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KINO: Diane Kruger: «Als würde ich untergehen»

Ausgerechnet mit einem deutschen Film feiert Diane Kruger ihren grössten Erfolg – und ist endlich in einer fordernden Rolle zu sehen. Die Dreharbeiten zu «Aus dem Nichts» hätten ihr Leben verändert, sagt sie.
André Wesche
«Es hat Monate gedauert, einigermassen aus der Geschichte herauszukommen»: Diane Kruger verliert als Katja in «Aus dem Nichts» Mann und Kind. (Bild: PD)

«Es hat Monate gedauert, einigermassen aus der Geschichte herauszukommen»: Diane Kruger verliert als Katja in «Aus dem Nichts» Mann und Kind. (Bild: PD)

Interview: André Wesche

Deutschlands Hollywood-Export Diane Kruger wurde mit Filmen wie «Troja» und «Inglourious Basterds» weltbekannt. Den bislang grössten Erfolg feiert das Ex-Model nun mit einer deutschsprachigen Rolle. In Fatih Akins vom NSU-Prozess inspirierten Drama «Aus dem Nichts» verkörpert die 41-Jährige die junge Frau Katja, deren Mann und Kind bei einem rechtsradikal motivierten Bombenanschlag ums Leben kommen. Für ihre famose Leistung erhielt sie den Darstellerpreis in Cannes. Der Film wird als Oscar-Kandidat gehandelt.

Diane Kruger, was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihnen Fatih Akin die Rolle der Katja anbot?

Ganz ehrlich? Ich wusste nicht, warum Fatih in diesem Zusammenhang an mich gedacht hat. Eine solche Rolle bekomme ich normalerweise nicht angeboten. Es war mir von Anfang an klar, dass Katja eine Rolle meines Lebens werden könnte, wenn der Film gut wird. Es war ein ganz grosses Geschenk.

War es dann auch die schwierigste Rolle Ihres Lebens?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe auch das Gefühl, dass ich für diese Rolle auf einer persönlichen Ebene bezahlt habe. Ich habe mich über sechs Monate lang vorbereitet. In dieser Zeit habe ich fast 30 Familien kennen gelernt, in denen es Opfer brutalen Mordes gegeben hat. Je mehr Zeit man mit diesen Menschen verbringt, umso mehr trifft einen das auch persönlich. Diese Energie von Menschen, die alles verloren haben, gerade die Mütter. Das werde ich nie vergessen. Egal ob der Film ein Erfolg ist oder nicht, auf der persönlichen Ebene hat er mein Leben verändert.

Wie lange braucht es, um von solch intensiven Dreharbeiten Abstand zu gewinnen?

Ich denke noch immer ständig daran. Ich kann mir den Film auch nicht noch einmal anschauen. Es hat Monate gedauert, einigermassen aus der Geschichte herauszukommen. Alles kam zusammen. Mein Stiefvater ist während des Drehs gestorben. Mein Privatleben hat sich mit der Arbeit vermischt wie noch nie. Ich hatte ein Gefühl, als würde ich untergehen.

Hatten Sie im Ausland von den NSU-Morden erfahren?

Nur bedingt, meistens durch meine Mutter. Unser Film handelt von Terror und Neonazis und er basiert auf einem wirklichen Prozess. Aber am Ende des Tages ist es ein Film über die Trauer. Das war es, was mich in erster Linie interessiert hat. Der Film hätte auch an anderen Orten stattfinden können, die Täter hätten auch Dschihadisten oder Amokläufer sein können. Eigentlich ist es ein Film über die Hinterbliebenen. Das hat mich unheimlich berührt, weil man von ihnen eigentlich viel zu wenig hört.

Planen Sie eine neuerliche Zusammenarbeit mit Fatih Akin?

Wir versuchen, eine Miniserie über Marlene Dietrich zu reali-sieren. Das wäre noch mal ein Traum für mich, und es sieht so aus, als ob es irgendwann mal passieren wird.

Glauben Sie, dass die Enthüllungen über den sexuellen Missbrauch in Hollywood Veränderungen bewirken werden? Oder wird es ein Sturm im Wasserglas bleiben?

Es wird auf jeden Fall anders werden. Zuvor war es ein grosses Tabu. Alle wussten, was passiert, aber keiner hat etwas gesagt. Das hat sich geändert. In allen Bereichen haben Frauen Angst, ihren Job zu verlieren. Der Missbrauch von Macht ist allgegenwärtig, viele sind eingeschüchtert. Es hat lange gebraucht, bis jemand gesagt hat, scheiss drauf, ich habe eh nichts mehr zu verlieren.

Sie sind zunehmend häufig auch als Produzentin tätig.

Es liegt mir nah, Geschichten über Frauen zu erzählen, die wirklich etwas geleistet haben, aber keine Stimme hatten. Ich werde weiter produzieren. Man schreibt diese Geschichten nicht für uns, wenn wir sie nicht selbst schreiben.

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