KINO: Der zahnlose Gangster mit dem leeren Blick

Ben Afflecks guter Ruf stammt von Filmen wie «Argo», dem klugen Thriller über die Geiselnahme in der US-Botschaft im Iran 1979. Das Problem von Afflecks Filmen ist, dass er auch vor der Kamera steht. Wie in «Live By Night».

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Sieht ein Gangster so aus? Ben Affleck als Joe Coughlin in «Live By Night». (Bild: outnow.ch/PD)

Sieht ein Gangster so aus? Ben Affleck als Joe Coughlin in «Live By Night». (Bild: outnow.ch/PD)

Der 44-Jährige Ben Affleck mimt Joe Coughlin, einen Kleinkriminellen in den USA der Prohibitionszeit, der sich mit Überfällen auf ille­gale Kartenspielrunden in Hinterzimmern von Bars über Wasser hält. Schliesslich wagt er sich an einen Banküberfall, aber die blinde Liebe zur Geliebten eines Mafiabosses (Höhepunkt des Films: Sienna Miller) lässt ihn einen Fehler machen. Er wird nach Florida versetzt und baut dort mit einem Helfer (zu wenig gefordert: Chris Messina) einen florierenden Alkoholschmuggel auf, bis schliesslich alte Feinde aus der Vergangenheit auftauchen.

Das Buch von Dennis Lehane liefert also genug Stoff für einen klassisch-opulenten Gangsterfilm – und tatsächlich ist die Ausstattung des Films sein grösstes Plus: Die Oldtimer-Verfolgungsjagden erzeugen gleichzeitig Nostalgie und Action. Selbst die wenig subtile Bildsprache, die Boston in kaltes Grau und Florida in Orangetöne setzt, wirkt schlüssig. All diese Äusserlichkeiten treffen aber auf ein – ebenfalls von Affleck geschriebenes – unmotiviertes Drehbuch, dem weder die grossen Spannungsbögen noch die kleinen Details gelingen. 129 Minuten fühlen sich durch die plump entwickelten Charaktere deutlich länger an.

Bewertung: 2 von 5 Punkten

dpa/mm

Joe und seine gefährliche Affäre Emma Gould (Sienna Miller). (Bild: outnow.ch/PD)

Joe und seine gefährliche Affäre Emma Gould (Sienna Miller). (Bild: outnow.ch/PD)