KINO: «Der kulturelle Schulterschluss freute mich»

Technisch aufgearbeitet und digitalisiert: Das erste Grossprojekt von Erich Langjahr aus den späten Siebzigern kommt wieder in die Kinos.

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«Morgarten findet statt» geht der Bedeutung der Schlacht auf den Grund. (Bild: PD)

«Morgarten findet statt» geht der Bedeutung der Schlacht auf den Grund. (Bild: PD)

Fast 40 Jahre ist es her, als Erich Langjahr dem Kanton Schwyz ein Filmkonzept vorlegte – «Morgarten findet statt», das erste grosse Projekt des damals jungen Zuger Filmregisseurs. Der Zweck: anlässlich der Jahresschlachtfeier von 1978 das bedeutende historische Ereignis bilderbuchartig filmisch umzusetzen. «Die leitende Idee des Dokumentarfilmes war und ist es», erklärt Erich Langjahr, «zu untersuchen, wie Morgarten als Begriff in der Bevölkerung und insbesondere in der Innerschweiz verstanden und verwirklicht wird.» In Stimmungsbildern wird festgehalten, wie die Bevölkerung nach Morgarten zieht und worin jeder die Bedeutung dieses nationalen Symbols für sich und seine Mitmenschen sieht.

Meiste Szenen an einem Tag

Langjahr plante das Projekt gemeinsam mit dem Filmemacher Beni Müller. Es fand sowohl beim Kanton Schwyz als auch in Zug Zuspruch von offizieller Seite und wurde finanziell unterstützt. Das war seinerzeit alles andere als selbstverständlich. Langjahr: «Die kantonalen Filmförderungen standen in der Zeit der Produktion dieses Filmes 1977/78 am Anfang. Mit dem Morgarten-Film hat meines Wissens die kantonale Filmförderung nicht nur in Zug, sondern auch in anderen Innerschweizer Kantonen ihren Anfang genommen.» Bei den Beiträgen aus offizieller Hand blieb es aber nicht. Schliesslich fanden sich rund 60 Donatoren, die das Projekt unterstützten. Darunter Gemeinden und Bürgergemeinden, Banken, Versicherungen und Industrie sowie auch private Geldgeber. An nur einem Tag wurde ein Grossteil der Szenen gedreht. «Das war ein logistischer Kraftakt.» Es wirkten Mitglieder von Schützengemeinden, der Festgemeinde, Trachtengruppen sowie zahlreiche Kinder und Schüler mit – insgesamt über 3000 Personen. Das Kamerateam bestand aus nicht weniger als 18 Leuten.

Schliesslich lagen stolze 96 Film­minuten im 16-mm-Format vor, die an der Uraufführung im Kino Seehof in Zug zum ersten Mal für die Öffentlichkeit über die Spule ratterten. In den Achtzigerjahren folgten Aufführungen an diversen Filmfestivals und einige Ausstrahlungen im Fernsehen, dann verschwand der Film im Archiv der Zuger Stadtbibliothek.

Filmmaterial in schlechtem Zustand

Im Hinblick auf die 700-Jahr-Feier der Schlacht am Morgarten holte der Regisseur den Dokumentarfilm aus den Regalen. Seine Sichtung ergab, dass das Filmoriginal nach all den Jahren in einem schlechten Zustand war. Langjahr: «Da das Budget sehr bescheiden war, wurde der Film mit einem günstigen Material gedreht, welches über die Jahre sehr gelitten hat.» Eine Restaurierung war unumgänglich. Der Zuger Regisseur klopfte bei Memoriav, dem Kulturgüterschutz des Bundes, an – und hatte Glück: Memoriav war bereit, sich mit einem grosszügigen Geldbetrag an den Restaurierungskosten zu beteiligen. Auch die Kantone Zug, Schwyz und Luzern sowie weitere Gönner unterstützen die Aufarbeitung des Filmmaterials. «Dieser kulturelle Schulterschluss hat mich sehr gefreut», so Langjahr.

Aus dem Labor kam bald ein positiver Bescheid: Die Farben können gerettet werden, eine Digitalisierung des Films ist möglich. Somit kann das Zeitdokument für die Nachwelt erhalten werden. Ein Glücksfall, «denn so, wie sich der Film heute darstellt, hat er an Aktualität nichts eingebüsst», kommt der Urheber zum Schluss. Dem zuträglich ist nicht zuletzt die Tatsache, dass Langjahr den Film damals bewusst ohne Kommentare abgedreht hat. «Kommentare lassen Filme nämlich schnell altern.»

Mehrere Kinoaufführungen

Jetzt wird die restaurierte und digitalisierte Fassung von «Morgarten findet statt» anlässlich des Schlachtjubiläums als Reprise gezeigt. Den Anfang machte das Kino Gotthard in Zug.

Andreas Faessler

Hinweis

18. und 25. Okt., 11.30, Bourbaki (Luzern); 18. Okt.,11 Uhr, und 21. Okt. 18 Uhr Cinepool (Sins); 21. Oktober, 20.15 Cineboxx (Einsiedeln).