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KINO: Die Erfinder des Fussballs

Wallace und Gromit»-Schöpfer Nick Park hat mit dem herrlichen Knetgummi-Abenteuer «Early Man» eine Brexit-Allegorie gedreht und mit der Fussballweltmeisterschaft verknüpft.
Daniel Kothenschulte
Wackere britische Keulenschwinger in der Jungsteinzeit: «Early Man» bietet ein irrwitziges Fussballspiel. (Bild: Studiocanal S.A.)

Wackere britische Keulenschwinger in der Jungsteinzeit: «Early Man» bietet ein irrwitziges Fussballspiel. (Bild: Studiocanal S.A.)

Daniel Kothenschulte

In einem Popsong aus den frühen Sechzigern brauchte der liebe Gott «a hundred pounds of clay», einhundert Pfund Lehm, um Mann und Frau zu erschaffen. Der englische Animator Nick Park benötigte für seine berühmtesten Schöpfungen Wallace und Gromit nur ein paar Klümpchen des formbaren Materials. Seit ­seinem Studentenfilm «A Grand Day Out» sind die beiden Weltstars. Das war 1989, und das ­Medium der «Clay-Animation», bis dahin fast ausschliesslich bei Freunden des Kinderfernsehens als Knetgummi-Animation beliebt, reifte zur grossen, geradezu epischen Erzählform.

Jeder neue Film aus Parks Studio Aardman Animation in Bristol wird von Fans seither als kleines Ereignis gefeiert. Sie verloren sich nie in Fantasywelten und feierten zugleich die bodenständige Schönheit englischer Landschaften, Hühnerfarmen und Reihenhausidyllen. Kann es noch archaischer zugehen als in auf den gemütlichen Weiden von Shaun, dem Schaf?

Von der Moderne bedroht

Und ob: «Early Man», der bislang aufwendigste abendfüllende Film des Aardman-Studios, führt zurück in die Jungsteinzeit, deren einfache Freuden von der Moderne – nun ja, erst einmal von der Bronzezeit – bedroht werden. In glücklicher Abgeschiedenheit tummeln sich die Keulenschwinger überraschend friedlich in einem idyllischen Krater. Ihr ­Lebensinhalt ist der Fussball, den sie offensichtlich erfunden ­haben. Es ist wohl nicht zu viel verraten, dass in der archaischen Version, die hier gespielt wird, ein Wort wie Viererkette noch recht exotisch klänge. Doch wer den Titel «Early Man» auf die Goldwaage legt, erkennt zugleich nicht weniger als die Frühform von Manchester United.

Als der Stamm von Eindringlichen angegriffen wird, die sich mit Bronze-Accessoires schmücken und sogar schon wissen, was Räder sind, hat Dug, der klügste der Steinzeitmenschen, eine Idee: Warum nicht statt einer Schlacht von David gegen Goliath ein Fussballmatch austragen? Leider haben die eitlen Bronzekrieger, darunter auch ein Blondschopf mit dem deutschen Namen Jürgen, auch im Sport einiges auf dem Kerbholz. Was folgt, ist das irrwitzigste Fussballspiel seit Disneys «Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett». Doch es geht nicht nur um die – mangels eines entwickelten Defensivspiels – in enger Frequenz prasselnden Tore. «Early Man» kann man auch als Brexit-Analogie lesen: Da sieht sich ein Inselvolk ausbeuterischen Eindringlingen gegenüber, deren Anführer mit breitem französischem Akzent spricht, während einige seiner Recken geradewegs von Real Madrid zu kommen scheinen. Auf den zweiten Blick aber sind die britischen Steinzeitmenschen die wahre multikulturelle Gemeinschaft. Und während im Bronzezeit-Team ein überkommener Machismo herrscht, ist der wahre Lokalstar aus Manchester eine ­fabulös kickende Steinzeitfrau. Wem also die Zukunft gehört, ist wie im Leben völlig offen. Nick Park hat mit seinem rasanten und irrwitzig komischen Knetgummi-Fussballfilm den Film zur Stunde gedreht: sowohl mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen wie auf die Fussballweltmeisterschaft.

Erfindergeist der Arbeiterklasse

Wie stets in seinen Filmen feiert Park dabei den Erfindergeist der Arbeiterklasse, so aufwendig sein Kino ist, ist es doch dem Sozialismus eines Ken Loach näher als aller Konsumfreude Hollywoods. Heute hat der Stop-Motion-Film sogar den handgezeichneten Animationsfilm an Erfolg übertroffen und trotzt sogar der Vormachtstellung der Computeranimation. Das Studio, das Parks Mitstreiter Peter Lord und David Sproxton 1966 als Zwölfjährige in ihren Kinderzimmern gründeten, ist vielleicht auch eine Unterhaltungsschmiede.

Geduld und Bescheidenheit sind – neben allem Talent – Grundvoraussetzungen für eine Karriere in der Puppen- oder Clay-Animation. Sie zu bewahren auch nach vier Oscar-Gewinnen, den 220 Millionen Dollar, die der erste Langfilm «Chicken Run» einspielte, oder dem Welterfolg der Fernsehserien ist wohl das eigentliche Wunder von Aardman Animation.

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