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KINO: «Captain Fantastic» – von der Wildnis in die Zivilisation

Man will ja für den eigenen Nachwuchs nur das Beste. Aber was, wenn die Familie zur Zerreissprobe wird? «Captain Fantastic» mit Viggo Mortensen spielt den ­Extremfall durch.
Hans Jürg Zinsli
Eine unkonventionelle Familie: Ben (Viggo Mortensen) und die sechs Kinder sind zur Beerdigung der Ehefrau und Mutter angereist. (Bild: Impuls Pictures/PD)

Eine unkonventionelle Familie: Ben (Viggo Mortensen) und die sechs Kinder sind zur Beerdigung der Ehefrau und Mutter angereist. (Bild: Impuls Pictures/PD)

Hans Jürg Zinsli

Man kennt das aus über 120 Jahren Filmgeschichte: Vernünftige Figuren sind schön und gut, aber erst wenn die scheinbar Vernünftigen kommen, wirds richtig interessant. Dann bleibt kein Stein auf dem andern, am allerwenigsten im Kopf des Zuschauers.

Die jüngste Ausprägung eines solch ausgefransten Zeitgenossen heisst Ben (Viggo Mortensen). Er lebt mit seinen sechs Kindern irgendwo in der nordamerikanischen Wildnis und hat dafür (fast) plausible Argumente: Der Nachwuchs soll im Paradies aufwachsen und nichts von diesem Teufelszeug namens Zivilisation mitbekommen. So weit, so löblich.

Doch bald legt sich ein Schatten über die sonnig-unbeschwerte Aussteigerfamilie, die lieber ihren Noam-Chomsky-Tag feiert als Weihnachten zelebriert: Leslie, die Ehefrau von Ben und Mutter der sechs Kinder, hat sich wegen Depressionen im Spital das Leben genommen. Da Leslie in den Südstaaten aufwuchs, fährt Ben mit den Kindern in einem Bus los, um der Beerdigung beizuwohnen. Doch kaum im Süden angekommen, stellt sich der Schwiegervater (Frank Langella) quer und droht mit gerichtlichem Entzug von Bens Erziehungsberechtigung.

Kampf der Gesinnungen

Ja, es ist ein Kampf der Generationen, den der US-amerikanische Regisseur und Autor Matt Ross in «Captain Fantastic» anreisst. Und es ist mehr noch ein Kampf der Gesinnungen, insbesondere was das Thema Erziehung betrifft: Soll man den eigenen Nachwuchs vor der modernen Welt beschützen, oder soll man ihn selbst entscheiden lassen, wie er leben will?

Am besten zeigt sich dieser Konflikt, den jede Familie irgendwann aushalten muss, zwischen Ben und dessen ältestem Sohn Bo (George MacKay). Zu Beginn des Films erlegt Bo im Wald ein Reh – als Zeichen seiner Mannwerdung. Später, als man mit dem Bus auf einem Campingplatz rastet, ist Bo überfordert, wie er mit einer hübschen Gleichaltrigen umgehen soll – und beklagt sich darauf beim Vater: «Mein ganzes Wissen stammt aus Büchern.»

Weite und Beengtheit

Was kommt, ist absehbar: Es geht um die Entscheidung zwischen Weltflucht und Selbstbestimmung. Eine Entscheidung, die auch Bos jüngere Geschwister bald treffen müssen, vorausgesetzt, sie wird ihnen vom eigenen Vater erlaubt. «Captain Fantastic» veranschaulicht das, wenn die Weite der atemberaubenden Landschaften mit der Beengtheit der Figuren kollidiert. Dabei spitzt Regisseur Matt Ross seine Weltanschauungsparabel so stark zu, bis man die Filmfamilie nur noch als Sekte wahrnimmt, aus der man aussteigen sollte.

Zu krass? Zu simpel? Zu schwarz-weiss? Nein, nein und abermals nein, denn gerade im scheinbaren Widerspruch zwischen Look und Handlung liegt der eigentliche Reiz von «Captain Fantastic». Und das bleibt nicht die einzige Überraschung in diesem Film, der vom Konzept her an den Roadmovie-Riesenerfolg «Litte Miss Sunshine» (2006) erinnert. Der Unterschied: «Captain Fantastic» hat nichts Augenzwinkerndes. Der Film bleibt sperrig bis zum Schluss. Doch der vermeintliche Vernunftmensch Ben gefällt als eine der verbohrtesten Gestalten der jüngeren Kinogeschichte.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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