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KINO: Computeranimator Lukas Niklaus: «Ich will immer mit den Besten arbeiten»

Der Luzerner Lukas Niklaus arbeitet an grossen Hollywood-Produktionen mit. Dabei liess er schon Terminatoren gegeneinander kämpfen und erweckte Menschenaffen zum digitalen Leben. Ein Workshop in Luzern bot Gelegenheit zu einem Treffen.
Pascal Gut
Lukas Niklaus beim Aufenthalt an der Hochschule Luzern – Design und Kunst. (Bild: Pius Amrein (14. August 2017))

Lukas Niklaus beim Aufenthalt an der Hochschule Luzern – Design und Kunst. (Bild: Pius Amrein (14. August 2017))

Pascal Gut
<span style="font-size: 1em;">kultur@luzernerzeitung.ch</span>

Caesar, der sprechende Affe, führt derzeit auch in den Schweizer Kinos seine Artgenossen im Kampf gegen die Menschenarmeen an. Zum Leben erweckt wurden sie im Film «Planet der Affen: Survival» von den Animationsprofis von der Firma Weta Digital. Einer von ihnen ist der 32-jährige Lukas Niklaus, der zurzeit bei der Master Academy für Computeranimation an der Hochschule Luzern mitwirkt.

Als Kind sei er ein Träumer gewesen, erinnert sich Lukas Niklaus, der bei seiner Mutter in Uffikon aufgewachsen ist. Ihn interessierten Astronauten und Dinosaurier. Und in der Pubertät verbrachte er viel Zeit mit Videospielen. «Das Umsetzen von Träumen hat mich aber lange nicht so interessiert», erinnert er sich. Diszipliniert ein Ziel verfolgen – das lernte er schliesslich durch den Kampfsport. Mit sieben Jahren begann er mit Karate, doch erst während der Lehre zum Polygraf packte ihn das Kampfsportfieber so richtig, und er nahm an nationalen wie internationalen Wettkämpfen teil.

Pixar-Traum wird zur grossen Motivation

Mit 3D-Animation kam Niklaus erst nach seiner Lehre in Kontakt. Er arbeitete damals als Grafik­designer in einer Eventagentur in Biberist. «Die Abteilungsleiterin in der Firma wurde für mich zu einer wichtigen Mentorin, die mich stets pushte.» Mit ihr zusammen arbeitete er sich für das Geschäft in 3D-Programme ein. «Als ich sah, was man alles mit so einem Programm machen kann, da war es um mich geschehen. Kurz darauf habe ich die Karriereempfehlungen der Pixar Animation Studios aus dem Internet ausgedruckt und allen gesagt: ‹Hier, da will ich hin!›»

Auch in seiner Freizeit beschäftigte er sich von nun an immer stärker mit Animation und schrieb Leute an, die in dem Bereich tätig waren, um von ihnen Ratschläge zu erhalten. Als ihn schliesslich eine Knieverletzung zwang, für längere Zeit sein Karatetraining zu unterbrechen, entschied er, sich für ein Onlinestudium bei Animation Mentor anzumelden.

Seinen ersten Job in der Branche erhielt Lukas Niklaus 2010. Für die Abschlussfeier seines Studiengangs reiste er in die USA und besuchte in Los Angeles eine Computergrafikmesse. Hier kam er mit einer Vertreterin der Firma Pixomondo, die auf visuelle Effekte spezialisiert ist, in Kontakt. «Da sie auch Deutsch konnte, kamen wir leicht ins Gespräch», erinnert sich Niklaus. Anscheinend hinterliess er bleibenden Eindruck, denn wenige Wochen später erhielt er eine E-Mail, in dem ihm ein Job bei Pixomondo in Toronto angeboten wurde. «Als ich das las, bin ich aufgesprungen und habe vor Freude aufgeschrien und noch im Stehen zurückgeschrieben», erzählt er.

In den folgenden Jahren arbeitete Lukas Niklaus für verschiedene Firmen an den unterschiedlichsten Filmen mit. Anfangs waren es vor allem kleinere Studios, die zwar an grossen Filmen arbeiteten, aber nur langweilige Arbeiten zugeteilt bekamen. «Ich will stets mit den Besten zusammenarbeiten, um von ihnen zu lernen. Und weil sie die coolsten Aufträge bekommen.» Auch wenn es schwierige Zeiten gab und er sich oft einsam fühlte, stellte Aufgeben für ihn nie eine Option dar: «Ich war überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn ich nicht wusste, wo genau er hinführt.»

Die Kunst, Emotionen sichtbar zu machen

Dieser Weg führte ihn 2015 nach Wellington, Neuseeland, wo er eine Stelle beim Studio Weta Digital erhielt. Dieses war vom bekannten Regisseur Peter Jackson («Herr der Ringe») gegründet worden und für die Animationen in Filmen wie «Herr der Ringe» und «Avatar» verantwortlich. «In den letzten sieben Jahren habe ich gewissermassen zu mir selber gefunden. Derzeit habe ich das Gefühl: Egal, was kommt, nichts kann mich aus der Bahn werfen.»

Lukas Niklaus’ jüngste Arbeit kann derzeit in den Schweizer Kinos betrachtet werden. Im Film «Planet der Affen: Survival» war er einer der Animatoren, welche den Affen Leben einhauchten. Das Resultat erfüllt Lukas Niklaus mit Stolz: «Noch nie habe ich mich so mit einem Projekt identifiziert wie hier. Fast in jeder Szene, die ich vom fertigen Film gesehen habe, hatte ich das Gefühl, dass ein Teil von mir drinsteckt.»

Als besonders erfüllend erlebte er die Arbeit an den Gesichtsanimationen. Bei der Dreharbeiten waren die Affen von echten Schauspielern dargestellt worden, deren Bewegungen und Mimik durch einen Motion-Capture-Anzug und eine spezielle Gesichtskamera genau vermessen und aufgenommen wurden. Die Aufgabe der Animatoren bestand darin, die Darstellung der menschlichen Schauspieler auf die digitalen Affenmodelle zu übertragen. «Die Kunst bestand darin, jede Regung und Emotion ganz genau herauszulesen und in den Gesichtern der Affen wiederzugeben. Dabei kam es auf jeden Muskel und jede Falte im Gesicht an.»

Hoffen auf die eigene künstlerische Performance

Dennoch ist sein Weg noch längst nicht zu Ende. «Bei Filmen wie ‹Planet of the Apes› ist es immer die Vision eines anderen, welche die Animatoren umsetzen», erzählt Niklaus, «es kommt oft vor, dass du eigene Ideen hast und bestimmte Dinge gerne anders machen würdest, aber letztlich bestimmt immer der Regisseur.»

Deswegen möchte er irgendwann mit eigenen Projekten seine Ideen verwirklichen. Und natürlich verfolgt er weiterhin das Ziel, einmal bei Pixar zu arbeiten. «Dort ist es der Animator, der die künstlerische Performance bringt, und nicht ein Schauspieler im Ganzkörperanzug», so Niklaus. Zudem besässen die Filme von Pixar diese besondere Magie, die kein anderes Studio hinkriege.

Nun ist er seit eineinhalb Jahren wieder zum ersten Mal in der Schweiz. Ein wenig merkwürdig sei es schon, gibt er zu. «Da merkst du plötzlich, dass Neuseeland wirklich am anderen Ende der Welt ist.» Die Arbeit mit den Studenten der Hochschule macht ihm grossen Spass. «Sie sind super motiviert. Und man spürt, dass sie etwas erreichen wollen.»

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