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KINO: Das Leben bestimmt die Geschichte

Ihren ersten langen Film «Petting Zoo» hat die Amerikanerin Micah Magee in ihrer Heimatstadt gedreht. Sie hat Ähnliches erlebt wie ihre Hauptdarstel­lerin. Ihr Auftritt berührt.
Regina Grüter
«Don't mess with Texas.» Die Aufschrift auf Laylas (Devon Keller) T-Shirt ist kein Zufall. «Ich liebe Texas», sagt Regisseurin Micah Magee, «sähe es aber gerne, wenn sich dort manche Dinge änderten.» (Bild: Look Now/PD)

«Don't mess with Texas.» Die Aufschrift auf Laylas (Devon Keller) T-Shirt ist kein Zufall. «Ich liebe Texas», sagt Regisseurin Micah Magee, «sähe es aber gerne, wenn sich dort manche Dinge änderten.» (Bild: Look Now/PD)

Regina Grüter

«Deine Mutter scheint eine arrogante Kuh zu sein.» Wenn Layla (Devon Keller) das sagt, ist «Petting Zoo», das Teenagerdrama, in dem sie die Hauptrolle spielt, schon weit fortgeschritten. Und als Zuschauer erschrickt man fast ein bisschen ob der Entschiedenheit und Grobheit dieser Äusserung. Hat man Layla doch als gleichmütiges, sanftes und duldsames Wesen kennen gelernt. Aber von Anfang.

San Antonio, Texas. Die erste Szene sagt schon viel aus über das Mädchen Layla. 17-jährig, enge Jeans, weites T-Shirt und Schulrucksack. Sie verabschiedet sich von ihrer Freundin Melanie (Deztany Gonzales), geht dem Highway entlang nach Hause zu ihrem Freund Danny (Kiowa Tucker) und erledigt dort erst einmal den Abwasch, bevor sie sich den Hausaufgaben widmet. Reif, verantwortungsbewusst, ehrgeizig. Zärtlicher Sex mit Danny vor dem Schlafengehen.

Im Gegensatz zu Danny, der nur herumhängt und kifft, hat sie ein Ziel vor Augen. Tatsächlich erhält sie tags darauf den erhofften Brief: Sie bekommt ein Stipendium fürs College in Austin. Und ihr ist häufig übel. Dass sie schwanger sein könnte, ist das Letzte, woran sie denkt. Bei Danny ist sie inzwischen wieder ausgezogen.

Arbeit mit Laiendarstellern

Das Thema Teenagerschwangerschaft im Film ist in der Tat nicht neu. «Juno» oder unlängst «Keeper» beispielsweise haben das auf jeweils sehr schöne Art und Weise thematisiert. Während in «Juno» das junge Paar (Ellen Page und Michael Cera) im Vordergrund stand, nahmen bei «Keeper» (mit Kacey Mottet Klein und Gallatéa Bellugi) auch die Eltern eine wichtige Rolle ein.

In «Petting Zoo» sind es die Frauen, insbesondere Layla, auf die der Fokus gerichtet ist. Und ihr Leben in San Antonio, wo Sexualität auch im 21. Jahrhundert ein Tabuthema ist. Die junge Filmemacherin Micah Magee weiss, wovon sie spricht. Sie hat in Berlin studiert, ist mit einem dänischen Regisseur verheiratet, Mutter von drei Kindern und lebt heute in Dänemark. Aufgewachsen aber ist sie in San Antonio und wurde selbst im Teenageralter schwanger. «‹Petting Zoo› wurde an den Orten meiner Kindheit gedreht: Highschools, die von Gefängnisarchitekten erbaut wurden, Wohnwagen, Rockbars, verlassene, halb fertige Wohnsiedlungen und Gewerbegebiete inmitten von Feldern.» 2011 hatte San Antonio die zweithöchste Teenagerschwangerschaftsrate aller amerikanischen Städte. An den meisten Schulen wird nach wie vor Enthaltsamkeit gepredigt. In ihrem ersten Langspielfilm verzichtet Magee auf einfache Schlussfolgerungen. «Ich mache mir nicht viel aus Drama», sagt sie. Das Leben bestimmt die Geschichte und nicht die Dramaturgie. Ihr Drehkonzept: «Ein kleines Team arbeitet mit echten Menschen an deren eigenen Schauplätzen zusammen.»

Dort, an ihrer alten Highschool, hat die Regisseurin auch ihre Hauptdarstellerin gefunden. Und Devon Keller ist einfach unglaublich. Charisma, Präsenz, Natürlichkeit, sie hat alles, was es braucht, um einen Film zu tragen. Auch die anderen jungen Darsteller stammen aus San Antonio oder Houston und standen allesamt das erste Mal vor der Kamera. Dazu Micah Magee: «Wenn man sich spezifisch einer bestimmten Gemeinschaft und einem Ort widmet, können sich auch andere Gemeinschaften damit identifizieren.» Wie wahr.

Aufgeben oder weitermachen?

Das ist es, was das Besondere von «Petting Zoo» ausmacht: Junge Menschen, die wie selbstverständlich und mit grosser Schlichtheit von Perspekti­ven­losigkeit und Langeweile in einer scheinheiligen Erwachsenenwelt erzählen. Die Kamera ist nah an Layla, wenn sie sich durch die scheinbar trostlose Umgebung bewegt. Denn Magee versteht die grosse Schönheit, die oftmals darin liegt, einzufangen. Es ist ihr eigener Blick.

Layla passt sich den Gegebenheiten an wie ein Chamäleon der Umgebung. Verbietet ihr der cholerische Vater abzutreiben, behält sie das Baby. Die Entscheidung aber, wo und mit wem sie leben möchte, lässt sie sich, wenn auch minderjährig, nicht nehmen. Sie findet Unterschlupf im Wohnwagen der warmherzigen Grossmutter, die sie nicht noch zusätzlich unter Druck setzt, sondern einfach da ist.

Das Leben hält abermals Schicksalsschläge für Layla bereit, worauf sie sich am liebsten von einer Wolke Marihuana einlullen lassen würde. Aber es funktioniert nicht mehr. Die Versuchung, sich treiben zu lassen, ist nur von kurzer Dauer. Sie ist jung und vergisst schnell. Voller Vorfreude darauf, was das Leben noch alles für sie parat haben mag.

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Hinweis

«Petting Zoo» läuft ab heute bis zum 20. Juli jeweils um 20.30 Uhr im Stattkino, Luzern (ohne 3., 10. und 17. Juli).

«Ein kleines Team arbeitet mit echten Menschen an deren eigenen Schauplätzen zusammen.» Regisseurin Micah Magee über ihre Arbeitsweise (Bild: Look Now/PD)

«Ein kleines Team arbeitet mit echten Menschen an deren eigenen Schauplätzen zusammen.» Regisseurin Micah Magee über ihre Arbeitsweise (Bild: Look Now/PD)

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