Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

KINO: Das Jenseits als Belohnung

Was kommt nach dem Tod? Regisseur Stéphane Goël stellt in «Fragments du paradis» einfache Fragen. Und bekommt witzige und nachdenklich stimmende ­Antworten.
Stéphane Goël geht auf Wanderung mit seinem Vater. In den Pausen diskutieren sie über Glauben und das Jenseits. (Bild: PD)

Stéphane Goël geht auf Wanderung mit seinem Vater. In den Pausen diskutieren sie über Glauben und das Jenseits. (Bild: PD)

Trailer zu allen aktuellen Kinofilmen finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/kino

Andreas Stock

Manchmal geht es nur darum, die richtigen Fragen zu stellen. Scheinbar einfache Fragen. Wie stellen Sie sich das Paradies vor? Gibt es ein Jenseits, und wie sieht es dort aus? Der Lausanner Filmemacher Stéphane Goël ist mit solchen Fragen in Altersheime und Spitäler in der Westschweiz gegangen – und mit einem reichen Schatz an berührenden, erheiternden, traurigen und kuriosen Antworten zurückgekehrt.

Individuelle Utopien

Eines zeigt sich dabei besonders: Die Vorstellungen vom Paradies sind nahezu so vielfältig und persönlich, wie es Menschen gibt. Die Vegetarierin, die Bibeltreuen, die Muslima, der Baum-, die Tier- und die Sonnenliebhaberin, sie alle haben ihre eigenen Bilder davon. Diese Bilder sind unmittelbare Belege ihrer individuellen Ideale und Utopien. Wenn es auch Ausnahmen gibt. So stellt sich ein Mann das voller Ironie und höchst erheitert über seine eigenen Gedanken irgendwie sehr langweilig vor: so im schönen, harmonischen Himmel, ganz ohne Diebe und Unfälle. Doch natürlich gibt es ebenso jene, für die es mit dem Tod einfach «Schluss, fertig, aus» ist: «Was wollen Sie aus dem Häufchen Asche noch herausholen?», meint eine Frau knochentrocken.

«Das ist eine Fangfrage!»

Diese in Schwarz-Weiss gedrehten Interviews mit den unterschiedlichsten Menschen, die ganz unverstellt, offen und direkt mit dem Filmemacher reden, sie sind das Gold in diesem Dokumentarfilm. Und in den dramaturgisch geschickt montierten Aussagen schwingt auch viel mit von der persönlichen Geschichte der Interviewten. Dabei werden zwei Aspekte besonders deutlich: Wie sehr sich das Paradies als eine Belohnung für die durchlebten Mühen und Plagen des Daseins erhofft wird; wie sehr man die Hoffnung braucht, dass es auf irgendeine Weise nach dem Tod weitergeht. Und zweitens: Wie stark der Wunsch danach ist, mit jenen wiedervereint zu sein, die ihnen im Leben lieb und wichtig waren: seien es die Eltern, der Ehepartner oder auch ein Wellensittich. Wenn Goël ganz pragmatisch fragt, wie sie sich das vorstellen, ihre Familie unter all den vielen Menschen zu erkennen, antwortet einer lachend: «Das ist eine Fangfrage!»

Wo soll man sich bedanken?

Weil die statisch gefilmten Porträts visuell allein den Film nicht tragen, es im Wechsel zu den Interviews eine Form von «Pause» braucht, hat Stéphane Goël zwei Bildebenen eingeflochten: einerseits alte Super-8-Aufnahmen mit typischen Familienszenen. Momente der Harmonie in den Ferien und bei Feiern, die oft frappant dem entsprechen, was sich viele wohl als einen paradiesischen Zustand vorstellen.

Anderseits begleitet die Kamera eine Bergwanderung des Regisseurs mit seinem Vater. In den Verschnaufpausen während des Aufstiegs stellt Stéphane Goël seinem Vater die gleichen Fragen. Er redet mit ihm über den Glauben und das Jenseits und staunt öfter über dessen Antworten. Einmal wird er seinen Sohn fragen: Bei wem bedankt man sich für das Glück, wenn es keinen Gott gibt?

Das Ziel der Bergwanderung bildet dann den Abschluss dieses klugen, warmherzigen Films. Und dort spannt sich dann ein unerwarteter Bogen über «Fragments du paradis». Dieser Ort, hat Stéphane Goël an den Filmtagen in Solothurn dem Publikum erläutert, bildete den eigentlichen Ausgangspunkt des Films. Als ihm sein Vater davon erzählte, hatte das den Regisseur überrascht und ihn erst auf die Idee zu diesem Film gebracht. Angefangen hat somit auch das Filmprojekt selbst mit einer einfachen Frage.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Hinweis

«Fragments du paradis» läuft ab Donnerstag im Kino Bourbaki (Luzern).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.