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KINO: Cleverer Pseudo-Dokfilm als mutiges politisches Statement

Trotz Verbot hat der iranische Regisseur Jafar Panahi wieder einen Film gemacht. «Taxi Teheran» ist ein von tiefer Menschlichkeit geprägter Essay über sein Land.
Filmregisseur und freundlicher Taxifahrer: Jafar Panahi mit einem Fahrgast. (Bild: PD/Filmcoopi)

Filmregisseur und freundlicher Taxifahrer: Jafar Panahi mit einem Fahrgast. (Bild: PD/Filmcoopi)

Ein Sammeltaxi fährt durch Teheran. Am Steuer sitzt ein dunkelhaariger Mann mittleren Alters und nimmt mit freundlichem Lächeln verschiedene Passagiere auf. Ein erregter Herr verteidigt da vehement die Todesstrafe, wird dafür aber von einer Mitpassagierin, einer Lehrerin, gerüffelt. Zwei ältere Frauen tragen Goldfische in einem offenen Glas mit sich, die sie an einer Quelle aussetzen wollen. Auch einen alten Freund, der einst von Schergen des Regimes verprügelt worden ist, oder die zehnjährige Nichte des Fahrers lernt man unterwegs kennen.

Filmische Regeln

Das aufgeweckte Mädchen Hana erzählt von einem Kurzfilmprojekt an der Schule, bei dem es wichtige filmische Regeln einzuhalten gilt (angemessene islamische Kleidung der Darsteller, positive Gesinnung, keine Schwarzmalerei mit der unvermeidlichen Frage an den Onkel: «Was heisst Schwarzmalerei?»). Auch eine mit dem Taxichauffeur befreundete Anwältin, die sich für politische Gefangene einsetzt, fährt ein Stück mit, und ein fliegender Händler, der Raubkopien von nicht erhältlichen Filmen vertreibt, merkt gleich, wer der Taxifahrer in Wirklichkeit ist, und schlägt ihm – vergeblich – einen Deal vor.

Der Regisseur als Taxifahrer

Gelenkt wird das Taxi nämlich vom international bekannten iranischen Regisseur Jafar Panahi. Und die Produktion selbst, ein geschickt inszenierter Pseudo-Dokumentarfilm, in dem die Fahrgäste über ihren Alltag Auskunft geben, dürfte, wie schon die zwei vorhergehenden Filme Panahis («This Is Not A Film» 2011, «Closed Curtain» 2013) eigentlich gar nicht existieren. Seit 2010 im Iran mit Berufsverbot belegt, hat es der Regisseur mit «Taxi Teheran» gleichwohl wieder geschafft, in einem faszinierenden Werk die Verhältnisse in seiner Heimat mit feinem Humor und humanistischem Pathos zu reflektieren.

Um kein Aufsehen zu erregen, musste der Film mit einfachsten Mitteln gedreht werden; es wurde vorwiegend im Innern des Autos gedreht, etwa mit einer am Armaturenbrett befestigten beweglichen Kamera. Das Ergebnis ist ein politisch mutiger Film eine Art Flaschenpost -, der zugleich meisterlich inszeniert ist. So spricht das dialogreiche Hin und Her zwischen Fahrer und Fahrgästen zum Beispiel auf vielschichtige Weise die einzelnen Sinne an: Einiges hört man, anderes sieht man nur, und manches wird nur angedeutet.

Ensemble von Laiendarstellern

Dank der ingeniösen Szenen-Montage rückt auch die etwas forcierte Ausgangslage schnell in den Hintergrund, denn die Figuren und ihre persönlichen Geschichten ziehen einen förmlich mit. Dabei treten nur Laiendarsteller auf, die zumeist sich selbst verkörpern, wie der DVD-Händler oder die Menschenrechtsaktivistin und Anwältin Nasrin Sotoudeh. Auch Hana, die mit ihrem quecksilbrigen Temperament entscheidend zum Vergnügen beiträgt, torpediert hier ihren richtigen Onkel Jafar mit nicht immer leicht zu beantwortenden Fragen. Sie war es auch, die im Februar dieses Jahres am Filmfestival von Berlin, wohin der Film heimlich geschmuggelt worden war, den Goldenen Bären für den besten Film im Namen des mit einem Ausreiseverbot belegten Regisseurs entgegennahm.

Der 1960 geborene Jafar Panahi hat nach einem Studium der Film- und Fernsehregie in Teheran als Assistent von Abbas Kiarostami begonnen. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit «The Circle», für den er 2000 den Goldenen Löwen in Venedig erhielt.

Ein Regisseur mit Stehvermögen

In den letzten fünf Jahren war er als Autor von verbotenen bzw. nur im Ausland gezeigten – Filmen wiederholt in den Schlagzeilen. Das zwanzigjährige Berufs- und Ausreiseverbot, wie auch das Damoklesschwert einer zurzeit angefochtenen sechsjährigen Haftstrafe wegen «Propaganda gegen das System», haben ihn nicht daran gehindert, weiter Filme zu drehen: «Ich bin ein Filmemacher. Film ist meine Art, mich auszudrücken, und es ist das, was meinem Leben einen Sinn gibt. Nichts kann mich am Filmen hindern, und wenn ich mich in die Enge getrieben sehe, wird das Bedürfnis, etwas zu kreieren, nur noch stärker. Film als Kunstform ist mir sehr wichtig. Deshalb – um zu respektieren, woran ich glaube, und um mich lebendig zu fühlen – muss ich weiter Filme machen, unter welchen Umständen auch immer.»•••••

Peter Mosberger

Hinweis

«Taxi Teheran» läuft ab heute in den Kinos Bourbaki (Luzern) und Gotthard (Zug).

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