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KINO: Die Katakomben des Kapitalismus

Die Faszination für die «Machines» ist im Dokfilm des Inders Rahul Jain zwar stets präsent. Doch vor allem ist diese Reise in die Innereien einer indischen Textilfabrik eine Anklage gegen Ausbeutung und Schinderei.
Geri Krebs
Eine von vielen eindrücklichen Szenen aus einer indischen Textilfabrik im Dokfilm «Machines». (Bild: Filmcoopi)

Eine von vielen eindrücklichen Szenen aus einer indischen Textilfabrik im Dokfilm «Machines». (Bild: Filmcoopi)

Geri Krebs

kultur@luzernerzeitung.ch

Es dauert fast eine Viertelstunde, bis erstmals jemand etwas sagt in diesem Film. Davor hat es geschnaubt und gestampft, gezischt und gerattert. Und ganz zu Beginn stand man während längerer Zeit vor einem Ofen, aus dem nur so die Funken herausstieben und den ein Arbeiter mit einem riesigen Schürhaken und völlig ungeschützt einheizt.

Man sieht danach einen anderen Arbeiter unter Einsatz all seiner Kräfte einen überdimensionierten Farbkübel hinter sich herziehen. Der Mann geht durch düstere, labyrinthische Gänge, die von urzeitlich anmutenden Maschinen und gewaltigen Rohren gesäumt sind, aus denen ständig Dämpfe entweichen. Einige der Maschinen erinnern mit ihren sinnlos scheinenden Bewegungen an Werke eines Jean Tinguely, eine Assoziation, die im Kontext von dem, was man sonst hier sieht, ziemlich fehl am Platz ist.

24 oder gar 48 Stunden ohne Unterbruch arbeiten

Es ist eine riesige Textilfabrik im indischen Gliedstaat Gujarat, die der indische Regisseur Rahul Jain zusammen mit seinem mexikanischen Kameramann Rodrigo Trejo Villanueva in seinem ersten langen Kinofilm porträtiert. Er tut es auf eine Art und Weise, die ein wenig an die Dokumentarfilme eines Michael Glawogger erinnert. Der 2016 verstorbene österreichische Regisseur hat in seinen Filmen «Megacities» und «Working Man’s Death» die grenzenlose Ausbeutung von Arbeitern auf dem indischen Subkontinent ebenfalls in ungemein packenden Bildern geschildert. Doch anders als bei Glawogger haben die Arbeiter hier eine Stimme.

Und sie haben etwas zu erzählen. Etwa, dass sie pro Tag umgerechnet 3 Euro verdienen und bisweilen 24 oder gar 48 Stunden ohne Unterbruch arbeiten. Und man sieht Knaben, noch keine zehn Jahre alt, an ratternden Maschinen, so müde, dass ­ihnen immer wieder die Augen zufallen. Gewisse Dinge würde man am besten im Kindesalter lernen, erklärt eines dieser Kinder. Und das klingt so überzeugt wie die grotesken Rechtfertigungen des Fabrikherrn für die tiefen Löhne der Arbeiter: Diese Leute seien ja so ungebildet, dass sie ihr Geld nur für Tabak oder Alkohol ausgeben würden, wenn sie mehr verdienten ...

Berauschend und empörend zugleich

Es ist ein Film, der einen mit total widersprüchlichen Gefühlen zurücklässt: berauscht von seinen visuellen Qualitäten und verstört und wütend über die Realität, die er zeigt. In dieser Hinsicht hat er Gemeinsamkeiten mit einem anderen Dokumentarfilm über Arbeitswelten, der kürzlich im Kino zu sehen war (vergleiche Ausgabe vom 12. Januar): «Taste of Cement» von Ziad Kalthoum.

Hinweis

«Machines» läuft seit gestern im Stattkino Luzern.

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