KINO: Das Verbrechen, verheiratet zu sein

Die Lovings lieben einander und geben dem Film den Titel. Ihr Kampf führte dazu, dass das Verbot der Ehe ­zwischen Schwarz und Weiss in den gesamten USA überwunden wurde.

Regina Grüter
Drucken
Teilen
Ruth Negga (2. von rechts) und Joel Edgerton (rechts).Bild: Frenetic/PD

Ruth Negga (2. von rechts) und Joel Edgerton (rechts).Bild: Frenetic/PD

Central Point, Virginia, Ende der 1950er-Jahre: Richard (Joel Edgerton) ist mit Afroamerikanern aufgewachsen. Sie sind seine Nachbarn und seine Freunde. Mildred (Ruth Negga) ist seine grosse Liebe – und schwanger.

Um heiraten zu können, muss das junge Paar jedoch nach Washington D. C. ausweichen, denn die gemischtrassige Ehe ist in ihrem Heimatstaat verboten. Virginias Bezirksstaatsanwalt erlässt schliesslich Haftbefehle gegen Richard und Mildred Loving. Mitten in der Nacht werden sie von den Sheriffs aus dem Schlafzimmer in Mildreds Elternhaus gezerrt und getrennt voneinander ins Gefängnis gesteckt.

Die Lovings werden wegen Verletzung des Rassenintegrationsgesetzes angeklagt. Nach Caroline County dürfen sie für 25 Jahre gemeinsam keinen Fuss mehr setzen – eine an ein Schuldbekenntnis geknüpfte Bedingung mit Aussicht auf Strafaussetzung. Erst ein Brief an Senator Robert Kennedy bringt den Stein ins Rollen und den «Fall Loving» vor den Obersten Gerichtshof.

Eine Geschichte, ­ die erzählt werden musste

Mit der Nominierung von Hauptdarstellerin Ruth Negga für einen Oscar war «Loving» neben «Moonlight», «Fences» und «Hidden Figures» einer der Filme, die sich in unterschiedlicher Weise dem Thema Rassendiskriminierung annahmen. Dass die haarsträubende Geschichte wahr ist, macht sie umso ergreifender.

Jeff Nichols zeigt einmal mehr, welch grossartiger Regisseur er ist. Schon mit den Familiendramen «Shotgun Stories» (2007) und «Take Shelter» (2011) – jeweils mit Michael Shannon – hat er tief beeindruckt. Als Drehbuchautor versteht es Nichols, die Figuren ungemein menschlich zu zeichnen; als Regisseur überlässt er alles Weitere den hervorragenden Schauspielern (Michael Shannon hat auch in «Loving» einen schönen Auftritt als Journalist).

Es ist in der Tat eine Geschichte, die erzählt werden musste. Nichols tut dies zurückhaltend und bettet die Figuren in der wunderschönen Landschaft ein. Dass Mildred in Washington D. C., wo sie bei Verwandten unterkommt, nie glücklich werden kann, muss gar nicht mehr in Worte gefasst werden.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch