lässt ihn seine Gewalt spüren. Denn Moses kämpft mit diesem Gott, er ist anderer Meinung, er hadert mit sich selbst. Moses fühlt, dass Gott nicht ihn prüft, sondern sich selbst durch ihn prüft.

Scott: Die Heiligen Schriften sind erstaunlich gewalttätig und blutig. Wir bieten die unterhaltende Version.

Und folgen Mel Brooks und den Monty Pythons?

Bale: Als Ridley mir die Rolle anbot, fühlte ich mich unsicher. Ich hatte Angst, dass ich völlig schiefliege und ins Pathos abrutsche. Also habe ich mir alle Filme angesehen, die sich zuvor an Adaptionen der Bibel wagten. Neben den Monumentalfilmen waren das Monty Pythons «Life Of Brian», der zu meinen Lieblingsfilmen zählt, und Mel Brooks’ «Letztes Abendmahl» aus der «History Of The World». Er beschreibt mit leichter Hand das Schicksal von Jesus und seinen Jüngern.

Wie viel mussten Sie nach «American Hustle» abnehmen?

Bale: Ich musste die Donuts weglassen. Für «American Hustle» ass ich mir einen Bauch an, für diesen Part nahm ich wieder ab, um zu dem ausgezehrten Moses zu werden, den wir von Bildern kennen. Ich machte eine Diät und absolvierte ein spezielles Training. Als wir mit dem Dreh begannen, wirkte mein Körper wieder muskulöser. Nur bei den Haaren und dem Bart musste mit Perücken und Imitaten nachgeholfen werden.

Katharina Dockhorn/Ricore

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