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KINO: «Der Frosch» – Lieber Depression oder Impotenz?

Ein frisch getrennter, depressiver und mässig erfolgreicher Schriftsteller trifft auf eine lebensfrohe, talentierte Frau. Mit «Der Frosch» erzählt der Zürcher Jann Preuss eine Geschichte, die das Leben schreibt.
Miriam Lenz, sda
Im Glück: Jonas (Urs Jucker) und Gina (Liliane Amuat).Bild: Vinca Film

Im Glück: Jonas (Urs Jucker) und Gina (Liliane Amuat).Bild: Vinca Film

Der Mittvierziger Jonas (Urs Jucker, in dieser Rolle zu Recht für den Schweizer Filmpreis nominiert), hat es schwer. Die Mutter seiner Tochter hat ihn für den Kita-Leiter verlassen, während er mit schweren Depressionen kämpfte, und auch als Schriftsteller kommt er seit längerem auf keinen grünen Zweig mehr. Jonas versinkt im Selbstmitleid.

Erst Gina (Liliane Amuat), eine hübsche, unbeschwerte und leicht chaotische Teilnehmerin in seinem Schreibkurs für Anfänger, weckt ihn aus seiner Lethargie – mit einer selbst geschriebenen Geschichte über Frösche, in der Jonas viel Potenzial sieht. Oder zumindest ein stichhaltiges Argument, um sich öfter mit Gina zu treffen. Die beiden werden Freunde, Gina zieht sogar bei Jonas ein. Gemeinsam feilen sie an ihren Kurzgeschichten, verbringen Zeit mit Jonas’ Tochter und kommen sich näher. Mit dem ersten Kuss lassen sie sich Zeit. Doch als er passiert, scheint er eine vielversprechende Zukunft zu markieren. In Wahrheit aber ist es der Anfang einer Lebenskrise, wie sie Jonas bisher noch nicht erlebt hat.

Kombinierte ­ Baustellen

Weil die Psychopharmaka seine sexuelle Lust senken, setzt Jonas sie für seine neue Beziehung kurzerhand ab. Übereifrig, wie er ist, in Eigenregie – die Therapeutin hatte ihm dringend zu einer schrittweisen Absetzung geraten. Zum Glück etwas schleichender, aber halt trotzdem, kehren mit der neuen Nüchternheit auch die unerwünschten depressiven Gemütszustände zurück, die Jonas wie ein Verbissener mit Arbeit zu verdrängen versucht.

Gina lernt bald eine Seite an ihrem Freund kennen, die ihr nicht gefällt. Der einst so freundliche, verliebte, leidenschaftliche Partner ist auf einmal aufbrausend, rastlos und unberechenbar. Das kann kein gutes Ende nehmen. Zumal auch sie ihre Baustellen hat.

Scharfes Auge auf die Komik in der Tragik

Gescheiterte Beziehung, psychische Probleme, Krisen im Berufsalltag – die Themen, die der Zürcher Drehbuchautor und Filmemacher Jann Preuss im Spielfilm behandelt, sind aus dem Leben gegriffen. Sie können jeden betreffen, bloss: Die komische Seite an solch verzwickten Lebenssituationen sieht natürlich nur, wer nicht selber mittendrin steckt.

Und so sehr man als Zuschauer auch mit dem Protagonisten und seiner Freundin mitleidet, ist einem im Kino stets der Blick von aussen vergönnt. So ist die Szene vom Geburtstagsfest seiner Tochter, in der Jonas’ ganzer Frust und seine Wut auf den dauergrinsenden und übermotivierten Freund seiner Ex aus ihm herausbrechen, nichts als herrlich. Ebenso amüsant auch die feuchten tropischen Träume, in denen sich Jonas immer wieder als ein glücklicher Insulaner, erfolgreichen Autor und Familienvater vorstellt.

«Der Frosch» ist eine wunderbar besetzte, ebenso gespielte, humorvoll wie feinfühlig inszenierte Geschichte über die Zerrissenheit zwischen Übermut und Vernunft. Ein Film, der mit vertrauten Inhalten auskommt und trotzdem überrascht.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Miriam Lenz, SDA

kultur@luzernerzeitung.ch

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